Fachlehrer: VBE-Umfrage zeigt dringenden Handlungsbedarf
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg fordert das Land dazu auf, den Beförderungsstau bei Fachlehrkräften rasch zu beenden. Laut einer Umfrage des Referats Fachlehrkräfte im VBE befinden sich aktuell 75% der befragten Fachlehrer im Beförderungsstau.
16.07.2018 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDer Landesvorsitzende des VBE Baden-Württemberg, Gerhard Brand, bemängelt die aktuelle Situation. „Es gibt zu wenige Stellen für Fachlehrkräfte, die laut Landesbeamtengesetz § 20 (3) 2 und 3, jeweils nach einem Jahr aus der Besoldungsgruppe A 9 in die Besoldungsgruppe A 10 und A 11 befördert werden könnten. Kolleginnen und Kollegen verharren laut unserer Umfrage aber teilweise bis zu 13 Jahre in der Besoldungsgruppe A 9“, moniert der Landesvorsitzende.
Die Umfrage des VBE Baden-Württemberg zeigt ebenfalls, dass Fachlehrerinnen und -lehrer lange Ausbildungszeiten hinter sich haben. 65,71% der befragten Fachlehrkräfte hatten eine Ausbildung, die länger als fünf Jahre gedauert hat. „Wenn man alles zusammennimmt sind die Regel aktuell sieben bis acht Jahre Ausbildung für Fachlehrkräfte“, erläutert Rosemarie Mohr, Landesreferatsleiterin Fachlehrkräfte im VBE Baden-Württemberg.
Nach ihrer Ausbildung übernehmen Fachlehrerinnen und -lehrer an nahezu allen Schularten in Baden-Württemberg auch Aufgaben als Klassenlehrkraft. „An einer Realschule beispielsweise bedeutet das diesbezüglich die gleiche Belastung wie eine Regelrealschullehrkraft. Nur dass die Realschullehrkraft nach A 13 besoldet wird und eine Fachlehrkraft für die gleiche Arbeit bis zu 1.600 Euro brutto weniger erhält “, so Mohr.
Damit nicht genug. Wie die Umfrage zeigt, unterrichten Fachlehrerinnen und -lehrer in Zeiten des Lehrkräftemangels auch die Fächer Mathematik, Deutsch sowie Heimat und Sachkunde. „Das sind Fächer, für welche die Kolleginnen und Kollegen nicht ausgebildet wurden und die sie fachfremd unterrichten müssen“, so der Landesvorsitzende Gerhard Brand, der auch die Rechtmäßigkeit des Einsatzes von Fachlehrkräften in diesen Fächern anzweifelt.
Die Umfrage unter Fachlehrkräften zeigt weiter, dass Fachlehrerinnen und -lehrer durch die Bank an allen Schularten eingesetzt werden. Eine Herausforderung sei der Einsatz an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), da musisch-technische Fachlehrerinnen und -lehrer hierfür nicht explizit ausgebildet würden, so die Landesreferatsleiterin Fachlehrkräfte.
„Angesichts dieser Tatsachen und hinsichtlich der neu gestalteten, erweiterten dreijährigen Ausbildung ist eine Eingangsbesoldung nach A 9 für eine Fachlehrkraft nicht mehr angemessen“, fasst Rosemarie Mohr zusammen. Der Sprecher der Pädagogischen Fachseminare Baden-Württemberg, Dr. Thomas Hertel, schlägt in die gleiche Kerbe: „Die Ausbildungsstrukturen im dritten Jahr an den Pädagogischen Fachseminaren sind vergleichbar mit der Ausbildung für Referendare des zweiten Abschnitts an den Staatlichen Seminaren.“
Über die Signale von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU) in der Südwestpresse zeigte sich der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand erfreut: "Die Ankündigung der Kultusministerin, dass ein neues Konzept für Fachlehrerinnen und Fachlehrer in Arbeit ist, freut uns. Wir erwarten die Ergebnisse mit einiger Spannung, da für die Kolleginnen und Kollegen eine sichere Aufstiegsperspektive ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung von Seiten des Landes wäre."
Der VBE Baden-Württemberg fordert für Fachlehrkräfte:
- Einen raschen Abbau des Beförderungsstaus bei Fachlehrkräften durch Schaffung entsprechender Stellen.
- Die Eingangsbesoldung A 10 für alle Fachlehrkräfte und die Beförderung in die Besoldungsgruppe A 11 laut Landesbeamtengesetz §20, (3) 2 und 3 oder spätestens nach 3 Jahren.
- Die Möglichkeit zur Teilnahme an einem wissenschaftlichen Aufstiegslehrgang für alle Fachlehrerinnen und -lehrer, die 15 Jahre im Beruf sind.
Hintergrund:
Fachlehrkräfte verfügen nicht über ein Lehramtsstudium und werden deswegen in einem mittlerweile dreijährigen Ausbildungsgang an den pädagogischen Fachseminaren ausgebildet.
Für die Ausbildung muss ein Studium oder eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung vorgewiesen werden. Fachlehrkräfte können sich für den musisch-technischen Ausbildungsgang oder den sonderpädagogischen Ausbildungsgang entscheiden.
Fachlehrkräfte können nach einem Jahr in der Besoldungsgruppe A 9 in die Besoldungsgruppe A 10 und nach einem weiteren Jahr in die Besoldungsgruppe A 11 befördert werden (§20 (3) 2 und 3 Landesbeamtengesetz). Da jedoch nicht ausreichend Stellen für Fachlehrkräfte geschaffen wurden und werden, hat sich ein erheblicher Beförderungsstau gebildet.
Im Rahmen der Umfrage hat das Referat Fachlehrkräfte Fachlehrerinnen und -lehrer im VBE Baden-Württemberg unter anderem zu ihrer Ausbildung und ihrer Gehaltsstufe befragt.
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