Geschichtsunterricht am Gymnasium

Johann Schloemann hat mit seinem Beitrag "Sieben Stunden G8" in der SZ vom 19. Juli ein Musterbeispiel geliefert, wie man journalistisch nicht vorgehen sollte. Schlechte Rechereche, entsprechend wenig Sachkenntnis, viele Worte und am Rande noch beleidigende Seitenhiebe. Doch nun zum Einzelnen:

21.07.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Der Autor behauptet, dass in Bayern im Frühjahr 2008 mit dem Rotstift an die Lehrpläne herangegangen worden sei. Deshalb seien nun im Fach Geschichte in der Oberstufe nur noch jeweils sieben Stunden für die Weimarer Republik und das Dritte Reich vorgesehen.

Tatsache ist: Die Lehrpläne für diese Schwerpunkte im Fach Geschichte in der Oberstufe stammen aus dem Jahr 2004, hier wurde 2008 nichts gekürzt. Faktisch wurde sogar bei der Überarbeitung des Lehrplans in diesem Jahr die Themenstellungen der 1. deutschen Demokratie, ihres Scheiterns und des Braunen Totalitarismus in der Mittelstufe des Bayerischen Gymnasiums noch verstärkt. Eine Nachfrage im Kultusministerium hätte dem Autor bereits die nötige Sachkenntnis vermittelt. Sie unterblieb.

Fakt ist außerdem, dass die Geschichte der Menschheit weiter geht und dass die Vernetzung nicht erst nach dem Fall der Mauer durch die Wirtschaft und neue Kommunikationsmöglichkeiten zunimmt. Für diese Entwicklung steht tatsächlich auch der Nah-Ost-Konflikt im Lehrplan, der über Jahrzehnte nicht nur im Nahen Osten für Sprengstoff sorgt.

Die dicken Pinselstriche, mit denen der Autor Entwicklungen im Bildungsbereich beschreibt, zeugen von seinem Unverständnis gegenüber den Eltern und ihren Kindern. Seine Interpretation des Bayerischen Gymnasiums als einem "anstrengungslosen Weg in die gesellschaftliche Elite" beweist dies. Ebenso die von Herrn Schloemann so rosig dargestellten Initiativen von rot-grün. Die haben zumindest in der bundesdeutschen Bildungslandschaft noch keine Erfolge erzielt - die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien zeigen dies über Gebühr. Bayern liegt dort nämlich vorn und vermittelt seinen Schülern bestmögliche Startchancen in Ausbildung und/oder Studium.

Die beleidigende Entgleisung des Autors zu einer Persönlichkeit der Bildungspolitik, der alle Kinder fördern will, soll hier nicht mehr wiederholt werden. Vielleicht glaubt Herr Schloemann, sich unter dem Deckmantel der Pressefreiheit alles herausnehmen zu können und zu müssen. Das ist dann wirklich geistlos und schadet dem Image jeder Zeitung.


Weiterführende Links

  • Nationalsozialismus light (sueddeutsche.de)

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