Bremen: Investieren statt improvisieren
Anhaltender Raummangel, fehlendes Personal, und der Rechtsanspruch Ganztag stellen die Schulen zu Beginn des neuen Schuljahres weiterhin vor große Herausforderungen.
13.08.2026 Bremen Pressemeldung GEW BremenAuch wenn Senator Mark Rackles vor den Ferien verkündete, dass die Unterrichtsversorgung in der Stadt Bremen nicht nur gesichert, sondern darüber hinaus nachhaltig gestärkt wurde, scheint das nicht für alle Standorte zu gelten. Schulen in ärmeren Stadtteilen in Bremen scheinen weiterhin nicht so gut dazustehen und die Schulen der Stadtgemeinde Bremerhaven wurden bei den zusätzlichen Ressourcen überhaupt nicht berücksichtigt. Wer behauptet, Schulen nachhaltig gestärkt zu haben, muss dies in der Landeszuweisungsrichtlinie festlegen und sicherstellen, dass Schulen mit größeren sozialen Herausforderungen besonders gut ausgestattet werden, landesweit nach einheitlichen Sozialindikatoren.
Der Rechtsanspruch Ganztag stellt die Grundschulen beider Stadtgemeinden vor große Herausforderungen, konzeptionell und finanziell. Auch wenn es positiv ist, dass allen Kindern ein entsprechendes Angebot unterbreitet werden konnte, benötigt es jetzt verbindliche Standards für Räume, Personal und pädagogische Arbeit sowie eine verlässliche Finanzierung. Denn Ganztag gelingt nicht nebenbei. Der Ganztagsausbau darf nicht mit dem bloßen Abhaken von Betreuungsplätzen verwechselt werden. „Es ist naiv zu glauben, dass Ganztag gelingt, nur weil das Personal aus den Horten an Schulen versetzt wurde“ kritisiert Elke Suhr, Landessprecherin der GEW, die Umsetzung in Bremerhaven. „Die Kolleg*innen benötigen u.a. Zeit, um unter den neuen Bedingungen mit dem Kollegium konzeptionell zu arbeiten, zu planen und zu reflektieren." Entscheidend ist, was bei den Kindern tatsächlich ankommt. Wenn am Ende vormittags Unterricht und nachmittags Betreuung nebeneinanderstehen, wird der Anspruch an eine gute Ganztagsschule verfehlt.
"Auch ist den Eltern nicht geholfen, wenn ihnen verwehrt wird, ihr Kind z.B. für Therapietermine früher abzuholen und sie sich schon ein Jahr im Voraus festlegen müssen, wann sie im folgenden Sommer eine Ferienbetreuung benötigen. Das ist realitätsfremd“ ergänzt Suhr.
Ganztag braucht einen guten Tagesrhythmus, Rückzugsorte, Zeit für Kooperation, multiprofessionelle Teams und pädagogische Qualität. Dafür müssen ausreichend Fachkräfte vorhanden sein und gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden. „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet an Personal und Qualität gespart wird und dadurch bestehende gute Strukturen unter Druck geraten. Der Rechtsanspruch muss in Bremen zu einem Qualitätsanspruch werden – für jedes Kind.“ ergänzt Fabian Kinz von der GEW Bremen.
Gespannt erwartet die GEW die Arbeitszeiterfassung und wird die Pilotphase in diesem Schuljahr kritisch begleiten. Die GEW wiederholt ihre Kritik darüber, dass schon bevor Ergebnisse der Arbeitszeiterfassung vorliegen, Maßnahmen zur Arbeitszeiterhöhung bzw. -verdichtung beschlossen wurden. Neben der Erhöhung der Präsenzzeit betrifft dies die Abschaffung der Unterrichtsermäßigung aus Altersgründen. „Hierdurch geht den Schulen nicht nur Zeit für wichtige außerunterrichtliche Tätigkeiten verloren, die die Kolleg*innen übernommen hatten, sondern führt auch dazu, dass die Gesundheit der Kolleg*innen aufgrund der höheren Belastung durch den Unterricht gefährdet wird.“ sagt die Landessprecherin der GEW, Ramona Seeger. „Ich würde mich nicht wundern, wenn die Krankheitstage durch diese höhere Belastung steigen.“ „Wir fordern den Senat auf, diese Maßnahme wieder zurückzunehmen“ ergänzt Suhr.
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