GEW: "Chance nutzen: Bund und Länder müssen vor allem in Ausbau von Studienplätzen investieren"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund und Länder aufgefordert, vor allem in den Ausbau von Studienplätzen zu investieren. "Statt den Ansturm der Studierenden auf die Hochschulen zu bejammern und die Türen der Hörsäle durch einen lokalen Numerus clausus zu schließen, brauchen wir ein tragfähiges Gesamtkonzept. Deutschland benötigt dringend mehr hochqualifizierte Akademiker und kann es sich nicht leisten, junge Menschen mit Studienberechtigung abzuweisen. Ein Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern ist nur sinnvoll, wenn er die Voraussetzungen für mehr attraktive Studienplätze schafft", sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer am Mittwoch mit Blick auf die Gespräche zwischen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit den Hochschulministern der Länder.

11.10.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

"Trotz sinkender Bevölkerungszahlen müssen die Studienplätze in den östlichen Bundesländern erhalten und in den nächsten Jahren freiwerdende Kapazitäten genutzt werden. Es wäre total widersinnig, Studienplätze im Osten abzubauen und in den westlichen Bundesländern mit viel Geld wieder einzurichten", sagte Demmer. Der Hochschulpakt müsse genutzt werden, um die Studienplätze in den östlichen Bundesländern zu erhalten. In diesem Zusammenhang erinnerte die GEW-Vize die Länder an ihre nach der Föderalismusreform gestiegene Verantwortung für den Bildungsbereich. "Wer mehr Freiheit will, muss auch seine Egoismen zurückstellen können. Allein die Selbstheilungskräfte des föderalen Wettbewerbs zu beschwören, führt nicht automatisch zu mehr Akademiker-Nachwuchs", betonte Demmer.

Sie forderte Bildungsministerin Schavan auf, die Aufteilung der für den Hochschulpakt vorgesehenen 1,1 Mrd. Euro zu überdenken: "Für den Ausbau der Lehre müssen deutlich mehr Gelder als geplant investiert werden. Es ist nicht akzeptabel, dass im wesentlichen die Hochschulstandorte in den südlichen und westlichen Bundesländern mit Forschungsgeldern gepäppelt würden, während insbesondere in den nördlichen und östlichen schlecht finanzierte Hochschulen für die Massenabfertigung der Studierenden entstünden."

Info: Die Zahl der Studierenden wird in den nächsten knapp zehn Jahren von rund zwei auf 2,7 Millionen steigen.


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