GEW und GGG: Bildungssenatorin soll Integration stärken und nicht blockieren!

Der GEW-Landesverband Bremen und der Bremer Gesamtschulverband GGG erklären gemeinsam ihren entschiedenen Protest gegen die Pläne der Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper. Sie will den gemeinsamen Unterricht der Kinder einer Klasse in den Gesamtschulen und zukünftigen Oberschulen stark einschränken und die Lerngruppen in sogenannten Kernfächern nach Leistungsstand trennen. GEW und GGG sprechen sich dafür aus, dass über Art und Umfang der Differenzierung die einzelnen Schulen in ihren Gesamt- und Schulkonferenzen entscheiden. Wir fordern die Senatorin auf, alle Maßnahmen in diesem Prozess zu stärken, die das gemeinsame Lernen unterstützen.

04.12.2008 Bremen Pressemeldung GEW Bremen

An mehreren Gesamtschulen lernen bisher erfolgreich alle SchülerInnen einer Klasse auch in den Kernfächern gemeinsam. Das dort verfolgte pädagogische Konzept der "Binnendifferenzierung" ermöglicht die Förderung jedes Kindes. Durch planerische und methodische Maßnahmen der LehrerInnen werden die Unterschiede der SchülerInnen berücksichtigt, damit alle ihren individuellen Weg zur Erreichung der Lernziele finden. Gleichzeitig ist es so möglich, dass die Kinder vermehrt voneinander lernen. Eine äußere Trennung in leistungsstärkere und -schwächere würde diesen Prozess behindern.

Binnendifferenzierung ist nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz in allen Fächern möglich. Wenn gerade die Senatorin von Pisa redet, sollte ihr bewusst sein, dass das erfolgreiche finnische Schulsystem binnendifferenziert organisiert ist.

Sollte die Binnendifferenzierung eingeschränkt und eine verpflichtende Aufgliederung in vermeintlich leistungsgleiche Lerngruppen als Regel vorgegeben werden, wäre die innere Schulentwicklung in undemokratischer Weise eingeschränkt. An vielen Gesamtschulen käme es zu pädagogischem und sozialem Rückschritt. Dadurch werden Schulen, die als Vorreiter einer stärkeren Integration in der Sekundarstufe I anzusehen sind, in ihrer Entwicklung entscheidend zurückgeworfen. Die Senatorin begibt sich damit in einen fundamentalen Widerspruch zu den bildungspolitischen Versprechen der rot-grünen Koalition. Anstatt längeres gemeinsames Lernen zu fördern, fährt sie einen Frontalangriff gegen die Schulen, die in der Sekundarstufe I am weitesten integrativ fortgeschritten sind.

Die Erfahrungen in den Sekundarschulen haben gezeigt, dass die dort im Jahr 2005 von CDU und SPD verordnete äußere Differenzierung ab Klasse 7 viel Unheil angerichtet hat. Erst nach den öffentlichen Protesten der Schulen und ihrer Schulleitungen wurde im Jahr 2007 erlaubt, dort alle Fächer gemeinsam binnendifferenziert zu unterrichten.

Angesichts des bevorstehenden "Bremer Bildungsgipfels" am 19.12. fordern wir die rot-grüne Koalition auf, das gemeinsame Lernen in den Schulen sowie deren pädagogische Initiativen zu fördern und nicht für einen faulen Kompromiss mit der bildungspolitisch rückwärtsgewandten CDU zu opfern!

Bernd Winkelmann, Elke Baumann, Christian Gloede-Noweck, Harry Eisenach (GEW Bremen)
Karlheinz Koke (GGG Bremen)

Ansprechpartner

GEW Bremen

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