Inklusion ist nicht zum Nulltarif erhältlich
In einer für die Bertelsmann Stiftung erstellten Studie legt Prof. Klemm erstmals eine Berechnung für Rheinland-Pfalz vor, die den konkreten Bedarf an personeller Ausstattung beziffert. Prof. Klaus Klemm berechnet im Vergleich zum Schuljahr 2009/10 einen zusätzlichen Bedarf von jährlich rund 14 Mio. Euro, die in voller Höhe ab dem Schuljahr 2020/21 anfallen.
18.04.2012 Pressemeldung Verband Reale BildungDer Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) sieht in der personellen, räumlichen und sächlichen Ausstattung der Schulen, die "inklusiv" unterrichten sollen, die größte Herausforderung für die Landesregierung. "An den Schwerpunktschulen zeigt sich sehr deutlich, dass Rheinland-Pfalz größte Schwierigkeiten hat, qualifizierte Förderschullehrkräfte in ausreichender Zahl für den inklusiven Unterricht zu stellen. Häufig fühlen sich Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen von der Landesregierung auf sich allein gestellt und überfordert", so der Landesvorsitzende Bernd Karst. Es sei daher nicht verwunderlich, dass Umfragen der Bertelsmann Stiftung in jüngerer Zeit belegen, dass die Skepsis bei Lehrern und Eltern gegenüber Inklusion überwiege.
Der Realschullehrerverband fordert die Landesregierung auf, unverzüglich dafür zu sorgen, dass
- die Ausbildungskapazität für Förderschullehrkräfte dem hohen Bedarf angepasst wird
- in der Lehrerausbildung aller Lehrämter ein Pflichtmodul zu integrativer und inklusiver Pädagogik aufgenommen wird
- Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für den Einsatz im integrativen/inklusiven Unterricht angeboten werden
- eine Zusatzqualifikation in Sonderschulpädagogik als Weiterbildungsmaßnahme angeboten wird.
Bernd Karst warnt die Landesregierung, die zusätzlichen Mehrkosten durch Schließung von Förderschulen und durch vollständige Einbringung der demographischen Rendite in Inklusion auf Kosten der Qualitätsentwicklung der allgemeinbildenden Schulen zu finanzieren: "Inklusion ist nicht zum Nulltarif erhältlich"!
Hintergrund:
Schwerpunktschulen sind allgemeinbildende Schulen (Grundschulen, Gesamtschulen, Realschulen plus, Gymnasien) in denen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf integrativ/inklusiv unterrichtet werden.
Der Begriff der Inklusion unterscheidet sich von der der Integration insofern, als dass es bei der Integration von Menschen immer noch darum geht, Unterschiede wahrzunehmen und zuerst Getrenntes wieder zu vereinen. Inklusion hingegen versteht sich in Bezug auf Schule als ein Konzept, das davon ausgeht, dass alle Schüler mit ihrer Vielfalt an Kompetenzen und Niveaus aktiv am Unterricht teilnehmen. Alle Schüler erleben und nehmen Gemeinschaft wahr, in der jeder/jede Einzelne seinen/ihren sicheren Platz hat und somit eine Teilnahme für alle Schüler am Unterricht möglich ist.
(Susanne Abram: Die internationale Theoriendiskussion von der Integration zur Inklusion und die Praxisentwicklung in Südtirol. Verlag Freie Universität Bozen 2003)
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