Integration hat zwei Seiten

Das Integrationsprogramm, welches die bayerische Staatsregierung heute beschlossen hat, enthält nach Meinung des Bayerischen Elternverbands (BEV) gute Ideen.

10.06.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

"Wir begrüßen vor allem das Sprachprogramm 'Deutsch 240', mit dem Kinder - und glücklicherweise nicht nur ausländische - noch vor der Einschulung so gut Deutsch lernen, dass sie in der Schule mithalten können", sagte Isabell Zacharias, die Landesvorsitzende des BEV. Schon in den vergangenen Jahren habe sich dieser Deutschunterricht - zuletzt 160 Stunden im Jahr - bewährt, falls ausreichend geschultes Personal zur Verfügung gestanden habe. Das sei nicht immer der Fall gewesen. "Wenn die Deutschkurse von der Handarbeitslehrerin gehalten werden mussten, weil keine Fachkraft zur Verfügung stand, ist das Programm eindeutig unterfinanziert", sagte Zacharias weiter.

Der BEV fordert deshalb für "Deutsch 240" die nötigen Lehrer mit einer Ausbildung in "Deutsch als Fremdsprache". Die Finanzierung dieser Lehrer sieht der BEV mit großer Skepsis: Um die Kurse finanzieren zu können, wurde der muttersprachliche Ergänzungsunterricht gestrichen und die Deutschförderung für Grundschulkinder gekürzt. "Das ist der falsche Weg zur Integration", sagte Zacharias. "Ausländische Kinder sind nicht weniger kompetent als deutsche, sondern sie können mehr - sie sprechen eine zweite Sprache!"

Die Mehrheitsgesellschaft müsse diese Kompetenz anerkennen und fördern, zum Beispiel durch das Recht für Migrantenkinder, bei der Abschlussprüfung der Schule in ihrer Muttersprache geprüft zu werden. Jedes Kind habe zudem ein Anrecht auf Unterricht in seiner Muttersprache - für Pisa-Siegerländer wie Finnland eine Selbstverständlichkeit. "Integration bedeutet, dass beide Seiten aufeinander zugehen. Wir müssen anerkennen, dass Migranten und ihre Kinder einen Wert für unsere Gesellschaft darstellen und nicht immer nur wahrnehmen, was sie nicht können oder falsch machen!"

Der BEV fordert die Wiedereinführung des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts, höhere Quoten von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an Gymnasien und Realschulen und mehr Lehrer mit interkultureller Kompetenz.

Die heutige Pressemitteilung der bayerischen Staatsregierung zum Integrationsprogramm finden Sie unter www.bayern.de


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