Lehrstellen

Junglehrer: Examensnote 1, Berufschancen 0 !?

Während Schüler und Eltern derzeit in den Sommerferien Entspannung suchen, sind tausende junge Realschul- und Gymnasiallehrkräfte höchst angespannt auf Arbeitssuche. Denn die Einstellungssituation zum September ist noch einmal schlechter als für die vorhergehenden Anstellungstermine: 97 Prozent aller Bewerber auf eine Realschulstelle und ca. 89 Prozent aller Bewerber auf eine Beamtenstelle an einem staatlichen Gymnasium werden sich nach dem aktuellen Kenntnisstand der Lehrerverbände vergeblich Hoffnung machen!

11.08.2015 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Derweil laufen die Bemühungen des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) und des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv), wenigstens eine Linderung der fatalen Einstellungslage zu erreichen, seit Wochen auf Hochtouren. Die intensiven Gespräche der beiden Verbände sowie die brlv-Junglehrerkampagne "Lehramt statt Arbeitsamt" haben bereits erste Wirkung gezeigt: Der Freistaat stellt 50 zusätzliche Stellen zur Verfügung. Diese sollen für die Beschulung von Flüchtlingskindern genutzt werden und bieten eine Beschäftigungsmöglichkeit für die hervorragend qualifizierten Nachwuchslehrkräfte.

Unterrichtsbelastung für Referendare senken

Die beiden Verbandsvorsitzenden begrüßen diese ersten positiven Signale von Seiten der Politik. Allerdings stellen brlv-Chef Jürgen Böhm und bpv-Vorsitzender Max Schmidt auch klar, dass diese Zugeständnisse bisher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind und weitere Schritte folgen müssen. Der Bedarf für Deutschkurse und zur weiteren Beschulung der Flüchtlinge sei mit 50 Lehrkräften nicht zu decken.

Man werde sich mit Nachdruck weiter für eine bessere Versorgungssituation an den Schulen einsetzen, so Böhm: "Die Rahmenbedingungen an den bayerischen Realschulen müssen dringend weiter optimiert werden. Um das bisherige Wahlfächerangebot aufrechtzuerhalten, aber auch für Projektarbeiten, individuelle Fördermaßnahmen im MINT- oder Sprachbereich und für die Weiterentwicklung der digitalen Bildung fehlen uns die Lehrkräfte. Die integrierte Lehrerreserve reicht nicht aus. Wenn die Politik hier nicht nachsteuert und zusätzliche Lehrerstellen an den Realschulen schafft, wird auf lange Sicht die Ausbildungsqualität leiden."

bpv-Chef Schmidt fordert unterdessen, die Unterrichtsbelastung für Referendare während der Ausbildung abzusenken: "Eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für Referendare würde nicht nur weitere Einstellungsmöglichkeiten schaffen. Sie böte auch die Chance, die Qualität der Ausbildung noch weiter zu erhöhen." Darüber hinaus fordert Schmidt, die administrativen Hürden für den Einsatz von Real- und Gymnasiallehrkräften an Mittelschulen weiter zu senken: "Derzeit erhalten nur wenige Gymnasiallehrer die Chance, auf Dauer an einer Mittelschule zu unterrichten – obwohl viele Gymnasiallehrkräfte das wollen und die Mittelschulen diese engagierten Kolleginnen und Kollegen gerne beschäftigen würden. Aber das Ministerium räumt bislang nur Lehrern ganz weniger Fächerkombination diese Möglichkeit ein. Eine weniger restriktive Regelung würde nicht nur vielen unserer jungen Kolleginnen und Kollegen neue Chancen eröffnen, in ihrem Beruf arbeiten zu können; sie wäre auch im Sinne von Mittelschulen, deren Personalbedarf nur schwer zu decken ist."


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