Keine Kehrtwende, aber pädagogische und organisatorische Veränderungen am G8
Eine deutliche Mehrheit der am Runden Tisch zu G8/G9 in Nordrhein-Westfalen Teilnehmenden sprach sich am gestrigen Tag gegen eine Abkehr von G8 an Gymnasien aus. Dabei ging es den Beteiligten, wozu auch der nordrhein-westfälische Philologen-Verband zählt, nicht um eine unkritische Befürwortung der Schulzeitverkürzung, vielmehr darum, unter Abwägung vieler Gesichtspunkte den Elternwünschen, Schüleranliegen und Lehrererwartungen bestmöglich gerecht zu werden.
06.05.2014 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)"Wir nehmen die Kritik der Betroffenen ernst. Beschwichtigungssignale und geringfügige kosmetische Korrekturen werden dem Problem nicht gerecht!
Wir müssen aber auch klar darauf hinweisen, dass viele Veränderungen der letzten 10 Jahre unumkehrbar sind, unabhängig von der Frage, wie wir sie beurteilen. Hierzu zählen u. a.: Angebote des Ganztags, Über-Mittag-Betreuung, Stundenrhythmisierung, Kompetenzorientierung der Lehrpläne, Zentralabitur, Freigabe des Elternwillens, Lehrwerke, Hausaufgabendiskussion, individuelle Förderung etc. Wir haben einen stetigen Anstieg der Übertrittsquote zu den Gymnasien erlebt und wir registrieren eine gesteigerte Erwartungshaltung vieler Eltern gegenüber ihren Kindern.
Die Debatte um G8/G9 in NRW muss mitbedenken, dass sich nicht nur die KMK-Vorgaben für die Oberstufe, die Stundentafel für sämtliche Schulformen in der Sekundarstufe I [Anhebung von 179 auf 188] und auch das ´Alternativangebot` anderer Schulformen, u. a. von 304 Gesamtschulen mit G9-Konzeption, geändert hat," so Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes.
Gemeinsam mit der Landeselternschaft der Gymnasien und den beiden Direktorenvereinigungen der Gymnasien lehnen wir eine 6 + 2-Konzeption strikt ab, da sie den Eintritt von Schülern anderer Schulformen in die gymnasiale Oberstufe de facto unmöglich macht, im Widerspruch zum Erfordernis einer dreijährigen gymnasialen Oberstufe steht und letztlich eine unnötige Strukturreform bei den Stundentafeln in sämtlichen Schulformen provoziert. Auch spricht sich der Philologen-Verband klar gegen eine Freigabe von G8/G9 gegenüber den einzelnen Schulen aus, da sie u. a. einen organisatorischen Flickenteppich zur Folge hat.
Wir unterstützen die Einsetzung von drei Arbeitskreisen und werden folgende konkrete Vorschläge einbringen:
- Begrenzung des Nachmittagsunterrichts auf max. 1 Tag von 5. bis 9. Jahrgangsstufe
- Keine Verpflichtung zum Nachmittagsunterricht in 5. und 6. Jahrgangsstufe
- Fachunterricht in 5. und 6. Jahrgangsstufe nur bis zur 6. Stunde
- Deutlicher Ausweis der 10-12 Ergänzungsstunden
- Angebot des Offenen Ganztags auch an Gymnasien
- Aufbau einer Vertretungsreserve
- Regelmäßige Evaluation der Lehrplanentwicklung
- Fortsetzung der Optimierung in den bisherigen `7 Handlungsfeldern`
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