Kultusminister Helmut Rau: "Es ist sehr erfreulich, dass PISA 2006 ähnlich wie IGLU vor einer Woche zeigt, dass im deutschen Bildungswesen kontinuierliche Fortschritte zu verzeichnen sind"

"Es ist sehr erfreulich, dass PISA 2006 ähnlich wie IGLU vor einer Woche zeigt, dass im deutschen Bildungswesen kontinuierliche Fortschritte zu verzeichnen sind", sagte Kultusminister Helmut Rau am Dienstag (4. Dezember) anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse von PISA 2006 in Berlin. Gleichzeitig wird aber deutlich, welche Aufgaben in den vergangenen Jahren noch nicht mit dem erhofften Erfolg angegangen wurden, so Rau weiter.

04.12.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Für den Bereich der Lesekompetenz zeigen die neuen PISA-Ergebnisse eine signifikante Verbesserung zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2000, damals lag Deutschland unter dem OECD-Mittel (500 Punkte). Im Jahr 2003 betrug das OECD-Mittel 494 Punkte, Deutschland belegte Rang 18 unter den OECD-Staaten. Heute liegt Deutschland mit 495 Punkten über dem OECD-Durchschnitt (492 Punkte) und besetzt den 14. Rang unter den OECD-Staaten. Der Leistungszuwachs in der Risikogruppe (Kompetenzstufe I und II) zeigt für Deutschland eine deutliche Steigerung. Das bestätigt die Qualität der Diagnose- und Förderinstrumente, die in den vergangenen Jahren eingesetzt wurden.

"Besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Kinder der zweiten Generation von Einwanderern spürbar schlechtere Leistungen erbringen als diejenigen, die neu zuwandern", erklärte der Kultusminister. Der Weg, diese Situation nachhaltig zu verbessern, führe auch über die Eltern. "Die Bildungsanstrengungen für die Kinder müssen ergänzt werden durch Bildungsanstrengungen für die Eltern. Wer in der Schule mitreden kann, kann seine Kinder besser unterstützen", sagte Rau.

Die erzielten Fortschritte seien der intensiven Förderung und der frühkindlichen Bildung zu verdanken. Mit dem Orientierungsplan für Kindergärten, der ab 2009 verbindlich wird, sowie der Fortbildung für alle 38 000 Erzieherinnen und Erzieher, dem Projekt "Schulreifes Kind", der vorgezogenen Schuleingangsuntersuchung, der Einführung von Bildungshäusern für Drei- bis Zehnjährige und der Sprachförderung im Rahmen der HSL-Maßnahmen unternehme Baden-Württemberg gezielte Schritte, um die Chancengerechtigkeit zu verbessern. Hinzu kämen die bereits bestehenden Förderklassen und -gruppen im Grundschulbereich sowie der bedarfsgerechte Ausbau von Ganztagsschulen, betonte Rau.

Die größten Fortschritte seit 2000 haben die deutschen Schulen im Bereich der naturwissenschaftlichen Bildung erreicht. Im Jahr 2000 lag Deutschland mit 487 Punkten signifikant unter dem OECD-Mittel, mit 502 Punkten im Jahr 2003 auf dem OECD-Mittel und mit 516 Punkten im Jahr 2006 signifikant über dem OECD-Durchschnitt. Damit sei Deutschland in der Spitzengruppe angekommen. "Eine weitere Steigerung der Leistungen halte ich mit den fächerübergreifenden Konzepten für möglich. Die Auswertungen von PISA 2006 zeigen, dass die emotionale Bereitschaft eine wichtige Voraussetzung für Spitzenleistungen ist", sagte der Kultusminister.

Noch nicht gut, aber deutlich besser als in vergangenen Jahren ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Sowohl bei den Leistungen als auch bei den Übergängen habe sich die Situation der sozial schwächeren Schülerinnen und Schüler deutlich verbessert. "Wir verfolgen diese Aufgabe weiterhin mit Nachdruck und haben uns beispielsweise mit dem Pädagogischen Assistenten in der Hauptschule ein zukunftsweisendes Konzept einfallen lassen", sagte der Minister.

Rau erneuerte seine Kritik an PISA-Koordinator Schleicher, der wissenschaftliche Ergebnisse diskreditiere und nach Gutdünken kommentiere. "Schleicher ist nicht für politische Entscheidungen zuständig, missbraucht aber seine Rolle als Wissenschaftler regelmäßig, um genau solche Entscheidungen zu beeinflussen", sagte Rau.


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