Land investiert in Bildung

Schleswig-Holsteins Schülerinnen und Schüler erhalten im Zuge des Umbaus der Schullandschaft mehr Unterricht und bessere individuelle Förderung. Dafür investiert das Land 540 Millionen Euro in den Jahren 2010 bis 2020. In diesem Zeitraum entspricht dies mehr als 1.300 Lehrerstellen für Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen. "Damit schaffen wir bessere Lernbedingungen an den neuen Schularten", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (10. Juli) in Kiel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Finanzminister Rainer Wiegard und den beiden Fraktionsvorsitzenden Johann Wadephul und Lothar Hay zum gestern vereinbarten Bildungspaket der Großen Koalition aus CDU und SPD. Die Vereinbarung sieht überdies eine einheitliche Unterrichtsverpflichtung von 26 Stunden für Lehrkräfte an den neuen Schularten vor.

11.07.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Mit diesem Bildungspaket bleiben in bedeutendem Umfang Mittel dem Bildungssystem erhalten, die wegen stark rückläufiger Schülerzahlen ab dem Schuljahr 2010/11 frei werden. "Arbeit, Bildung, Zukunft sind neben der Haushaltskonsolidierung die politischen Schwerpunkte der Koalition. Die jetzt beschlossenen Bildungsinvestitionen sind deshalb ein wichtiger Beitrag in die Zukunft unseres Landes", sagte Finanzminister Wiegard. Von den mehr als 1.300 Lehrerstellen gehen rund 1.000 direkt in mehr Unterricht. Rund 300 Stellen gehen in die Absenkung der Stundenverpflichtung, die den Lehrkräften ermöglicht, den erhöhten pädagogischen Anforderungen in den neuen Schularten gerecht zu werden.

"Die gestrigen Vereinbarungen belegen einmal mehr, dass wir in der Bildungspolitik einen Schwerpunkt unserer Arbeit sehen. Hier klotzen wir ran. In der Bildungspolitik sind wir richtig gut", so CDU-Fraktionschef Johann Wadephul. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Hay betonte: "Die gestrige Entscheidung des Koalitionsausschusses ist insbesondere angesichts der Haushaltslage ein großer Sprung nach vorn. Die Schaffung gebundener Ganztagsschulen in sozialen Brennpunkten weist die Richtung, in die sich unser Schulsystem langfristig entwickeln muss."

In der Aufbauphase der neuen Schularten vom Schuljahr 2010/11 bis zum Schuljahr 2015/16 werden im ersten Jahr 160, in den Folgejahren jeweils 175 Lehrerstellen für eine bessere Unterrichtsversorgung bereitgestellt, die sich aus den neuen Stundentafeln und dem Förderbedarf ergibt. Die Stundentafeln sehen für die Gemeinschaftsschulen einen Stundenrahmen von 188 Stunden in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 vor. Für die Regionalschulen sind es 184 Stunden (im Bildungsgang der zum Realschulabschluss führt) plus weitere vier Stunden für eine vorgezogene zweite Fremdsprache im 6. Jahrgang. Zusätzlich stehen für Differenzierung und Gruppenbildung je nach Klassengröße bis zu sechs Wochenstunden in den Gemeinschaftsschulen und bis zu vier Wochenstunden in den Regionalschulen zur Verfügung. "Damit erhalten vor allem Schülerinnen und Schüler in den beiden Schularten deutlich mehr Unterricht als bisher in den Schularten Hauptschule und Realschule. Mit dieser Ausstattung werden wir den Anforderungen an eine bessere individuelle Förderung gerecht", sagte Erdsiek-Rave.

Für den weitaus größten Teil der Lehrkräfte, die künftig an Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen arbeiten, wird zudem ab dem Schuljahr 2010/11 die Unterrichtsverpflichtung sinken. Erdsiek-Rave: "Das trägt den besonderen Anforderungen in einem umfangreich differenzierenden Schulsystem mit längerem gemeinsamen Lernen und gezielter individueller Förderung Rechnung und verbessert damit die Unterrichtsqualität."

Durch den Rückgang der Schülerzahlen könnten zwischen 2010 und 2020 rund 4.200 Lehrerstellen abgebaut werden. Die dabei frei werdenden Mittel in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro werden nun etwa zur Hälfte für mehr bessere Bildung sowie zur anderen Hälfte für neue Aufgaben im Zuge der demografischen Entwicklung und die Haushaltskonsolidierung verwendet.

Vom Schuljahr 2010/11 an unterrichten Lehrkräfte an Regionalschulen und an Gemeinschaftsschulen einheitlich 26 Stunden in der Sekundarstufe I. Das gilt sowohl für Lehrkräfte, die bislang an Hauptschulen (bisher 27,5 Stunden) und Realschulen (bisher 27 Stunden) unterrichten als auch für Lehrkräfte in der Sekundarstufe I an Gesamtschulen (bisher 25,5 Std.), die zu Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. Für Lehrkräfte, die auch in der Oberstufe unterrichten, bleibt es bei 24,5 Stunden, wie an Gymnasien.

In der Übergangsphase bis einschließlich zum Schuljahr 2009/2010 unterrichten Lehrkräfte in den Gemeinschaftsschulen und in den Regionalschulen zunächst nach der geltenden Pflichtstundenregelung in ihrer jeweiligen Laufbahn (Gymnasium 24,5, Realschule 27, Hauptschule 27,5 Stunden). Dies ist vertretbar, da die Schularten aufwachsen und die meisten Lehrkräfte in dieser Zeit überwiegend noch in den alten Bildungsgängen unterrichten werden. So wurde auch bei der Entstehung der Gesamtschulen in den ersten Jahren verfahren.

Bis zum In-Kraft-Treten der neuen Pflichtstunden-Regelung zum Schuljahr 2010/11 erhalten die neuen Schulen aus dem Förderfonds eine Unterstützung in Form von zwei Lehrerwochenstunden pro Lerngruppe für den pädagogischen Mehraufwand. Dies berücksichtigt eine Entstehung von 160 Regional- bzw. Gemeinschaftsschulen bereits vor dem Schuljahr 2010/11.

Die bessere Unterrichtsversorgung einschließlich der besseren Förderangebote wird im Rahmen der schülerzahlbezogenen Stellenzuweisung an den neuen Schularten bis einschließlich Schuljahr 2009/10 überwiegend aus ökonomischer Klassenbildung und Standortentwicklung geleistet. Ergänzend dazu kann gegebenenfalls der Förderfonds genutzt werden.

Weitere Unterstützung erhalten die neuen Schularten durch die bereits beschlossene Fortbildungsoffensive, in der wir in den nächsten vier Jahren insgesamt 1,4 Millionen Euro für Personal- und Unterrichtsentwicklung sowie Beratung von Schulen zur Verfügung stellen.

Die Regierungspartner haben ferner vereinbart, zum Haushalt 2009 50 zusätzliche Stellen für die Errichtung gebundener Ganztagsschulen bereit zu stellen. Damit können rund 15 Schulen in besonderen sozialen Brennpunkten und mit hohem Migrantenanteil gefördert werden, die gerne gebundene Ganztagsschulen werden wollen. "Wichtig ist, dass sowohl für Regionalschulen als auch Gemeinschaftsschulen die Möglichkeit besteht, gebundene Ganztagsschule zur werden", erklärten Johann Wadephul und Lothar Hay.

Vor dem Hintergrund des neuen Schulsystems wird auch die Förderung der Offenen Ganztagsschulen weiter ausgebaut, da alle Gemeinschaftsschulen Offene Ganztagsschulen sein sollen und alle Regionalschulen dies auf Antrag werden können. Für Betriebskostenzuschüsse stellt das Land von 2009 bis 2011 mit 19,8 Millionen Euro mehr als doppelt so viel Geld bereit wie in der bisherigen Haushaltsplanung (9 Mio Euro) vorgesehen.

Die Investitionskostenzuschüsse für den Ausbau Offener Ganztagsschulen bis 2009 betragen unverändert 32 Millionen Euro. Um dem Investitionsbedarf in den nächsten Jahren gerecht zu werden, werden allerdings bereits veranschlagte 10 Millionen Euro aus dem laufenden Haushaltsjahr in das Jahr 2009 übertragen.


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