Land möchte Schülerinnen und Schüler frühzeitig an die Wissenschaft heranführen

Mit der Kinder-Uni, Schnupper- und Ferienkursen und der Möglichkeit eines Frühstudiums möchte die rheinland-pfälzische Landesregierung Kinder und Jugendliche frühzeitig mit dem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut machen. Den Fachhochschulen und Universitäten des Landes stehen für diesen Zweck aus dem Hochschulprogramm Wissen schafft Zukunft in diesem und im nächsten Jahr insgesamt rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.

24.06.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Rheinland-Pfalz bietet als einziges Land ein so umfassendes Gesamtpaket an, das aus aufeinander aufbauenden Teilen besteht", freuten sich Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Frauen und Jugend, und Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, als sie heute in Mainz die bisherigen Aktivitäten in diesem Bereich bilanzierten und neue Maßnahmen vorstellten.

"Um Kindern und Jugendlichen den Übergang von einem Bildungsabschnitt in den nächsten zu erleichtern, müssen wir dafür sorgen, dass Schnittstellen im Bildungssystem als fließende Übergänge erlebt werden können. Die Landesregierung baut daher Angebote gezielt aus, die an der Schnittstelle Schule/Hochschule frühzeitig auf die Besonderheiten und Anforderungen im nächsten Bildungsabschnitt vorbereiten", erläuterte Bildungsministerin Ahnen. Kooperationen zwischen Schule und Hochschule seien aber auch gute Instrumente, um den Wissensdurst und die Neugierde von Kindern nutzen, indem ihnen wissenschaftliche Erkenntnisse früh nahe- gebracht würden, und sie böten begabten älteren Schülerinnen und Schülern zusätzliche Entwicklungschancen. Sie könnten sogar dazu beitragen, die Studienzeiten zu verkürzen.

Der Brückenschlag zwischen Schule und Hochschule habe schon in der Vergangenheit eine ganze Reihe bemerkenswerter Projekte hervorgebracht, stellte Bildungsministerin Ahnen fest. Als Beispiele nannte sie die "mathematischen Modellierungswochen" der Technischen Universität Kaiserslautern, an denen jährlich jeweils 20 mathematisch besonders begabte Schülerinnen und Schüler teilnehmen, das Schülerlabor NaT-Lab an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz oder aber die Zusammenarbeit von Hochschulen mit den bislang zwei Schulen für Hochbegabtenförderung/Internationale Schulen, bei der Universitätsdozenten mit den Schülerinnen und Schülern in Kaiserslautern und in Mainz naturwissenschaftliche und technische Projekte gestalteten.

Doris Ahnen, die im vergangenen Jahr als Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) das Thema "Verbesserung der Übergänge in der Bildungslaufbahn" zu ihrem Schwerpunktthema gemacht hatte, erinnerte auch daran, dass es auf Initiative von Rheinland-Pfalz im Jahr 2004 gelungen sei, durch eine Vereinbarung der KMK mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dieses Anliegen länderübergreifend weiter voranzubringen. Insbesondere sei damit für Studien- und Prüfungsleistungen aus dem mit der Novelle des rheinland-pfälzischen Landeshochschulgesetzes 2003 ermöglichten "Frühstudium" eine Anerkennung bei einem späteren Studium an allen Hochschulen bundesweit sichergestellt worden.

Nach Meinung von Wissenschaftsminister Zöllner bietet ein frühzeitiger Einblick von Schülerinnen und Schülern in die Hochschulwelt neue Lernanreize, baut Schwellenängste ab und bereichert das Bildungsangebot insgesamt. "Ich erhoffe mir davon auch, dass eine frühzeitige Beschäftigung mit den Wissenschaften dazu beiträgt, die Zahlen der Studienfachwechsler und Studienabbrecher zu senken", sagte er.

Ziel der Landesregierung sei es deshalb, ein Gesamtpaket der einzelnen Maßnahmen flächendeckend an allen rheinland-pfälzischen Hochschulen anzubieten. Dieser Ansatz unterscheide sich deutlich von dem anderer Länder, die sich auf diverse Einzelmaßnahmen beschränken würden. "Unser Gesamtpaket, das wir überall im Land anbieten wollen, deckt dagegen die verschiedenen Bedürfnisse ab. Vor allem wollen wir es auch dauerhaft etablieren", sagte Zöllner.

Um dieses ehrgeizige Ziel erreichen zu könne, stehe den Fachhochschulen und Universitäten in 2005 und 2006 insgesamt rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die für diese Projekte in Anspruch genommenen Mittel hervorragend angelegt sind. In meinen Augen ist das eine gute Investition in die Zukunft", sagte Zöllner.

Seiner Meinung nach muss das Bewusstsein dafür geschärft werden, Bildung als Ganzes, als zusammenhängenden, das Leben begleitenden Prozess zu sehen - angefangen vom vorschulischen Bereich bis hin zur Weiterbildung. Die Übergänge zu glätten, insbesondere die von der Schule zur Hochschule, sei ein zentrales und innovatives Anliegen der Landesregierung.

Dazu trügen nicht nur die genannten Projekte bei, sondern auch weitere Maßnahmen, beispielsweise die intensive Förderung der Reform der Lehrerbildung und Ausstattungshilfen für die Besetzung schulrelevanter Professuren.

Zöllners Dank galt den Hochschulen, die den mit den Angeboten verbundenen zusätzlichen Arbeitsaufwand nicht als Belastung, sondern als Chance begreifen würden. "Die Verantwortlichen in unseren Hochschulen wissen, dass dies eine gute Möglichkeit ist, den Nachwuchs von morgen für sich zu gewinnen", so Zöllner.

Im Einzelnen sind in diesem Jahr folgende Maßnahmen geplant:

Kinder-Uni Rheinland-Pfalz lockt Massen

Die 2004 im Rahmen des Aktionsprogramms "Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz" gemeinsam mit dem SWR-Tigerentenclub und weiteren Partnern gestartete "Kinder-Uni Rheinland-Pfalz" hat gleich im ersten Jahr alle Erwartungen übertroffen. Mehr als 21.000 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren besuchten in den ersten beiden "Semestern" im Sommer und Herbst 2004 die insgesamt 160 Veranstaltungen der Hochschulen, die sich ohne Ausnahme an diesem Projekt beteiligten. Rheinland-Pfalz war damit das erste Bundesland, das die Kinder-Uni landesweit und flächendeckend angeboten hat. Jede Hochschule hat dabei ein eigenes Profil entwickelt.

Ziel der Kinder-Uni ist es, die Mädchen und Jungen dieser Altersklasse auf kindgerechte Weise an die Wissenschaft heranzuführen und den natürlichen Forscherdrang durch spannende und anschauliche Präsentationen auch sehr komplexer wissenschaftlicher Fragen zu befriedigen. Im derzeit laufenden "Semester" setzt sich dieser "Run" fort. Ein erheblicher Teil der Veranstaltungen an den vier Universitäten und sieben Fachhochhochschulen im Land ist bereits ausgebucht.

Insgesamt erhalten die Hochschulen in diesem Jahr einen Zuschuss in Höhe von 150.000 € für die Organisation und Durchführung der Veranstaltungen. Der Zuschuss, der je Hochschule gewährt wird, ist gestaffelt von 5.000 € bis zu einer Höhe von 20.000 €. Die Zuschüsse wurden nach den Kriterien Veranstaltungszahlen (Sommer- und Wintersemester), vorhandener Internet-Auftritt, Besonderheiten (z. B. Veranstaltungen speziell für Mädchen, eigene DVD zur Kinder-Uni etc.) verteilt.

Durch die Programmmittel wird diese erfolgreiche Initiative noch attraktiver und dauerhaft gesichert.

Landesweit werden in diesem Jahr wieder rund 160 Kurse zu den unterschiedlichsten Themen angeboten. Einige Beispiele:

Wie kommt die Farbe in den Film?
Wenn Blut blau ist: Vom "blauen Blut" des Adels und der Spinnen!
Wieso bekomme ich im Winter Schnupfen?
Bunte Tierwelt: Können Fische Farbe sehen?
Was ist Demokratie?
Chemiedetektive - Chemischen Elementen auf der Spur
Mit Düften experimentieren
Sind in meinem Zitroneneis auch Schneeflocken?
Schule damals? Schule heute? Eine Erzähl- und Forschungswerkstatt
Warum fällt der Jumbo-Jet nicht vom Himmel?

Das komplette Programm der einzelnen Hochschulen zur Kinder-Uni kann über die Internet-Adresse www.kinderuni.rlp.de abgerufen werden.

Schnupperkurse ermöglichen Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen Einblicke ins Hochschulleben

Schnupperkurse sind Veranstaltungen der Hochschulen für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen. Sie werden erstmals im Sommer dieses Jahres angeboten. Nahezu alle Fachhochschulen und Universitäten des Landes haben bereits beim Wissenschaftsministerium die Förderung solcher Schnupperkurse beantragt.

Das Ministerium bezuschusst 15 Kurse in Höhe von 104.000 €. Sie beginnen in den kommenden Wochen. Eine Anmeldung zur Teilnahme an den Schnupperkursen erfolgt direkt an der jeweiligen Hochschule. Die Themen sind vielfältig. Sie reichen von "Chemie für die Unterstufe" über einen Workshop zum Videoschnitt, Geschichte, alternativen Energien, Geografie bis hin zur Informatik für Oberstufenschülerinnen.

Ferienkurse bieten Oberstufenschülerinnen und -schülern spezielle Angebote auf vielen Fachgebieten

Ferienkurse sind ebenfalls ein neues Angebot. Sie richten sich gezielt an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Die vier Universitäten des Landes und die Fachhochschulen Kaiserslautern und Bingen bieten erstmals in diesen Sommerferien Ferienkurse an. Wer daran teilnehmen möchte, muss sich bei der jeweiligen Hochschule vorher anmelden.

Auch hier ist das große Fächerspektrum hervorzuheben. Kurse werden angeboten in den Bereichen: Geologie, Energie, Biochemie, Mathematik, Farben, Neue Materialen, Archäologie, Filmtechnik, Präsentationstechnik. Hervorzuheben ist, dass die Hochschulen auch spezielle Veranstaltungen für Schülerinnen durchführen wollen.

In einer ersten Tranche werden landesweit 11 Ferienkurse mit insgesamt rund 103.000 € gefördert. Die TU Kaiserslautern, die Uni Koblenz-Landau und die FH Bingen haben Unterlagen für 10 weitere Ferienkurse vorgelegt. Start dieser Kurse soll aber erst in 2006 sein.

Das komplette Programm der einzelnen Hochschulen zu den Schnupper- und Ferienkursen wird über die Internet-Adresse des Bildungsministeriums (www.mbfj.rlp.de) abrufbar sein.

Frühstudium verkürzt für besonders begabte junge Leute die reguläre Hochschulausbildung

Das im September 2003 in Kraft getretene Hochschulgesetz eröffnet besonders begabten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich neben der Schule als Frühstudierende einzuschreiben. Voraussetzung ist, dass sowohl die betreffende Schule als auch die Hochschule die Schülerinnen und Schüler dafür für geeignet halten. Frühstudierende nehmen an Lehrveranstaltungen und Prüfungen teil. Ihre Leistungsnachweise sind bei einem späteren Studium anzuerkennen, wodurch sich dessen Dauer verkürzt.

In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit 30 Frühstudierende, die seit dem Wintersemester 2004/2005 (in diesem Semester bestand erstmals die Möglichkeit, ein Frühstudium aufzunehmen) eingeschrieben sind. 13 dieser 30 Frühstudierenden - 7 Schülerinnen und 6 Schüler - studieren an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 6 studieren Mathematik, 3 Chemie, 3 Betriebswirtschaftslehre. An der Technischen Universität Kaiserslautern sind 17 Frühstudierende eingeschrieben - 6 Schülerinnen und 11 Schüler. Sie belegen allesamt den Studiengang "Früheinstieg in das Physikstudium". Sie können für die ersten beiden Semester in den Studiengängen Physik und Mathematik relevante Scheine erwerben.

Mit den vorgesehenen Programmmitteln - in 2005 stehen 200.000 € zur Verfügung, für 2006 sind 300.000 € vorgesehen - soll insbesondere die Entwicklung von Gesamtkonzepten von einem "Betreuten Frühstudium an den Hochschulen" gefördert und dauerhaft gesichert werden.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz erarbeitet zur Zeit ein solches Gesamtkonzept für ihre Hochschule. Es soll dem Wissenschaftsministerium in Kürze vorgelegt werden.

Anträge können ohne zeitliche Begrenzung gestellt werden

Zusammenfassend verwies Zöllner darauf, dass Anträge zur Förderung einzelner Projekte jederzeit beim Ministerium gestellt werden können. Eine Antragsfrist gebe es nicht. "Ich hoffe sehr, dass die Hochschulen von dieser Möglichkeit weiterhin regen Gebrauch machen", sagte er. Bildungsministerin Ahnen ergänzte: "Der Bau von Wissensbrücken zwischen Hochschulen und Schulen nutzt auf jeden Fall den Schülerinnen und Schülern, ist aber auch für die Schule insgesamt eine Bereicherung."


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