Hamburg

Lehrerrekord an den Schulen, konstant hohe Zuschüsse für Therapien – Einsparungen sehen anders aus

Die Schulbehörde hat heute klargestellt, dass der Hamburger Senat bei den Therapieangeboten und Lernhilfen für Schülerinnen und Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche oder Dyskalkulie keine Einsparungen vorgenommen hat.

08.08.2013 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Behördensprecher Peter Albrecht: "Der Senat fördert Legasthenie-Schüler mit unverändert hohen Ausgaben. Im Haushalt der Schulbehörde waren und sind für die so genannten außerunterrichtlichen Lernhilfen (AUL) folgende Ausgaben vorgesehen: 538.000 Euro (2009), 551.000 (2010), 563.000 (2011), 563.000 (2012) und 563.000 (2013). Hamburg ist zudem das einzige Bundesland, das aus dem Schuletat Zuschüsse für solche Therapieangebote und Lernhilfen zahlt. In Hamburg gilt es offensichtlich schon als "Einsparung", wenn die Ausgaben gleich bleiben und nicht nach jedem neuen Wunsch erhöht werden."

Das Problem: Seit zwei Jahren gibt es einen dramatischen Anstieg der Anträge. Während im Schuljahr 2010/11 nur 467 Eltern für ihre Kinder eine außerunterrichtliche Lernhilfe beantragten, stieg die Zahl der Anträge 2011/12 auf 923. Experten der Schulbehörde sind sich einig: Hamburgs Kinder können sich in so kurzer Zeit nicht derart verändert haben. Verändert haben sich vielmehr die Ansprüche von Eltern und Lehrkräften. Während sich Eltern und Lehrkräfte früher in vielen Fällen selbst um die Förderung von Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche kümmerten, beantragen sie dafür heute immer öfter zusätzliche Unterstützung und zusätzliches Geld.

Das ist besonders unverständlich, weil die Zahl der Pädagogen an Hamburgs Schulen gerade in dieser Zeit deutlich gesteigert wurde. Im Vergleich zu 2009 haben beispielsweise Hamburgs Grundschulen heute rund 870 Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher mehr, auf 100 Schülerinnen und Schüler kamen damals 6,9 und heute 8,4 Lehrkräfte bzw. Erzieherinnen und Erzieher. Zudem wurde eine zusätzliche Lernförderung für Schülerinnen und Schüler eingeführt (so genannte kostenlose Nachhilfe). Mit diesen deutlich verstärkten Personalmitteln kann vielen Schülerinnen und Schülern direkt in der Schule geholfen werden. Behördensprecher Peter Albrecht: "Kleinere Klassen, mehr Mittel für Unterstützung und Förderung in der Schule, mehr Lehrkräfte und Pädagogen - und trotzdem eine konstant hohe Finanzierung der außerunterrichtlichen Lernhilfen: Wie man angesichts dieser Entwicklung von "Einsparungen" sprechen kann, bleibt ein Rätsel."

Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Anträge verändert die Schulbehörde die Genehmigungspraxis und die Förderung. So soll es künftig weniger Einzelunterricht und mehr Gruppenunterricht für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Problemen oder Dyskalkulie geben. Und während früher einige private Lerntherapiepraxen pauschal Geld für ihre Arbeit bekamen (Kontingentförderung), wird dieses Geld künftig nur für konkrete, einzelne Therapien gezahlt. Peter Albrecht: " Wir wollen die Förderung so verbessern, dass mit dem gleichen Geld mehr Kinder gefördert werden können."


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