Lernen digital: "Wir brauchen neue Formen der Bewertung"
(red) Auch wenn sie unterschiedlich intensiv genutzt werden: Digitale Medien sind aus den Schulen nicht mehr wegzudenken. Welche Auswirkungen hat aber die Nutzung von PC, Tablet und Smartphone langfristig auf den Unterricht, auf das Lernen und damit auch auf die Leistungsmessung? Antworten dazu vom Lehrer und Autor Philippe Wampfler.
16.01.2015 ArtikelHerr Wampfler, Sie beraten Schulen und andere Bildungsinstitutionen über Chancen und Risiken von Social Media. Fangen wir mit den Chancen an. Welche sind das?
Philippe Wampfler: Social Media bieten individuelle und informelle Zugänge für Lernende an. Sie vernetzen sich und orientieren sich so in einer Lernlandschaft, die ihrem Lernprozess entspricht und auf sie zugeschnitten ist.
Und wie steht es um die Risiken?
Philippe Wampfler: Selbstverständlich bedarf es einer großen Selbstdisziplin, sich bei der digitalen Arbeit nicht ablenken zu lassen. Das größte Risiko besteht aber darin, dass standardisierte Prüfmethoden an Schulen die Lernerfolge nicht erfassen können. Sie setzen herkömmliches Lernen voraus. Die Lernerfolge im Netz hingegen sind viel individueller, als Lernprozesse im Standardunterrichtssetting sein können. Stellen Sie sich nur vor, was Jugendliche bei einer Aktivität wie dem "Surfen" im Netz alles lernen. Hier "messen" zu wollen, was sie können, ist eine Illusion. Neue Formen der Leistungsmessung und Bewertung müssen dieser Individualität Rechnung tragen - indem sie zum Beispiel mit Portfolios arbeiten.
Gibt es einfache Konzepte für den Einstieg in die Social Media-Praxis im Unterricht?
Philippe Wampfler: Ja - die einfachsten Möglichkeiten bestehen darin, mit Klassen zu besprechen, was sie in einer Lektion, an einem Tag oder während einer Woche gelernt haben und daraus einen Tweet oder einen kurzen Blogeintrag zu erstellen. Das Lernen wird erfasst und nach außen sichtbar gemacht. Social Media werden so professionell und bewusst eingesetzt.
Zur Person
Philippe Wampfler ist Lehrer für Deutsch, Philosophie und Medienkunde am Gymnasium Wettingen in der Schweiz), Dozent an der Universität Zürich, sowie Autor zum Thema Social Media (zuletzt: "Generation ´Social Media`und Blogger. Außerdem berät er Schulen und anderen Bildungsinstitutionen beim Thema Social Media.
Dazu auf der didacta 2015 in Hannover
Dienstag 24. bis Samstag 28. Februar 2015
Auch die didacta 2015 präsentiert sich wieder mit den traditionellen Bildungsbereichen Kindertagesstätten, Schule/Hochschule und Berufliche Bildung/Qualifizierung. Daneben widmet sich die Bildungsmesse in diesem Jahr in der Halle 23 auch übergreifend dem Thema Neue Technologien.
Dienstag, 24. Februar 2015
Sexting & Cybermobbing – Herausforderung für den Sozialraum SchuleDie Phänomene Sexting und Cybermobbing sind zunehmend Teil des Schulalltags. Die Folgen sind nicht nur für direkt Betroffene gravierend, das Sozialklima an sich ändert sich durch die Verlängerung des digitalen Raums in die Klassen. Im Impulsvortrag werden die Phänomene und die Handlungsmöglichkeiten der Lehrkräfte greifbar vorgestellt. Als einen zentralen Lösungsansatz gibt der Referent Einblick in das präventive Medien-Peer-Programm "Digitale Helden". Referent: Gregory Grund, Medienpädagoge, www.digitale-helden.de, 13.00 bis 14.00 Uhr im Forum Unterrichtspraxis, Halle 16, Stand E36.
Mittwoch, 25. Februar 2015
Digitale Bildung in der Schule: Spielwiese für jedermann?Vehement diskutiert wird die Forderung nach einem intensiveren digitalen Lehren und Lernen in der Schule. Sowohl Hard- und Softwarekonzerne, Stiftungen und Verbände als auch viele private Initiativen setzen die Landespolitik unter Druck. Im Fokus sind wieder die Lehrkräfte: Sie sollen die Inklusion umsetzen, Schulentwicklung betreiben, jeden Schüler und jede Schülerin individuell bestmöglich fördern, Lernpläne entwickeln, Elternarbeit betreiben – und gleichzeitig stimulierende und motivierende digitale Unterrichtswelten aufbauen. Wo muss die Grenze zwischen sinnvoller Kooperation und unzulässiger Kommerzialisierung gezogen werden? Wer bestimmt, was Schüler/-innen lernen und womit Lehrkräfte unterrichten? Wie kann der Staat die Unabhängigkeit von Schule schützen? Podiumsdiskussion mit Tilo Knoche, Vorsitzender Geschäftsführung Ernst Klett Verlag GmbH; Dr. Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied GEW des Organisationsbereichs Schule; Ludger Pieper, Schulausschuss der Kultusministerkonferenz; Mathias Reckmann, Verbraucherzentrale Bundesverband e. V., Projekt Materialkompass Verbraucherbildung; Frank Bolten, Samsung). 11.00 bis 12.15 Uhr im Forum Bildung, Halle 16 / Stand E20.
Landeskonzept "Medienkompetenz in Niedersachsen – Meilensteine zum Ziel". Kritischer Rückblick – optimistische Vorausschau!
2012 wurde in Niedersachsen das Landeskonzept "Medienkompetenz in Niedersachsen – Meilensteine zum Ziel" beschlossen. Ziel war, "mehr Medienkompetenz in Niedersachsen zu vermitteln, die Vielfalt von Medieninhalten und ihren Verbreitungswegen als Chance, aber auch als Verantwortung zu begreifen." Für den Bereich der schulischen Bildung bedeutete dies u. a. nachhaltigere medienpädagogische Qualifizierungsmaßnahmen, verbindliche Integration von Medienbildung in die Kerncurricula, Weiterentwicklung des Vorbereitungsdienstes in der Lehrerausbildung, Ausbau des Niedersächsischen Bildungsservers (NiBiS). Was ist in den zurückliegenden Jahren davon umgesetzt worden? Und welche Perspektiven werden für die kommenden Jahre gesehen? Referent: Detlef Endeward, Leiter des Fachbereichs Medienbildung im Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), 12:00 bis 13:00 Uhr im Forum Unterrichtspraxis, Halle 16, Stand E36.
Gamifying Language Learning – Möglichkeiten und Grenzen neuer (digitaler) Zugänge zum Fremdsprachenlernen
Nicht nur als Unterhaltungsmedium erfreuen sich digitale Spiele großer Beliebtheit. Auch im Bereich des Lernens werden zunehmend spielerisch orientierte Produkte veröffentlicht. Dies trifft besonders auf den Bereich des Fremdsprachenlernens zu. Aber was bringen diese Ansätze für das Fremdsprachenlernen? Ziel des Beitrags ist es, nach einer Beschreibung typischer Merkmale von Computerspielen (von Spieletypen bis hin zu typischen Spielemechaniken) zentrale Ergebnisse einer Untersuchung zu insgesamt 50 digitalen Spielen für den Bereich des Fremd¬sprachenlernens darzustellen und einen Prüfkatalog für Fremdsprachenlernspiele speziell für Lehrkräfte zu präsentieren. Stärken und Schwächen, Möglichkeiten und Grenzen – auch des Einsatzes im Unter-richt – sollen kritisch diskutiert werden. Referent: Prof. Dr. Torben Schmidt, Leuphana-Universität Lüneburg, Institute of English Studies, 14.00 bis 15:00 Uhr im Forum Unterrichtspraxis, Halle 16, Stand E36.
Freitag, 27. Februar 2015
Generation "Social Media": Wie verändert die digitale Kommunikation der Jugendlichen die Schule?Dem Versprechen, dass Neue Medien uns dabei helfen, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, unser Leben einfacher und gehaltvoller zu gestalten und unsere Arbeit zielstrebig und effizient zu erledigen, misstrauen viele Lehrerinnen und Lehrer zu Recht. Wie verändern sich Menschen durch ihre Techniknutzung? Wie wandeln sich ihre Beziehungen durch den Einbezug der digitalen Ebene? Und wie ist Lernen mit Neuen Medien möglich? Wie sieht eine Medienpädagogik jenseits von Polemik und übertriebenen Befürchtungen aus? Referent: Philippe Wampfler, Lehrer für Deutsch, Philosophie und Medienkunde am Gymnasium Wettingen (Schweiz), Dozent für Fachdidaktik Deutsch an der Universität Zürich, Autor zum Thema Social Media (zuletzt: "Generation ´Social Media`. Wie digitale Kommunikation Leben, Beziehungen und Lernen Jugendlicher verändert", 2014) und Blogger. 11.00 bis 12.00 Uhr im Forum Bildung, Halle 16 / Stand E20.
Schule 2030: Werden professionelle Bildungsmedien noch gebraucht?
Das gedruckte Schulbuch hat Konkurrenz: Das Internet bietet eine Vielzahl von digitalen Unterrichtsmaterialien an; Lehrkräfte greifen auf kostenlose Bildungsmedien online zu, veröffentlichen eigene Materialien als OER oder gehen mit Wikis und iPad-Projekten neue Wege. Welchen Stellenwert haben professionelle Bildungsmedien heute – und wo liegt ihre Zukunft? Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Eva Matthes, Universität Augsburg, Philosophisch-sozialwissenschaftliche Fakultät, Wulf Homeier, Präsident des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung, Tobias Hübner, Lehrer, Autor, IT-Trainer, Wolf-Rüdiger Feldmann, Vorstand Verband Bildungsmedien e. V.. 13.45 bis 15.00 Uhr im Forum Bildung, Halle 16 / Stand E20.
Samstag, 28. Februar 2015
Mobiles Lernen mit Tablet-Computern in NiedersachsenDas Land Niedersachsen führt in Kooperation mit dem Netzwerk Medi¬enberatung und dem Verein n-21 an 16 Schulen ein landesweites Projekt zum "Mobilen Lernen mit Tablet-Computern" durch. Das Projekt untersucht die Eignung von Tablet-Computern in 1:1 Ausstattung für das Mobile Lernen und die Verbesserung der Unterrichtsqualität. Medienpädagogische Beraterinnen und Berater begleiten und unterstützen dabei die Lehrkräfte der beteiligten Schulen vor Ort. Die Dauer des Projektes beträgt drei Jahre und endet im Sommer 2015. Referenten: Tim Krumkühler, Planungsteam Tablet-Projekt, Medienpädagogischer Berater am NLQ , Steffen Schwabe, Projektleitung Tablet-Projekt, Medienpädagogischer Berater am NLQ 12:00 bis 13.00 Uhr im Forum Unterrichtspraxis, Halle 16, Stand E36.
Beispiele für individuelle Förderung und Medienerziehung mithilfe von Tablets im Unterricht
Lehrer aller Fächer und Schulformen stehen zunehmend vor der Aufgabe, Schüler individuell zu fördern. Darüber hinaus gilt es, den vielfältigen Anforderungen zur Medienerziehung Rechnung zu tragen. Tablets mit Taschenrechner-Apps können die für den Mathematikunterricht langfristig verpflichtend anzuschaffenden grafikfähigen Taschenrechner ersetzen und bieten zudem ein weites Spektrum vielfältiger Einsatzmöglichkeiten. Anhand von Unterrichtsszenarien soll illustriert werden, wie den Herausforderungen der individuellen Förderung und der Medienerziehung mit Hilfe von Tablets begegnet werden kann. Referent: Danny You, Gymnasiallehrer für Physik, Mathematik und Informatik, 15:00 bis 16:00 Uhr im Forum Unterrichtspraxis, Halle 16, Stand E36.
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