"Lernen im Eigenen Takt statt G8 oder G9"
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft setzt sich für ein neues Modell der Schulzeit an Gymnasien und Gesamtschulen ein, mit dem die alte Alternative zwischen G8 und G9 überwunden werden kann. "Dieses Modell findet großen Anklang bei gesellschaftlichen Gruppen, auch in der vom Kultusministerium berufenen Expertenrunde", erklärt der Landesvorsitzende der GEW Eberhard Brandt.
12.02.2014 Pressemeldung GEW NiedersachsenDie GEW rät bei der Umsetzung eines neuen Schulzeitmodells zur Gelassenheit. "Wir hören aus den Kollegien, dass sie eine erneute Reform nicht schon wieder überstürzt umsetzen wollen", so Henner Sauerland, Vorsitzender der GEW-Fachgruppe Gymnasien. Die Vorbereitungen für das neue Schuljahr, z.B. Kurswahlen und Lehrkräfteeinsatz liefen zurzeit, daher sei der richtige Starttermin 2015 und nicht 2014. Vielleicht sei die GEW in dieser Frage gelassener als andere, weil die GEW sich seit 2003 gegen G8 an Gymnasien und Gesamtschulen und für eine flexible Oberstufe ausgesprochen habe, während andere ihre Haltung erst nach dem Regierungswechsel vor einem Jahr geändert haben. "Uns ist es wichtig, dass die Beratungen der sehr sachbezogen arbeitenden Expertenrunde, in der der Landeselternrat vertreten ist, zu Ende geführt werden", betont der GEW-Gymnasialexperte und hält es für deplatziert, das Tempo der Reform als Maß für die Gymnasialfreundlichkeit zu stilisieren.
Zentrale Idee vom Lernen im Eigenen Takt ist die Beseitigung der starken Belastung der SchülerInnen in der Sekundarstufe I und II, die mit G8 verbunden ist. Dadurch soll es SchülerInnen auch ermöglicht werden, individuelle Leistungsschwerpunkte zu setzen, z.B. eine dritte Fremdsprache ab Schuljahrgang 9 und 11 zu erlernen. Künftig sollen 30 Wochenstunden in der Regel die Obergrenze in der Stundentafel sein und nicht 34. Die Sekundarstufe I soll künftig wieder mit dem 10. Schuljahrgang enden. Der Doppelcharakter des 10. Schuljahrgangs aus dem Turbogymnasium wird abgeschafft. Die Sekundarstufe II beginnt künftig einheitlich im 11. Schuljahrgang. Das Schulgesetz soll regeln, dass Gymnasien und Gesamtschulen die Schuljahrgänge 5 bis 13 umfassen. In der Sek II wird die Schulzeit allerdings flexibilisiert. Der 11. Jahrgang soll bei entsprechenden Schulleistungen übersprungen werden können. Die GEW regt an, dass die Qualifikationsphase nach Klasse 11 in Zukunft in zwei oder drei Jahren absolviert werden kann und verweist darauf, dass derzeit ein erheblicher Anteil der SchülerInnen in der Qualifikationsphase freiwillig einen Jahrgang wiederholt oder vor dem Abitur zurücktritt.
Ein weiteres Schwerpunktthema der Expertengruppe ist die Reform der Qualifikationsphase. Die GEW rät, die Wissenschaftspropädeutik und das vertiefte Lernen durch die Konzentration auf fünf- bis sechsstündige Leistungskurse zu verstärken. Grundkurse sollen mindestens dreistündig sein. Das fünfte Prüfungsfach soll abgeschafft werden.
Die GEW sieht die Einführung der flexiblen Oberstufe als pädagogische Frage an, die nicht mit der Arbeitszeit und der Arbeitsbelastung der Lehrkräfte verbunden werden soll.
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