Leseförderung – ein Blick in andere Länder
(Ursula Esser/Susanne Mahler) Im Bereich der Lesekompetenz hat die PISA Studie den untersuchten Ländern sehr unterschiedliche Ergebnisse bescheinigt. Österreich gehört hier zu den Ländern, die recht positiv bewertet wurden. Auch Finnland – viel zitierter PISA Sieger – hat im Bereich des Lesens gute Noten bekommen.
11.05.2004 ArtikelLeider stellt es sich als äußerst schwierig heraus, die nationalen Strategien im Bereich der Leseförderung zu recherchieren. Um so interessanter wird das 1. Internationale Symposium der Stiftung Lesen zu diesem Thema sein. Was nicht schriftlich auffindbar ist, wird hier von Experten vorgetragen. Mehr zu den Erkenntnissen des Symposiums finden Sie nach Abschluss des Symposiums unter: www.stiftung-lesen.de
LESEFIT – Ein Konzept für Österreich
LESEFIT, die Initiative des österreichischen Bildungsministeriums und des Österreichischen Buchklubs der Jugend, wird wegen des großen Erfolgs im Schuljahr 2002/03 verlängert. Die Initiative verbindet die Förderung von Lesequalität und -kompetenz mit der Vermittlung von Lesefreude. Ziel von LESEFIT ist es, ein gesamtösterreichisches Lesekonzept zu entwickeln. Einerseits sollen dabei die positiven Teilergebnisse von PISA gesichert werden. Andererseits gilt es, vorhandene Lesekompetenz und Lesebereitschaft österreichischer SchülerInnen weiter zu verbessern und insbesondere für schwächere LeserInnen konkrete Hilfs- und Förderprogramme zu entwickeln. Große Bedeutung wird auch der Vermittlung von Lesestrategien mittels der neuen Medien eingeräumt.
Unter dem Motto "Lesen können heißt lernen können" war Lesen ein Jahr lang Thema vor allem im Grundschulbereich. Doch auch österreichische Hauptschulen und Gymnasien wurden in die Arbeit der Initiative einbezogen. Das Buchklub-Fachmagazin jum erreichte mit einem LESEFIT-Schwerpunkt in vier Ausgaben alle Volksschulen Österreichs und die Leseplattform www.lesefit.at verzeichnete ca. 8000 BesucherInnen pro Monat, die die Angebote zur Information bzw. Unterrichtsvorbereitung in Anspruch nahmen. Fast 50 zielgruppenspezifische Aussendungen gingen mit einer Gesamtauflage von über 860.000 Exemplaren an LehrerInnen, MultiplikatorInnen und auch Eltern.
Im Rahmen der Fortbildung und Förderung von LESEFIT fanden bisher rund 200 Leseseminare statt, an denen sich mehr als 7000 TeilnehmerInnen beteiligten. Der Buchklub stellte dazu eine Themen und ReferentInnenbörse zur Verfügung. Zur Koordination der LehrerInnenfortbildung zum Thema Lesen und für die Vernetzung der PIs und des Buchklub-Netzwerkes wurde die Koordinationsstelle Lesen am PI Salzburg eingerichtet. Die sichere Diagnose extrem leseschwacher Kinder erleichterte ein Flächenscreening der Universität Salzburg, das vom bm:bwk allen Volksschulen kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Lesefördermaterialien zum differenzierenden Lesetraining im Unterricht werden vom Buchklub im Internet angeboten und stoßen auf sehr große Nachfrage.
Im Jahr 2004 werden die erfolgreichen LESEFIT-Projekte weitergeführt. Die Seite des österreichischen Buchklubs, www.buchklub.at bietet Cybertours und interaktive Lesefördermaterialien zu den Kinderund Jugendmedien des Buchklubs. Auch der "Leichter lesen"-Service wird in Zukunft seine Arbeit als Beratungsstelle bei Leseproblemen für Eltern und LehrerInnen fortsetzen. Neben bestehenden Aktivitäten möchte LESEFIT in der kommenden Projektlaufzeit weitere Arbeitsschwerpunkte aufbauen. Auf dem Programm stehen unter anderem Themenbereiche, wie "Spätleser", wobei ein Konzept zur Förderung von Kindern mit Leseproblemen ab der 5. Schulstufe entwickelt werden wird. Auch interkulturelle Aspekte des Lesens erfahren mit dem Schwerpunkt "Leseförderung für Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch" eine besondere Akzentuierung.
Der Begriff LESEFIT wird also weiterhin als Österreich-weite Dachmarke für Leseförderung etabliert. Denn "Lesen", so formuliert Buchklub-Geschäftsführer Gerhard Falschlehner die Botschaft der Initiative, "ist nicht nur Basis für das Lernen, es ist in der heutigen Mediengesellschaft die zentrale Kulturtechnik. Natürlich soll es auch Freude und Spaß bereiten, der Entspannung und der Unterhaltung dienen."
Matilda – eine Initiative aus Finnland
Matilda ist ein Projekt für Bücher-Liebhaber und solche, die es gerne werden möchten. 200 SchülerInnen im Alter von 11 - 15 aus ganz Finnland beschäftigen sich – via MATILDA – mit Literatur, und zwar in virtuellen Lerngruppen. Der Gebrauch von virtuellen Diskussionsplattformen ermöglicht es den SchülerInnen, sich über ihre Leseerfahrungen auszutauschen. Gemeinsam publizieren sie ein online- Literaturmagazin. Dieses Projekt wurde unter anderem auch entwickelt, um Mädchen zu motivieren, die neuen Medien verstärkt zu nutzen. Statistische Erhebungen hatten gezeigt, dass wesentlich mehr Jungen als Mädchen an IKT Projekten teilnehmen. MATILDA hingegen motiviert vor allem Mädchen – sie stellen deshalb inzwischen auch die größere Benutzergruppe. Inzwischen wird MATILDA auch in anderen Ländern genutzt, so z. B. in Estland.
Wie funktioniert MATILDA?
MATILDA besteht zunächst aus einer Webseite, die Material und Leseempfehlungen bereithält, den Teilnehmenden und den Tutoren entsprechend Informationen gibt, außerdem aber auch eine virtuelle Diskussionsplattform zur Verfügung stellt. Jede teilnehmende Schule stellt einen Tutor, der die Aktivitäten steuert. Diese Tutoren werden regelmäßig fortgebildet und mit dem Gebrauch der Plattform vertraut gemacht. In einem Netz schließen sich SchülerInnen aus 3 - 4 verschiedenen Schulen zusammen, kreieren ihren eigenen virtuellen Raum und stellen sich selber Aufgaben – sie entscheiden, welche Bücher sie lesen (in der Regel sind es zwei pro Monat) und sie legen thematische Schwerpunkte für die "literarische Diskussion" fest. Die MATILDA Website und der zur Verfügung stehende virtuelle Diskussionsraum ermöglichen ihnen nicht nur den Austausch über Inhalte und motivieren zum Lesen, sie helfen auch, schon früh gezielte ICT Fertigkeiten zu entwickeln. Informationen finden Sie unter: www.edu.espoo.fi/matilda
Dank MATILDA wurden folgende Lernziele erreicht:
Die SchülerInnen haben innerhalb von drei Stunden die elementaren ICT Fertigkeiten, wie das Kommunizieren via e-mail, das Herunterladen von Texten, die Bearbeitung von Texten, etc. gelernt. Jeder von ihnen lernte, eigene Buchkritiken zu verfassen und zu verschicken und diese auch auf der Webseite zu posten. Es zeigte sich, dass die TeilnehmerInnen von MATILDA in den öffentlichen Bibliotheken leichter mit den Datenbanken umgehen konnten und gewünschte Bücher schneller fanden. Nach kurzer Zeit entwarfen die SchülerInnen eigene Websites und veröffentlichten in ihrem virtuellen Raum Buchbesprechungen und -empfehlungen. Die MATILDA- Teilnehmerinnen erstellten ein Video mit Anweisungen, wie man mit einer Videokonferenz didaktisch umgehen kann.
Autorinnen:
Ursula Esser, Susanne Mahler
Kontakt:
Ursula Esser
Internationale Projektkoordinatorin
Schulen ans Netz e. V.
Telefon 0228 91048-31
Telefax 0228 91048-77
E-Mail:
Internet: www.schulen-ans-netz.de/internationales/kontakt/index.php
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