Sachsen-Anhalt

Lippmann: Blick auf die eigene Geschichte ist nie objektiv

"Es diskutiert sich schlecht, wenn man zuvor an den Pranger gestellt wird.", kritisiert der Landesvorsitzende der GEW, Thomas Lippmann, den öffentlichen Umgang mit einem Artikel, in dem der Autor Roman Grafe in der [Zeitschrift "Die Zeit"](http://www.zeit.de/2014/05/lehrer-ostdeutsche-schule-ddr-diktatur) über seine Erfahrungen mit Lehrkräften in ostdeutschen Schulen im Zusammenhang mit Lesungen zur DDR-Geschichte berichtet.

30.01.2014 Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

"Der Blick auf die eigene Geschichte ist nie objektiv, er ist immer geprägt von den eigenen Lebensumständen. Das gilt für Herrn Grafe ebenso, wie für jeden anderen der 16 Millionen ehemaligen Bürger der DDR. Der Blick zurück auf die DDR und die Zeit der Wende ist ebenso vielfältig, wie es das Leben in der DDR selbst auch war. Darüber zu informieren, zu diskutieren und gegebenenfalls auch zu streiten, das sind wir unseren Kindern schuldig.", so Lippmann zur Notwendigkeit, ein lebendigen Dialog in den Schulen zu unserer Vergangenheit zu organisieren.

Es gäbe natürlich über die Zeit der DDR ebenso objektive Fakten wie über jede andere historische Zeit auch, die selbstverständlich im Rahmen des Schulunterrichts vermittelt werden müssten. Daneben gäbe es aber eine Fülle unterschiedlichster biographischer Erfahrungen und Entwicklungen, die sich nicht vereinheitlichen lassen. Sich dazu zu bekennen, sei deshalb auch keine "Verklärung" früherer Zeiten, sofern dabei nicht unbestreitbare Fakten geleugnet würden. Dies sei bei der Lesung in der Stendaler Comenius-Schule nach den öffentlichen Darstellungen aber nicht der Fall gewesen, so Lippmann.

Dass sich die Schulen auch in den östlichen Bundesländern um eine breite Sicht auf die DDR-Geschichte bemühen, zeigten ja u.a. auch die vielfachen Einladungen von Herrn Grafe zu Lesungen in Schulen. Allerdings sei seine sehr zugespitzte Sicht auf das DDR-Grenzregime und die Repressalien in einer Diktatur, besonders aber sein offenkundig intoleranter Umgang mit anderen Erfahrungen wenig geeignet, eine offene Diskussionen auch mit den Lehrkräften zu befördern.

Das könne man nur bedauern, denn nur ein Austausch, der die Menschen mit ihren individuellen Erfahrungen ernst nimmt, der neues Wissen und andere Sichtweisen vermittelt, bringe uns voran. "Die Mauer, die uns die Welt nicht anschauen ließ, der Schießbefehl, die Stasiwillkür und der diktatorische Machtanspruch einer Partei gehören zur DDR-Geschichte. Aber das Leben in der DDR war für die Mehrzahl ihrer Bürger viel mehr. Es gab eben mehr als nur den "Grünen Pfeil", was es wert gewesen wäre, dass wir es in unserem größeren und nun gemeinsamen Deutschland erhalten hätten", so Lippmann.

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GEW Sachsen-Anhalt

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