Mit Französisch um die Welt

(jk) "Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen." Das erkannte bereits der deutsche Nationaldichter Johann Wolfgang von Goethe. Und auch die Europäische Kommission fordert: Der europäische Bürger sollte zwei lebende Sprachen beherrschen. 90 Millionen Europäer haben Deutsch als Muttersprache, rund 65 Millionen Französisch und rund 60 Millionen Englisch. Innerhalb Europas sprechen fast doppelt so viele Menschen Französisch wie Spanisch. Ein Grund mehr, Französisch bereits in der Schule zu lernen.

25.02.2005 Artikel
  • © Ernst Klett Verlag

Gymnasiasten, deren erste Fremdsprache in der weiterführenden Schule Englisch ist, stehen früher oder später vor der Wahl: Französisch oder Latein? Manchmal wird auch noch Spanisch angeboten. Zuweilen haben Schüler und Eltern die Qual der Wahl, denn viele Faktoren sind zu berücksichtigen. 17% der Schüler in Deutschland wählten im Schuljahr 2003/04 Französisch als erste oder weitere Fremdsprache, 1,8% entschieden sich für Spanisch und 7% für Latein. Französisch als "lebende" Sprache Latein ist eine systematisch aufgebaute Sprache. Wer sie "intus" hat, kann romanische Sprachen leichter lernen. Doch spricht heutzutage keiner mehr Latein.

Französisch ist dagegen eine "lebendige" Sprache. Und auch Schülerinnen und Schüler, die Französisch können, haben es mit weiteren romanischen Sprachen deutlich leichter. Französisch wird daher auch als "Brückensprache" bezeichnet. Und: Französisch lässt sich leichter lernen, als gemeinhin angenommen wird. Zahlreiche Organisationen unterstützen Jugendliche, die Französisch lernen wollen. Das deutsch-französische Jugendwerk hat seit 1963 mehr als 7 Millionen Teilnehmer betreut. Austauschmöglichkeiten bieten Schulen, die Partnerschulen in Frankreich haben. Darüber hinaus unterstützt das "Programm Brigitte Sauzay" einen dreimonatigen Aufenthalt in einer französischen Schulklasse. Der international anerkannte DELF-Abschluss (Diplôme d´études en langue française), der heute schon in der Schule vorbereitet werden kann, bietet weitere Chancen und Möglichkeiten. In 24 Städten Deutschlands stehen allen Interessierten die Türen des Institut français offen.

Wichtigster Handelspartner

12 Millionen Deutsche machen Jahr für Jahr Urlaub in Frankreich. Doch nicht nur im Urlaub, sondern auch im Berufsleben ist Französisch sehr hilfreich. Denn Frankreich ist Deutschlands direkter Nachbar und wichtigster Handelspartner: 11% der französischen Waren werden nach Deutschland exportiert, und Deutschland wiederum schickt 18% seiner Waren nach Frankreich. In Stellenausschreibungen ist Französisch nach Englisch deshalb die am häufigsten nachgefragte Fremdsprache.

Keine selbstverständliche Freundschaft

Die Nachbarschaft mit Frankreich war nicht immer von Harmonie geprägt. Die französische Geschichte beeinflusste Deutschland und die Welt erheblich, von Louis XIV. über die Französische Revolution bis hin zu Napoleon. Das Grenzgebiet Elsass-Lothringen war stets ein Zankapfel der deutsch-französischen Geschichte. Im Krieg der beiden Nachbarländer verlor Frankreich 1871 die Region an Deutschland und gewann sie 1918 zurück. 1940 bis 1945 waren Teile Frankreichs, darunter auch das Elsass, erneut deutsch besetzt. Seit 1945 gehört die Region westlich des Oberrheins zu Frankreich.

1963 vereinbarten die einstmals erbitterten Feinde im Elysée-Vertrag regelmäßige Treffen auf höchster Ebene und legten den Grundstein für eine Freundschaft. Heute bilden die beiden Nachbarländer als wichtige Partner den Kern Europas und sind auch durch den gemeinsamen Euro eng verbunden. Nicht von ungefähr spielte die Förderung der jeweils anderen Sprache eine wichtige Rolle im Elysée-Vertrag. Dahinter stand die Einsicht, dass die Überwindung alter Rivalitäten und das Fortbestehen der neu geschlossenen Freundschaft nur gelingen können, wenn auch die Menschen miteinander kommunizieren können. So selbstverständlich diese Verbundenheit heute erscheinen mag, so wichtig ist es nach wie vor, sie mit Leben zu füllen.

Zu Recht steht deshalb im heutigen Französischunterricht die kommunikative Kompetenz im Vordergrund. Aber auch die Begegnung mit der Kultur ist ein wichtiger Bestandteil des Schulfachs Französisch. Man denke nur an den Eiffelturm und den Louvre, den französischen Film oder die Küche der Grande Nation, ohne die unsere Welt ein bisschen ärmer wäre ...

Mehr Berufschancen mit Französisch

Im Berufsleben wird Französisch immer wichtiger. Englisch zu beherrschen reicht allein nicht aus und wird heute als selbstverständlich angesehen. Mit Französisch können sich die Schülerinnen und Schüler von ihren Mitbewerbern absetzen. In nahezu allen internationalen Organisationen ist Französisch eine der Arbeitssprachen, so in der UNO, der UNESCO oder dem Europarat.

Das Wirtschaftsmagazin "Junge Karriere" berichtet zum Beispiel in seiner Ausgabe vom 27. August 2004 über mehr als 20 000 freie Stellen für Deutsche in Frankreich. Die meisten Stellen werden im Tourismus- und Gaststättengewerbe ausgeschrieben, jedoch auch im Baugewerbe ist das Angebot groß.

Ansprechpartnerin

Christa Weck
Leiterin Redaktion Französisch
Ernst Klett Verlag
Rotebühlstraße 77
70178 Stuttgart
Telefon: 07 11-66 72-18 76
Fax: 07 11-66 72-20 01

www.klett.de

Erstveröffentlichung:
Klett Themendienst


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