Studie

Mobbing betrifft ein Viertel der Kinder mit Lernstörungen

26,4 Prozent aller Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Rechenschwäche (RS) sind schon einmal Opfer von Mobbing geworden.

01.07.2016 Bundesweit Pressemeldung Duden Institute für Lerntherapie
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26,4 Prozent aller Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Rechenschwäche (RS) sind schon einmal Opfer von Mobbing geworden. Besonders Kinder in den Klassen 6–12 sind mit 43,5 Prozent deutlich häufiger betroffen als Kinder der Klassen 1–5 (21,3 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Teil der PuLs-Studie (Psychosoziale Belastungen und Lernschwierigkeiten) der Duden Institute für Lerntherapie. Ausgewertet wurden Daten von Diagnosegesprächen mit über 200 Kindern und Jugendlichen und deren Eltern. Dabei sind Mädchen und Jungen nahezu gleich stark betroffen (29 Prozent vs. 23,8 Prozent).

Mobbing äußert sich überwiegend in psychischer Gewalt (98,1 Prozent), in nur 7,6 Prozent der betrachteten Fälle wurde von physischer Gewalt berichtet. Außergewöhnlich oft leiden Mobbingopfer darüber hinaus aber unter weiteren psychosozialen Belastungen. So zeigen sich bei 83 Prozent der betroffenen Kinder weitere Symptome wie internalisierendes Problemverhalten (d. h. Ängste, Depressionen, sozialer Rückzug), ADHS, somatoforme Störungen oder Schulvermeidung.

Zudem wurde in der Studie deutlich, dass Mobbing längst nicht nur von Kindern an Kindern verübt wird, sondern oftmals auch Erwachsene als Mobbingtäter in Erscheinung treten. In 62,3 Prozent der Fälle werden Kinder, d. h. Mitschüler, als Täter benannt, in 45,3 Prozent auch Erwachsene (Lehrer, Erzieher und Schulpersonal).

Dr. Lorenz Huck, Psychologe, Lerntherapeut und einer der Autoren der Studie:

„Die Tatsache, dass teilweise Lehrkräfte als Mobbingtäter benannt werden, muss differenziert  betrachtet werden: In vielen Fällen waren sie auch wichtige Unterstützer der betroffenen Kinder. Grundsätzlich sollte in Schulen noch offener und selbstverständlicher damit umgegangen wird, dass Kinder in unterschiedlichem Tempo lernen und manche mehr Schwierigkeiten haben als andere. So könnte Mobbing aktiv entgegengetreten werden. Auch wäre eine Zusammenarbeit zwischen Lerntherapie und Schule hilfreich, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen.“

Die vollständige Studie mit weiteren Ergebnissen finden Sie hier.

Eine Infografik zu den Zahlen der Studie finden Sie hier.


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Ein Kommentar vorhanden

  • 01.07.2016 21:45 Uhr
    Haben nicht auf Grund des europäischen Sonderwegs einer sogenannten „Schulpflicht“ (was korrekt ausgedrückt „Schulanwesenheitszwang“ heißen müsste) die Kultusministerien der Länder die in der Studie beschriebenen Zustände herbeigeführt und zu verantworten?
    D.h. sind nicht die dem Bundesland (und nicht dem Kind) verpflichteten staatsbediensteten Pädagogen für die ihn zwangszugeführten jungen Menschen verantwortlich?
    In welche Rolle lassen sich die Pädagogen durch diesen in Europa nahezu einmalige Ortsanwesenheitszwang von den Kultusministerien der Länder drängen?
    Wie sollen denn die Pädagogen innerhalb dieses von den Ländern zu verantwortenden Zwangsrahmens in die von Herrn Dr. Lorenz Huck gewünschte Rolle eines wirklichen Lehrers, Begleiters, Unterstützers und Helfers kommen?
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