Bayern

Niveausenkung und "Flachbildung"? - Nein Danke!

Die Ankündigung des Bayerischen Kultusministeriums in einem Interview, dass am Gymnasium "noch mal Stoff herausgenommen" wird, stößt beim Bayerischen Philologenverband (bpv) auf deutliche Kritik. Insbesondere lehnt es der Vorsitzende des Gymnasiallehrerverbandes Max Schmidt ab, neben dem Stoff auch die "Vermittlungstiefe" an Bayerns Gymnasien "weiter" reduzieren zu wollen:

15.05.2012 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

"Die Vermittlungstiefe gehört zum Wesenskern der Schulart Gymnasium. Sie ist unverzichtbarer Bestandteil eines geistig herausfordernden Lern- und Bildungsprozesses, der junge Menschen auf anspruchsvolle Studiengänge und die Übernahme verantwortungsvoller Positionen in Beruf und für die Gesellschaft vorbereitet. Dieses Ziel kann nicht mal eben so zur Disposition gestellt werden, ohne der angestrebten Studierfähigkeit bayerischer Gymnasiasten massiv zu schaden. Ich kann nur eindringlich davor warnen, auf die Fehler bei der G8-Einführung mit immer neuen zweifelhaften Reparaturversuchen und "Nachschlechterungen" zu antworten. Lehrplankürzungen von bis zu 50 Prozent, wie sie etwa der Grund- und Mittelschullehrerverband BLLV fordert, bedeuteten das Ende eines Abiturs mit allgemeiner Hochschulreife, den Verlust der Studierfähigkeit und damit den Tod des bayerischen Gymnasiums.

Auf lange Sicht würde damit eine Entwicklung gefördert, an deren Ende nur noch das Namensschild ´Gymnasium´ übrig bliebe. Ich erinnere daran, dass die CSU bei der Einführung des G8 Stein und Bein geschworen hat, die Qualität der Gymnasien werde unter der Verkürzung nicht leiden! Wenn sich jetzt das Gegenteil herausstellen sollte, wirft dies zwangsläufig irgendwann die Frage auf, ob das bayerische Gymnasium seinen Auftrag, junge Menschen studierfähig zu machen, noch erfüllen kann. Denn das letzte, was wir uns erlauben dürfen, sind eine schlechtere Studienvorbereitung und weiter steigende Abbrecherquoten unter den Studierenden."

Schmidt erinnerte daran, dass bereits in den letzten Jahren mehrfach die Lehrpläne überarbeitet worden seien. Es sei ärgerlich, dass das Kultusministerium zwar einerseits, wenn es etwa um die Zulassung von G9-Zügen gehe, Beständigkeit und Ruhe anmahne, auf der anderen Seite durch pauschale Kürzungsankündigungen die Unruhe an den Schulen und in der Kollegenschaft selbst schüre. Er betonte: "Weitere Niveauabsenkungen würden denen Recht geben, die in der Rückkehr zum G 9 die einzige Möglichkeit sehen, den Wert des bayerischen Abiturs zu erhalten!"

Angebot zur Zusammenarbeit mit dem Ziel der Qualitätssicherung

"Bei der Weiterentwicklung des Gymnasiums kann es also nicht um die Frage gehen", so Schmidt weiter, "auf welche Weise möglichst viele Schüler möglichst einfach zu ihrem Abitur kommen. Bei allem – verständlichen und notwendigen – Ringen um Lehrplaninhalte muss doch stets der Zuwachs an Reife, Entwicklung, Persönlichkeit sowie an Wissen und Kompetenzen für den jungen Menschen und die Gesellschaft stehen. Das sind die entscheidenden Kriterien, von denen sich die Verantwortlichen bei der laufenden Überarbeitung des Lehrplans leiten lassen müssen und an deren Verwirklichung wir Lehrkräfte mit Überzeugung und Engagement mitarbeiten werden."

Schmidt bekräftigte die Bereitschaft des Philologenverbandes, sich an der Weiterentwicklung des Gymnasiums mit eigenen Ideen und Vorschlägen konstruktiv zu beteiligen: "Wir sind immer dabei, wenn es darum geht, für unsere Schüler aus der gymnasialen Schulzeit ein Optimum an Bildung, an Vorbereitung auf das Leben, an ein Studium und einen Beruf zu gewinnen. Kleinere Lerngruppen und mehr Lehrkräfte, gut organisierte und ausgestattete Ganztagsgymnasien mit mehr Zeit zum Lernen und Üben können dazu beitragen; eine bessere Harmonisierung von Lehrplaninhalten auch. Und selbst dem Gespräch über eine punktuelle Lehrplananpassung in einzelnen Fächern würden wir uns nicht von vornherein verschließen. – Generell aber intellektuelle Ansprüche an junge Menschen über eine Minderung der "Vermittlungstiefe" zu reduzieren, ist der Weg in die "Flachbildung". Und dazu sagen wir "Nein danke!""

BLLV wäre für das Gymnasium nicht der Arzt, sondern der Totengräber

Einen untauglichen Versuch, sich als Fürsprecher des Gymnasiums zu positionieren, sieht der bpv-Vorsitzende in den heutigen Wortmeldungen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes zum Gymnasium: "Der BLLV-Vorsitzende betreibt ganz offensiv die Einführung der sog. Gemeinschaftsschule, die Verlängerung der Grundschule und damit eine nochmalige massive Verkürzung des Gymnasiums. Nach seinen Vorstellungen würde das Gymnasium zur zweijährigen voruniversitären Paukschule degradiert. Aus den BLLV-Äußerungen sprechen immer wieder Miss- und Verachtung für diese Schulart und die dort geleistete Arbeit. Die unter dem Deckmantel vorgeblicher Pädagogisierung gemachten Vorschläge dieses Verbandes zur Neuausrichtung des Gymnasiums laufen darauf hinaus, diese Schulart von innen her auszuhöhlen und inhaltlich zu entkernen. Da dient sich dem Gymnasium kein Arzt an, sondern ein potenzieller Totengräber!"


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