Offener Brief an Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave

Sehr geehrte Frau Erdsiek-Rave, vor dem schriftlichen Zentralabitur, währenddessen und danach wurden zahlreiche Beschwerden über fehlerhafte Aufgabenstellungen und Erwartungshorizonte sowie über mehrere Verstöße gegen die Verschwiegenheitspflicht durch verantwortliche Lehrkräfte bekannt. Etliche davon gingen an das Bildungsministerium. Bisher bekamen die Beschwerdeführerinnen und –führer vom Ministerium jedoch keine Antworten.

16.07.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

Daher trafen sich auf Einladung der Fachgruppe Gymnasien der GEW Vertreter/innen der Schüler/innen, Eltern und Lehrkräfte am 10.06.08 in Neumünster. Ein ebenfalls eingeladener Vertreter aus dem Ministerium erschien nicht. Dort wurde einhellig beschlossen, in einem offenen Brief folgende Forderungen an Sie zu richten, da unsere Sorgen und Fragen von Ihnen bisher ignoriert worden sind:

  1. Wir fordern Sie auf, uns zu garantieren, dass die Qualität der Abituraufgaben und der Erwartungshorizonte künftig einwandfrei ist (z. B. lösbare, verständliche, lesbare, fehlerfreie Aufgabenstellungen, korrekte Verwendung von Operatoren, angemessene Zeitrahmen für die Erledigung von Aufgaben, etc.). Wir schlagen vor, dass Kommissionen aus unstrittig kompetenten, erfahrenen, vertrauenswürdigen und für diese Arbeit vollständig freigestellten Lehrkräften eingerichtet werden, die genügend Zeit erhalten, um die Aufgaben zu erstellen und ihre Erledigung durchzuprüfen.
  2. Wir fordern Sie auf, uns zu garantieren, dass im Schuljahr 2008/2009 die Aufgaben für das schriftliche Zentralabitur den Fachlehrer/innen der zu prüfenden Schüler/innen nicht vor dem Tag der Prüfung vorgelegt werden. Im Einzelfall (z. B. für den Aufbau eines chemischen Experimentes) wäre eine Vorlage der Aufgabe am Nachmittag vor der Prüfung vertretbar.
  3. Wir fordern Sie auf, uns Auskunft darüber zu geben, was vom Ministerium bezüglich der Vorwürfe wegen Verletzungen der Verschwiegenheitspflicht unternommen wurde und wird.
  4. Für ein transparentes Verfahren fordern wir Sie auf, in Zukunft Anfragen und Beschwerden von mit dem Abitur direkt und indirekt befassten Personen wie Schüler/innen, Eltern und Lehrkräften unverzüglich zu beantworten. Außerdem muss im Sinne einer transparenten Evaluationskultur jährlich eine Übersicht über die eingegangenen Beschwerden und die daraus resultierenden Maßnahmen des Bildungsministeriums veröffentlicht werden.
  5. Wir fordern, dass künftig unabhängige Fachleute in regelmäßig durchzuführenden Evaluationen gewissenhaft prüfen und für die Öffentlichkeit transparent dokumentieren, ob die im Abitur verlangten Leistungen im Vergleich zu den Vorjahren und zu anderen Bundesländern verflachen oder erhöht werden. Ebenso muss regelmäßig durch Unabhängige nachgewiesen werden, ob die zentralen Abiturprüfungen wirklich zu mehr Gerechtigkeit bei der Bewertung von Schüler/innenleistungen führen.
  6. Wir fordern im Zusammenhang mit der Chancengleichheit bei den Abiturprüfungen mehr Bemühungen um eine wirklich gleiche und durchgehend gute Ausstattung aller Schulen mit den für erfolgreiches Arbeiten notwendigen Ressourcen. Das schließt auch garantierte kompetente Krankheitsvertretungen sowie kleinere statt der geplanten größeren Lerngruppen in der Oberstufe mit ein.
  7. Wir fordern Sie auf, in einer Sitzung gemeinsam mit uns die in diesem Brief angesprochenen Themen zu erörtern und daraufhin entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, durch die sicher gestellt wird, dass im nächsten Schuljahr die Gestaltung des schriftlichen Abiturs keinen Anlass zu Beanstandungen mehr gibt.

Unterzeichnet von:
Wiebe Marie Bentien im Namen der Landesschülervertretung der Gymnasien und Gesamtschulen
Mathias van Aswegen im Namen des Landeselternbeirates Gymnasien
Matthias Heidn, Landesvorsitzender der GEW Schleswig-Holstein

Bei Nachfragen:
Landesschülervertretung: Tim Wiegmann, 04101-45499 Mobil: 0160-98571980
Landeselternvertretung: Mathias van Aswegen, 04393-97355
GEW: Matthias Heidn, 04393-2719

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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