Sprachförderung

"Prinzipiell ist jeder Unterricht Sprachunterricht"

Die Sprache verstehen, lesen und schreiben können - das ist eine Grundvoraussetzung für das Lernen insgesamt. Doch Lehrer haben immer mehr Kinder mit geringen Deutschkenntnissen in ihren Klassen, die sie sowohl beim Sprachenlernen wie beim Lernen des aktuellen Unterrichtsstoffs unterstützen müssen. Ein Spagat, der nur mit fundiertem Wissen über den Spracherwerb und den geeigneten Materialien gelingen kann.

23.02.2011 Artikel
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In seinem Forschungsprojekt "Spracherwerb im Grundschulalter" hat Prof. Dr. Stefan Jeuk von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg an einer Schule mit einem hohen Anteil an Migrantenkindern untersucht, wie sich Sprachkompetenzen von Beginn der ersten bis zum Ende der zweiten Klasse entwickeln. Dazu wurden die mündlichen Sprachkompetenzen aller Kinder, die zum Schuljahr 2006/2007 eingeschult worden waren, zu verschiedenen Zeitpunkten gemessen. Die Endauswertung steht zwar noch aus, aber bereits jetzt lässt sich über erste Ergebnisse berichten. "Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, die dass sich Kinder mit Migrationshintergrund der deutschen Sprache im Wesentlichen so nähern, wie das auch Kinder im Erstspracherwerb tun. Die Abfolgen und Entwicklungsschritte - was wird als Erstes gelernt, was schließt daran an - sind sehr ähnlich."

Eine Feststellung, die entscheidend für die Unterrichtsgestaltung und für die Konzeption von geeigneten Unterrichtsmaterialien ist. Genau daran hat Jeuk jetzt mitgearbeitet. Als Herausgeber der Deutsch-Reihe der die das für die Grundschule, bei der die Sprachförderung im Zentrum steht.

Das Grundschulstudium vermittelt den angehenden Lehrern in der Regel Wissen über den Spracherwerb von Kindern. Was Stefan Jeuk mit seiner Untersuchung jetzt belegt hat: "Daran kann sich der Lehrer auch bei Kindern orientieren, die mit einer anderen Muttersprache oder auch zweisprachig aufgewachsen sind. Mit der Ausnahme allerdings, dass es bestimmte sprachliche Bereiche gibt, die für mehrsprachige Kinder besonders schwierig sind. Und diese Erkenntnisse sind in unser Lehrwerk der die das eingeflossen - der Name ist hier Programm. Es ist nämlich so, dass das grammatische Geschlecht der Nomen und im Grunde genommen alles, was mit der Nominalphrase zusammenhängt – also auch die Fälle, die Präpositionen und ganz besonders die Pronomen - eins der schwierigsten Lernfelder ist, außerdem scheint das Wortschatzlernen von besonderer Bedeutung zu sein."

"Die Lehrkraft muss wissen, dass sie das wichtigste Sprachvorbild ist, betont er. "Sie muss sich im Prinzip ihrer Vorbildfunktion in jedem Satz, den sie äußert, bewusst sein." Der Wissenschaftler glaubt, dass mit dem der die das-Lehrwerk ein mutiger Schritt gemacht wird: "Wir versuchen, ein Sprach-Lesebuch mit einem Sprachlernbuch zu verbinden - man könnte auch sagen mit einem Deutsch-als-Zweitsprache-Übungsbuch."

Das Konzept gilt auch für den Mathematikunterricht

"Prinzipiell ist jeder Unterricht Sprachunterricht", sagt Claudia Drews. Die Grundschullehrerin und Rektorin am Studienseminar in Offenbach ist Autorin der Mathematikbücher aus dieser Lehrwerksreihe. Sie tragen den Titel eins zwei drei. "Bei Mathematik geht es nicht nur darum, plus, minus, mal und geteilt zu rechnen, sondern es geht auch um allgemeine mathematische Kompetenzen wie Kommunizieren, Argumentieren und Problemlösen. Und die müssen bei allen Kindern gefördert werden."

Mit einem ganz einfachen Beispiel belegt Claudia Drews den Unterschied von Alltagssprache und mathematischer Sprache: "In der Mathematik bezeichnet eine gerade Zahl eine Zahleigenschaft, die ohne Rest durch 2 teilbar ist und in der Alltagssprache ist gerade das Gegenteil von schief. Diese Übersetzung zu leisten ist nicht nur für Kinder mit Sprachschwierigkeiten eine Herausforderung."

Ziel ist es, dass die Kinder am Ende der vierten Klasse über einen aktiven Wortschatz im Fach Mathematik verfügen, erklärt Claudia Drews den speziellen Ansatz des Mathematikbuchs. "Dafür stellen wir Satzstrukturen und Satzmuster zur Verfügung, die die Kinder dazu befähigen, sich auch mathematisch auszudrücken und mathematisch zu kommunizieren. Das wird im Laufe der vier Schuljahre ausgebaut und erweitert."

Dieses Mathematikbuch ist zwar besonders für Schulen geeignet, die von vielen Kindern mit Deutsch als Zweitsprache besucht werden. "Aber, in eins zwei drei werden alle drei Anforderungsniveaus durch ausgewählte Aufgabenformate angemessen berücksichtigt und durch den Einsatz der Differenzierungsmaterialien ist eine Differenzierung für rechenschwächere und rechenstarke Kinder möglich", so die Autorin. "Denn jedes Kind braucht Sprachförderung im Mathematikunterricht."

Ähnliches gilt für das Deutschbuch, meint Stefan Jeuk. Er unterstreicht, dass es an allen Grundschulen eingesetzt werden kann, da es die Bildungsstandards erfüllt. "Aber wir orientieren mit uns mit diesem Deutschlehrwerk eher an den Kindern, die noch Deutsch lernen müssen und daher etwas mehr Zeit benötigen, Differenzierungsmaterial nach ´oben` bieten wir natürlich an. Ich würde behaupten, die klassischen Schulbücher orientieren sich eher an der ´oberen` Leistungsgrenze und bieten Differenzierungsmaterial nach ´unten`. Wir haben das tendenziell gedreht."


Das der die das Deutsch-Lehrwerk für Grundschulkinder mit erhöhtem Sprachförderbedarf gibt es bislang für das erste und zweite Schuljahr. Die Materialien für das 3. und 4. Schuljahr sind in Vorbereitung.

Das eins zwei drei Mathematik-Lehrwerk für Grundschulkinder mit erhöhtem Sprachförderbedarf gibt es bislang für das erste Schuljahr. Materialien für das 2. und 3. Schuljahr sind in Vorbereitung.


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