Profilpapier Realschule: Landesregierung doppelzüngig
"Das Konzept, das in dem Profilpapier Realschule mit dem Untertitel "Chancen für viele" zu finden ist, belegt die Doppelzüngigkeit der Landesregierung in Bezug auf die Hauptschule. Die Landesregierung erklärt einerseits, sie wolle die Hauptschule stärken und ihr ein eigenes Profil geben, andererseits schreibt sie in dem neuen Profilpapier der Realschule alle Elemente zu, die bisher den Bildungsgang Hauptschule ausmachten", erklärt dazu der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann."
19.11.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRWIn dem Papier finden sich alle Elemente für eine gute und erfolgreiche Schulform der Sekundarstufe I, die allen Kindern offen steht:
- breite Allgemeinbildung
- Berufswahlvorbereitung einschließlich Praktika
- breit gefächerter Wahlpflichtbereich
- zusätzliches Kursangebot ab Klasse 9
- Möglichkeiten der Profilbildung der einzelnen Schule
In den Klassen 9 und 10 sollen die Jugendlichen in Gruppen eingeteilt und auf drei Anschlussmöglichkeiten vorbereitet werden:
- die duale Ausbildung
- den Besuch von vollzeitschulischen Bildungsgängen des Berufskollegs
- den Besuch der Sekundarstufe II eines Gymnasiums oder einer Gesamtschule
"Die Landesregierung gibt dieses Papier zu einem Zeitpunkt an die Presse, zu dem die Beratungen der Eltern der Viertklässler in den Grundschulen beginnen und die Grundschullehrerinnen ihre Empfehlungen für die weiterführenden Schulen aussprechen", so Beckmann. "Sie weiß genau, dass sie damit ein für Eltern erkennbares Profil des Bildungsgangs Hauptschule aufgegeben hat. Darauf hat der VBE die Verantwortlichen rechzeitig hingewiesen."
Eltern werden schnell erkennen, dass das in dem Papier beschriebene pädagogische Konzept gelungen ist und für die Kinder alle Bildungsoptionen offen hält. Da in dem Profilpapier betont wird, dass sich die Realschule künftig auch stärker dem gemeinsamen Unterricht und der Förderung von Migrantenkindern stellt, passt der Untertitel "Chancen für viele" nicht. Er müsste ehrlicherweise "Chancen für alle" lauten. Es dürfte der Landesregierung schwer fallen, konkrete Kriterien zu benennen, nach denen Kinder von dieser Schulform ausgeschlossen werden sollen.
Der VBE appelliert an die Fraktionen im Landtag, von der Landesregierung Antworten auf die folgenden Fragen einzufordern:
- Welche Kinder sollen aus welchen Gründen vom Besuch der hier beschriebenen Schule ausgeschlossen werden?
- Nach welchen Kriterien sollen Grundschullehrerinnen künftig entscheiden, ob sie ein Kind einer Haupt- oder Realschule zuweisen?
- Was soll aus der Hauptschule werden, deren frühere spezielle Kennzeichen mit diesem Papier der Realschule zugeschrieben werden?
- Bereitet die Landesregierung die Zweigliedrigkeit vor und will sie die Realschule zur alleinigen Säule neben dem Gymnasium machen?
Keine Kommentare vorhanden