Proteste junger Menschen ernst nehmen

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) stellt sich hinter die Forderungen der Bildungsstreikenden. "Der erneut aufflammende Protest junger Menschen gegen eine reformbedürftige Bildungspolitik zeigt, wie groß der Leidensdruck an Universitäten und Schulen ist", stellte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München fest. Er appellierte an die Bayerische Staatsregierung, "den Unmut der Heranwachsenden ernst zu nehmen und sie nicht mit Lippenbekenntnissen abzuspeisen." Die Schieflage des bayerischen Bildungssystems sei nicht mehr zu übersehen, wie der vor wenigen Tagen veröffentlichte Bildungsbericht Bayern 2009 erneut aufzeigt.

17.11.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Die Chancen junger Menschen hängen nach wie vor vom Einkommen der Eltern, vom Wohnort, vom Geschlecht und der ethnischen Herkunft ab. Obwohl dies längst bekannt ist, reagiert die Staatsregierung nicht angemessen darauf. Insgesamt haben sich die Lern- und Arbeitsbedingungen an bayerischen Schulen und Universitäten sogar so eklatant verschlechtert, dass Schüler und Studenten zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die Straße gehen oder ganze Hörsäle besetzen."

Wie bereits im Juni dieses Jahres solidarisiert sich der BLLV mit den Forderungen der Studierenden und der Schüler: "Wenn junge Menschen die Situation an den Schulen auf ihrer Homepage zum Bildungsstreik als "miserabel" bezeichnen, wenn sie im Schulbesuch eine "verhasste Pflichtveranstaltung" sehen, weil "soziale Selektion" und "wachsender Leistungsdruck" dominieren, wenn sich Schüler und Studenten mit Nachdruck ein anderes Bildungssystem wünschen und dafür innerhalb eines Jahres zweimal auf die Straße gehen, sollte dies die Politik als ernst zu nehmenden und wichtigen Auftrag verstehen", forderte der BLLV-Präsident.

In den vergangenen Tagen haben sich bereits auffallend viele Politiker/innen mit den Streikenden solidarisiert und Verständnis signalisiert. Wenzel: "Die Studierenden stoßen mit ihren Forderungen nach sozialer Öffnung der Hochschulen, der Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form, der Demokratisierung des Bildungssystems und verbesserten Lehr- und Lernbedingungen ganz offensichtlich auf hohe Zustimmung. Das ist bemerkenswert und zeigt, wie gravierend die Probleme und wie berechtigt die Forderungen der Protestierenden offensichtlich sind." Verständnis und Zustimmung reichten aber nicht. "Den Worten müssen Taten folgen", verlangte der BLLV-Präsident. "Vor allem aber dürfen wirtschaftliche Krisenzeiten nicht dazu führen, noch weniger Finanzmittel in Bildung zu investieren."

Im Mittelpunkt müsse ganz grundsätzlich wieder das Studium stehen und nicht die Bewältigung sinnloser Formalien und Bürokratismen, die Zeit und Nerven kosteten. Als besonders belastend wird die hohe Prüfungsdichte empfunden. "Viele Studierende leiden an psychischen Problemen und die Beratungsstellen der Universitäten haben einen nie gekannten Zulauf."

Wenzel verwies auf die besonders schwierige Situation der Lehramtsstudierenden: "Zu den generell schlechten Rahmenbedingungen ihres Studiums kommt noch hinzu, dass die Lehrerbildung an vielen Hochschulen gerade noch geduldet wird und sich die Studierenden oftmals wie das fünfte Rad am Wagen fühlen. Es ist leider eine Tatsache, dass viele Universitätspräsidenten die Bedeutung der Lehrerbildung an ihrer Universität unterschätzen bzw. nicht erkennen und sie entsprechend stiefmütterlich behandeln." Dass es auch anders geht, verdeutlichte Wenzel am Beispiel der TU München. Präsident Wolfgang Herrmann habe die Lehrerbildung an seiner Universität zur Chefsache erklärt und erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen für diesen Bereich zur Verfügung gestellt. Der BLLV fordert, dass die in der Lehrerbildung tätigen Dozenten anderer Universitäten ähnlich gute Arbeitsbedingungen erhalten und sich dadurch auch die Situation für die Studierenden verbessert.


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