Prüfungen: Mit GAP auf dem richtigen Weg

Das Prüfungswesen im Bereich der dualen Berufsausbildung verändert sich tiefgreifend. Neue Prüfungskonzepte und -methoden kommen verstärkt zum Einsatz, um die berufliche Handlungskompetenz von Prüfungsteilnehmern und -teilnehmerinnen sichtbarer und messbarer zu machen. "Abschlussprüfungen", so Prof. Dr. Reinhold Weiß, stellvertretender Präsident und Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf einer internationalen Fachtagung in Bonn, "sind ein Indikator für die Qualität von Ausbildung." Auf Einladung des BIBB diskutierten rund 100 Experten und Expertinnen aus Wissenschaft, Forschung, Politik, Sozialpartnerverbänden und der betrieblichen Praxis über innovative Prüfungs- und Bewertungsverfahren sowie die neuesten Erkenntnisse, Trends und Entwicklungen.

21.07.2006 Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Wie können Innovationen im Prüfungswesen praktisch umgesetzt werden, um die im Laufe der Ausbildung erworbene berufliche Handlungsfähigkeit der Auszubildenden kompetent erfasssen und bewerten zu können? Mit der auf der Tagung eingehend diskutierten "Gestreckten Abschlussprüfung" (GAP) liegt seit 2002 ein erprobtes Modell für eine innovative Neuregelung vor. Dabei ersetzt Teil 1 der GAP die bisherige Zwischenprüfung, deren Ergebnis nicht auf die Abschlussprüfung angerechnet wurde. Teil 1 der GAP fließt mit 20 bis 40 % in das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung ein.

Erste Evaluationsergebnisse in fünf Produktions- und Laborberufen der chemischen Industrie sowie zwei Metallberufen im Handwerk zeigen, dass sich das Modell der "Gestreckten Abschlussprüfung" bewährt hat. Allerdings, so das Ergebnis der Workshop-Beratungen, bedarf es noch weiterer Verbesserungen zum Beispiel in Bezug auf die Abstimmung zwischen den beiden Lernorten Betrieb und Berufsschule.

"Nationale Bildungsstandards, Kompetenzmodelle und deren Überprüfung" werden zurzeit für den allgemein bildenden Bereich intensiv diskutiert. Die Experten und Expertinnen waren sich einig, dass dieses an Lernergebnissen (output) orientierte Konzept grundsätzlich auch auf den Bereich der beruflichen Bildung anwendbar ist. Es muss aber dahingehend überprüft werden, welche Standards und strukturellen Merkmale in der beruflichen Bildung bereits etabliert sind, um eine sinnvolle Verknüpfung zu gewährleisten.

Beim Thema "Kompetenzentwicklung" stand die Frage im Mittelpunkt, wie Bewertungsverfahren konzipiert sein müssen, um die in informellen Lernkontexten erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen mit einzubeziehen. In Deutschland mit seiner starken Ausrichtung auf formalisierte Bildungswege fehlt es derzeit an durchgängigen Verfahren und einer entsprechenden "Anerkennungskultur". Vorgestellt wurde ein integratives Konzept aus der Schweiz, welches auf ein individuelles Kompetenz-Management ausgerichtet ist und damit die Voraussetzungen für die Anerkennung von Lernleistungen aus allen Lebensbereichen schafft. Damit leistet dieses "Best-Practice-Modell" einen konkreten Beitrag zur Gleichwertigkeit von informell und formal erworbenen Kompetenzen. Der Blick über die Landesgrenzen hinweg wurde durch weitere Erfahrungsberichte und innovative Ansätze aus Frankreich und den Niederlanden komplettiert.

In der Diskussion um Kompetenzen und ihre Bewertung in der Aus- und Weiterbildung wird es, so das Fazit der Beratungen, für Deutschland eine bedeutsame Forschungs- und Entwicklungsaufgabe sein, die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern systematisch für das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem zu nutzen - und einen wechselseitigen Lernprozess zu initiieren und aktiv zu gestalten.

Eine Dokumentation der Fachtagung "Innovative Prüfungs- und Bewertungsverfahren in der Berufsbildung" finden Sie auf der BIBB-Homepage unter unter www.bibb.de/de/26305.htm

Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilt:
Daniel Schreiber, Tel.: 0228 / 107-1622

Barbara Lorig, Tel.: 0228 / 1720


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