Radierer sind der Renner

Das hat René, Schüler an der Grundschule Hannover Marienwerder, schnell und ganz pragmatisch erkannt: "Wenn man mal für die Schule etwas nicht hat, dann kann man sich gleich in der Pause im Schülerladen was kaufen." So sein eindeutig positives Urteil über den "Schülerladen" der Grundschule Marienwerder, der in Hannover im November 2003 startete.

29.03.2005 Artikel

Dass Kinder täglich in den unterschiedlichsten Bereichen am Wirtschaftsleben teilnehmen, das ist allgemein bekannt. Dass trotzdem eine ökonomische Bildung in den Lehrplänen der ersten Schuljahre so gut wie nicht vorgesehen ist, das haben die Initiatoren des Schülerladens Marienwerder zum Anlass genommen, hier für Änderungen zu sorgen. Gemeinsam haben der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hannover, die Grundschule Mareinwerder und die Pelikan Vertriebsgesellschaft, Hannover, ein Konzept entwickelt, das seit eineinhalb Jahren in Form des Schülerladens floriert.

An der Grundschule Marienwerder in Hannover betreiben die Schüler ihren Laden selbst. Sie sorgen für den Einkauf, kontrollieren den Wareneingang und verkaufen in jeder ersten großen Pause Produkte, die man im Schulalltag benötigt. Sie führen die Bücher, kümmern sich um die schulinterne Werbung und alles, was in diesem Zusammenhang wichtig ist.

Kunstunterricht und Ökonomie

Solcherart kaufmännisches Tun wird konsequenterweise Gegenstand im Unterricht, etwa bei Kunstlehrer Maiko Kahler: "Es macht einfach Freude, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern für die Schaufenster-Dekoration kreative Ideen zu entwickeln." Dass Kreativität und Fingerfertigkeit auch unmittelbar zu geschäftlichem Erfolg führen können, das erlebten die Schüler auch mit ihren selbstgefertigten Sammelmappen. Konzeption und Fertigung vom Schneiden über das Falzen bis hin zur Beschriftung waren Gegenstand eines Planspieles im Unterricht und schließlich die Grundlage für einen wirtschaftlichen Erfolg im Schülerladen.

"Sponsored by Schülerladen"

Inzwischen ist der Schülerladen eine feste Einrichtung geworden, die von Eltern und Schülern gleichermaßen genutzt wird. Der Gewinn dieses Geschäfts kommt dem Förderverein der Grundschule Marienwerder und damit auch wieder den Kindern zu Gute. So wurde vom Erlös des Ladens für die Pausenhalle ein professioneller Tischfußballautomat angeschafft und auch die Kletterwand in der Turnhalle ist "Sponsored by Schülerladen".

Eltern machen mit

Komplexes Lernen in Form eines erfolgreichen Geschäftsbetriebs des Schülerladens sehen auch die Eltern positiv. Herr Stichweh, der Vorsitzende der Elternvertretung: "Dass sich die Schüler mit allen Belangen des Geschäftslebens beschäftigen müssen, wenn auch im kleinen Rahmen, ist aus Elternsicht positiv zu bewerten, da es heutzutage nicht früh genug losgehen kann."

Bundesweites Modell

Dass die Initiatoren mit diesem erfolgreichen Projekt Schule machen wollen, liegt auf der Hand. Während der didacta 2005 in Stuttgart stellte Pelikan das Projekt "Schülerladen" erstmals der bundesweiten Öffentlichkeit vor. "Wir wollen unsere Erfahrungen weitergeben - von der einjährigen Planungsphase bis zum laufenden Geschäftsbetrieb - und Grundschulen in ganz Deutschland zum Nachahmen anregen", erklärte Pelikan-Pressesprecher Horst Burghard gegenüber bildungsklick.de.

Qualitässicherung und Nachhaltigkeit

Für Qualitässicherung und Nachhaltigkeit im Projekt sorgten von Anfang an Wissenschaftler der Universität Hannover. "Der Schülerladen ist aus wissenschaftlicher Sicht eine außergewöhnliche Möglichkeit, Lehre, Forschung und Entwicklung effektiv miteinander zu verbinden", so Frau Dr. Meike Wulfmeyer vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hannover.

Schon 2003 haben Studierende des Fachs "Sachunterricht" die Vorbereitung und Durchführung dieses Schülerladens begleitet. Dabei wurden zahlreiche Seminararbeiten und Fachpraktika zum Wirtschaftslernen in der Primarstufe für die kommende Pädagogen-Generation angeboten. Themen wie die Geschichte und Funktion des Geldes, Aufgaben und Funktionen von Geldinstituten, Bedeutung von Taschengeld, die Funktion des Handels und das Thema Werbung wurden in den Klassen 1 bis 4 als sogenannte Lernmodule zur Vorbereitung der Schüler von den Studenten unterrichtet. Zur wissenschaftlichen Überprüfung wird das Projekt evaluiert, um den Lernerfolg gegenüber Kindern, die mit einem derartigen Projekt nicht in Berührung gekommen sind, zu ermitteln. Alle diese Ergebnisse werden in die Unterrichtsmaterialien zum Projekt Schülerladen einfließen. Diese Materialien werden am Ende dieses Jahres verfügbar sein und können damit eine verlässliche pädagogische Grundlage für weitere Projekte dieser Art sein.

Ohne Unterstützung durch die Pelikan wäre ein Projekt dieser Tragweite nicht denkbar gewesen, gleichwohl ist auch hier wirtschaftliche Macht an ihre Grenzen gestoßen, denn das Warenangebot im Laden bestimmen die Schülerinnen und Schüler und die fühlen sich nun mal dem Markt verpflichtet und nicht dem Sponsor. So ist der Renner im Laden der Radierer einer anderen Marke. Unter dem Motto "Wie Kinder Wirtschaft machen" verbucht die Pelikan auch diese Erfahrung als Erfolg der Konzeption und setzt auf bundesweite Nachahmer des Schülerladens Mareinwerder.


Weiterführende Links

  • Grundschule Marienwerder
  • Pelikan

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