Radikale Reform der Lehrerausbildung gefordert

(bikl.de) "Wir versuchen heute Kinder des 21. Jahrhunderts von Lehrern mit einem Aubildungsstand des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem zu unterrichten, das im 19. Jahrhundert konzipiert wurde", kritisiert der Leiter der PISA-Studien, Andreas Schleicher, in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) von heute.

24.07.2007 Artikel
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Der Lehrerberuf dürfe Attraktivität und Ansehen nicht allein aus dem Beamtenstatus beziehen, sondern müsse "auf Kreativität, Innovation und Verantwortung" bauen, forderte der OECD-Forscher. Dies mache allerdings ein "radikales Umdenken in der Organisation von Schule" notwendig. Diese müssten selbst die Verantwortung für ihre Ergebnisse übernehmen und nicht durch Aussieben auf andere Schulformen abwälzen. Das sei allerdings nur möglich mit einer hoch qualifizierten und motivierten Lehrerschaft, die ein Arbeitsumfeld mit einem professionellen Management brauche. Interne Kooperation, Selbstevaluation – etwa im Bereich der strategischen Planungen – und Qualitätsmanagement seien hier die Kriterien. Auch dem Dialog nach außen, vor allem mit den Eltern, schenke der derzeitige Schulbetrieb zu wenig Beachtung.

Der derzeitigen Lehrerausbildung, so Schleicher, mangele es vor allem an Praxisbezug. Anders als in erfolgreicheren Bildungssystemen, wo pädagogische Elemente häufig eine wichtigere Rolle spielen und schon am Anfang der Lehrerausbildung stehen, werde die Pädagogik in Deutschland "auf eine Fachausbildung obendrauf gesetzt."

Von einer Reform der Lehrerausbildung profitierten aber nicht nur die Lehrer und ihr Berufsbild, sondern letztlich die Kinder. Denn moderner Unterricht zeichne sich dadurch aus, dass die Lehr- und Lernformen wirklich auf den einzelnen Schüler zugeschnitten seien. Schleicher: "In Deutschland steht zu oft noch der fragen-entwickelnde Unterricht im Vordergrund, bei dem Schüler im Gleichschritt vorgefertigtes Wissen lernen."


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