Realschule plus: Akzeptanz schaffen!
Nach wie vor sieht der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) die vom Bildungsministerium geplante Schulreform als "schwer verdauliche Kost" an. Schließlich fallen dieser Reform viele erfolgreiche und anerkannte Realschulen und Hauptschulen zum Opfer, die nicht nach dem "Rasenmäher" gerufen hatten.
12.08.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Verband Reale BildungIm Interesse der Schülerinnen und Schüler sind die Realschullehrerinnen und Realschullehrer dennoch bereit, sich auch in neue Schulformen engagiert einzubringen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Gesetzesnovelle und die schulrechtlichen Folgeregelungen weiterhin leistungsorientierte Systeme garantieren, die den Absolventen Erfolgschancen eröffnen. "Für die Schaffung der Akzeptanz der Strukturreform durch Lehrkräfte, Eltern und Öffentlichkeit bedarf es noch sichtbarer Taten der Landesregierung", mahnt der VDR-Landesvorsitzende Bernd Karst.
An erster Stelle steht dabei die Einrichtung der Fachoberschule an allen Realschulen plus, bei denen die erforderliche Zahl von Interessenten vor¬handen ist. Eine klare Berufsbezogenheit der Realschule plus ist für alle ihre Bildungsgänge – von der Berufsreife bis zur Hochschulreife – sicher zu stellen. Erreichbar ist dies durch neue Praxisformen und einen Ausbau der Wahlpflichtfächer. Darüber hinaus muss die Lehrerversorgung deutlich verbessert werden, damit eine wirkungsvolle individuelle Förderung möglich wird. Dazu gehören effiziente Investitionen in die schulischen Unterstützungssysteme Schulpsychologie, Schulsozialarbeit und Lehrerfortbildung.
Außerdem kann es nicht den Trägern allein überlassen werden, ob sie eine kooperative oder integrative Realschule plus oder eine IGS einführen wollen. Vielmehr muss den Schulen ein verstärktes Mitspracherecht bei der Entscheidung eingeräumt werden. Wird gegen den Willen der Lehrerschaft entschieden, wird eine Schule kaum erfolgreich arbeiten.
Der VDR unterstützt den Vorstoß der Kammern, einen Hochschulzugang auch nach einem besonders qualifizierten Lehrabschluss zu ermöglichen. Für ein tatsächlich erfolgreiches Studium ist allerdings eine zusätzliche schulische Lehrzeitbegleitung unabdingbar, die die Realschule plus in Kooperation mit der berufsbildenden Schule anbieten kann. Die neue Schulart Realschule plus unterstreicht damit ihre Aufstiegsorientierung und bietet ein zusätzliches Plus.
Dass die Regierung in der Frage der Schulträgerschaft zurückrudern musste, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Eine Schulreform des Bildungsministeriums mit Verwaltungsreformansätzen des Innen-ministeriums zu koppeln, war von vornherein ein windiges Unterfangen. Es ist ärgerlich, dass damit neue Unsicherheiten bei der weiteren Planung geschaffen werden.
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