Rede von Bildungsminister Tesch anlässlich des Festaktes zum Weltlehrertag im Goethe-Gymnasium in Schwerin
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Schülerinnen und Schüler, und vor allem liebe Kolleginnen und Kollegen, der heutige Tag und speziell diese Veranstaltung ist den Lehrern gewidmet. Ihre Arbeit soll gewürdigt werden. Ihnen soll gedankt werden für all das, was Sie so häufig klaglos erledigen und was in der Öffentlichkeit oft nicht so recht wahrgenommen wird.
05.10.2007 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-VorpommernDer Weltlehrertag findet auf der ganzen Welt jedes Jahr am 5. Oktober statt. Er geht zurück auf einen Beschluss von UNESCO, der International Labour Organization sowie der Education International, der Weltvereinigung der Lehrergewerkschaften. Erstmalig fand er am 5. Oktober 1994 statt.
Dieser Tag ist für die internationale Lehrerbewegung insofern ein herausragendes Datum. Vor genau 41 Jahren wurde von der UNESCO und der International Labour Organization die "Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer" angenommen. Damit war es zum ersten Mal gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrerberufs in der Gesellschaft und die Verantwortung der Politik zur Sicherung notwendiger Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer zu fixieren.
Es ist mir wichtig, dass wir diesen Tag in einem besonderen Maße würdigen.
Ich freue mich, dass wir dies hier in der Aula des Goethe-Gymnasiums Schwerin tun. Zugleich bin ich sicher, dass das angekündigte Programm der Schülerinnen und Schüler hierzu einen festlichen Rahmen bildet.
Tage wie diese sind Gelegenheit für eine Standortbestimmung, für Besinnung, aber auch für Perspektiven und Visionen.
Insofern ist es folgerichtig, dass die Berufsinteressenvertretungen dies nutzen, um auf ihre Ziele, Programme und Probleme aufmerksam zu machen. Dazu gibt es ausreichende Gründe.
Ein erster Grund ist:
Der Beruf des Lehrers in der Wissensgesellschaft braucht eine neue inhaltliche Definition.
Wachsende gesellschaftliche Ansprüche und Stichworte wie umfassende Kompetenzen der Lernenden sowie lebenslanges Lernen machen dies deutlich. Neue Aufgaben wurden zunächst unbemerkt zugewiesen. Statt ausschließlich Lehrender ist der Lehrer heute Coach, Motivationstrainer, Sozialpädagoge, zunehmend auch Berater, Manager und Organisator.
Ein zweiter Grund ist:
Eine Eingrenzung des Begriffs auf die Arbeit in Klasse 1 bis 12 und die berufliche Bildung ist nicht mehr zeitgemäß. Andere Länder haben dies bereits früher erkannt und handeln danach.
Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Forderung nach "Bildung von Anfang an" sowie die anwachsende gesellschaftliche Diskussion hierzu machen deutlich, dass auch in unserem Land umgedacht werden muss.
Wir brauchen, um die Aufgaben in diesem Feld zu bewältigen, ein neues Berufsverständnis und Berufsbild. Das, was der Erzieher in diesem Bereich leistet, geht längst über die sozialpädagogische Profession hinaus. Es ist im besten Sinne des Wortes die Arbeit eines Vorschulpädagogen.
Ein dritter wesentlicher Grund ist:
Die Vorschulpädagogen und Lehrer sind wie keine andere Berufsgruppe gefordert, frühzeitige Antworten auf rasante gesellschaftliche Entwicklungen zu finden. Sie sind Teamplayer und wie keine andere Berufsgruppe darauf angewiesen, umfassend zu kooperieren.
Selbstverständlich ist dabei das Prinzip der Interdisziplinarität. Es umfasst die Vernetzung aller beteiligten Unterstützungssysteme und involvierten Personen. Nicht nur der Bereich der vorschulischen Bildung und Erziehung an sich, sondern insbesondere auch die persönlichen und familiären Rahmenbedingungen gestalten sich zu komplex und vielschichtig, um von einem Experten allein hinreichend bewältigt werden zu können.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Veränderung braucht nicht nur Motivation, sondern auch eine starke Interessenvertretung, das heißt, starke Gewerkschaften und Lehrerverbände.
Wir haben gemeinsam die bestehenden Herausforderungen angenommen.
Starke Lehrerverbände und Gewerkschaften sind als kompetente und pragmatische Gesprächs- und Verhandlungspartner unverzichtbar. Sie sind wichtig, um bei komplizierter werdenden Sachverhalten optimale, kompromissorientierte Lösungen zu erhalten.
Sie alle kennen die vor uns liegenden Aufgaben, die zugleich Schwerpunkte der Arbeit meines Hauses sind. Sie sind klar orientiert an der Bildungsbiografie junger Menschen und ausgerichtet an den Anforderungen der Wissensgesellschaft.
Mein erster Schwerpunkt ist deshalb die Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung.
Hier geht es um verschiedene Punkte.
Bereits zum Schuljahr 2008/2009 wird der neue Rahmenplan für die Bildungsarbeit in Kindertagesstätten eingeführt werden. Diesem Rahmenplan soll eine ganzheitliche Konzeption frühkindlicher Bildung zugrunde liegen. Wir werden uns nicht nur über die Inhalte, sondern auch über den Prozess der Einführung dieses Planes verständigen müssen. Wichtig ist mir dabei nicht nur die Frage, ob das Schuljahr 2008/2009 zunächst ein Erprobungsjahr sein wird. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage einer guten Vorbereitung auf die sich verändernden Anforderungen der pädagogischen Arbeit in den Kindertagesstätten.
Ein zweiter Punkt ist eine Fortbildungsoffensive für das Jahr 2008. Im Umfang von 1 Million Euro sollen den rund 7.000 Fachkräften Fortbildungsmaßnahmen, die auf die neuen beruflichen Herausforderungen vorbereiten, zur Verfügung gestellt werden. Auch hierüber wird zu reden sein.
Ein dritter mir ganz besonders wichtiger Punkt ist die Verbesserung der pädagogischen Bedingungen für die unmittelbare Vorbereitung auf den Übergang zur Schule. Im Klartext bedeutet dies, ich werde mich dafür einsetzen, dass die Erzieherinnen, die eine Vorschulgruppe leiten, eine zusätzliche gruppenfreie Zeitstunde für diese Arbeit bekommen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dies ist ein Anfang für die Verbesserung der frühkindlichen Bildung. Er bedeutet jedoch auch, dass wir hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Mittel umsteuern werden.
Die Landesregierung verfolgt hierbei zwei wichtige Ziele:
- zum einen die Weiterentwicklung frühkindlicher Bildungsangebote (auf die ich eingegangen bin)
- zum anderen die Sicherung des Zugangs aller Kinder zu diesen.
Beide Ziele sind im Sinne der Chancengerechtigkeit untrennbar. Sie bedeuten, dass wir insgesamt mehr Geld für die Kindertagesstätten verausgaben werden.
Aber dieses Geld wird zielgenau einzusetzen sein.
Hinsichtlich der Ausgaben für die vorschulische Bildung heißt dies, wir investieren in die pädagogische Arbeit. Damit beenden wir notwendigerweise die sehr offene Gestaltung der Ausgaben in diesem Bereich.
Die seit 2004 ausgereichten Pauschalen für die Kinder im Vorschuljahr haben ihren Zweck, die Ausstattung der Einrichtungen grundlegend zu verbessern, erreicht. Sie werden künftig verringert. Dies erfolgt zugunsten der genannten Maßnahmen für die Arbeit der Vorschulpädagogen und zugunsten der Sicherung des Zugangs der Kinder zu den Angeboten. Das Geld bleibt also im System. Es sichert Qualität und letztlich auch Arbeitsplätze.
Es gibt also keinen Schweriner Sparplan wie ihn, basierend auf den Aussagen der Linkspartei, der Nordkurier heute offeriert.
Statt dessen stehen Mehrausgaben von Bund und Land auf dem Plan - und wie beschrieben, Veränderungen im System.
Sehr geehrte Damen und Herren,
noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat die frühkindliche Bildung eine solche Aufmerksamkeit gehabt.
Das 4 Milliarden-Programm der Bundesfamilienministerin ist auch ein Aufbauprogramm für die alten Länder.
Auch dort wird eine große Nachfrage an gut ausgebildeten Erziehern entstehen. Wir werden deshalb gemeinsam darauf zu achten haben, dass die Arbeitsbedingungen und Vergütungen der Fachkräfte tariflichen Entwicklungen standhalten. Jede andere Strategie führt zu einer Abwanderung der Fachkräfte.
Wir werden auch dafür zu sorgen haben, dass die Ausbildung endlich diesem spezialisierten und im hohen Maße anspruchsvollem Arbeitsfeld gerecht wird.
Hierfür gibt es bereits sehr umfassende Ansätze, so zum Beispiel den Studiengang "Early education" und Überlegungen zu einer umfassenden Reform der beruflichen Ausbildung. Ich lade Sie ausdrücklich ein, sich an diesen Veränderungen zu beteiligen.
Liebe Gäste,
das, was für die Fachkräfte der frühkindlichen Bildung gilt, trifft auch für Lehrer an allgemein bildenden und beruflichen Schulen zu.
Die Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit in diesen Schularten ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit meines Hauses.
Die Grundaufgabe von Lehrern hat sich nicht gewandelt: Sie sind Experten für Unterricht und Erziehung. Geändert haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen und der schulische Auftrag, der weiter gefasst ist. In "Fördern und Fordern - eine Herausforderung für Bildungspolitik, Eltern, Schule und Lehrkräfte", einer gemeinsamen Erklärung der Bildungs- und Lehrergewerkschaften und der Kultusministerkonferenz, werden Elemente eines sich ändernden Bildes vom Lehrerberuf benannt. Demnach ist das Berufsbild u. a. gekennzeichnet durch:
- das frühzeitige Erkennen individueller Stärken und Schwächen der Schüler und die Entwicklung individueller Förderpläne;
- den professionellen Umgang mit zunehmender Heterogenität von Lerngruppen;
- die Arbeit eines Netzwerkes in der Schule und ihres Umfeldes, um unterschiedliches Expertenwissen für Unterricht und Erziehung zusammenzuführen;
- ein verändertes Zeitmanagement, die kollegiale Kooperation und die Teilhabe an der schulischen Gesamtentwicklung;
- die Bereitschaft, sich den Anforderungen eines lebenslangen Lernprozesses zu stellen.
Die Lehrerausbildung in unserem Land muss auch diese Aspekte berücksichtigen, weil sie im Schulalltag immer relevanter werden. Diagnostik, individuelle Förderung, Reichtum an methodischen Inszenierungstechniken und vor allem das Setzen auf Team-Arbeit, all dies gehört dazu. Diese Akzente sollen auch verstärkt in Fortbildungen zum Tragen kommen. Hier sollen die Lehrer gezielt unterstützt werden. Im Rahmen einer vierjährigen Maßnahme soll ein zusätzliches Unterrichtsberatungssystem etabliert werden, um den heutigen Anforderungen an Schule und Unterricht gerecht zu werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte setzen da an, wo konkreter Unterstützungsbedarf auch nötig ist: Bei der Arbeit im Team, bei der individuellen Förderung, beim Konfliktmanagement.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
das große Thema der kommenden Jahre ist die Qualitätsentwicklung in allen Bildungsbereichen.
Für die Schule gilt, dass diese nur möglich ist, wenn es gelingt, die vorhandenen Resssourcen besser zu nutzen.
Hierzu bedarf es:
- des Abbaus von Bürokratie und
- der Stärkung der Entscheidungskompetenz der Lehrer und Schulleitungen.
Kurz - es geht um die Selbstständigere Schule.
Unsere Konzepte sind fertig.
Ich habe sie vor einer Stunde den Schulräten unseres Landes vorgestellt. Am Montag solllen sie in allen Schulen sein.
Ich lade alle Lehrerinnen und Lehrer und deren Interessenvertretungen ein, über diese Entwürfe zu diskutieren.
Vor uns liegen erhebliche Anstrengungen. Aber sie lohnen sich. Hinzu kommt, dass wir im Jahr 2011 auch für die Schulartgruppe 2 wieder einen wachsenden Beschäftigungsumfang erreichen werden. Damit werden wir, wie bereits jetzt im Grundschulbereich, wieder auf die Vollbeschäftigung zugehen.
Liebe Gäste,
der Beruf des Lehrers wird in der Wissensgesellschaft zu einem der wichtigsten Berufe. Schon jetzt zeigen einschlägige Umfragen, dass das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Profession wächst. Ärzte und Lehrer werden hinsichtlich der Anerkennung ihrer Arbeit am häufigsten genannt.
Unsere klaren Ziele, Mut und Selbstbewusstsein, sind die Garantie, dass wir die Aufgaben der Zukunft lösen werden.
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