Regierungserklärung weckt große Erwartungen

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat in der Regierungserklärung von Ministerpräsident Günther Beckstein "positive Ansätze" erkannt: "Dass in der Regierungserklärung Fragen der Bildung einen sehr großen Raum eingenommen haben, ist anerkennenswert. Für Beckstein sind Bildungsausgaben Investitionen in die Zukunft und keine überflüssigen Ausgaben - das ist positiv zu werten. Auch mit der Aussage, dass Bildungspolitik die Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts ist, stimmt der BLLV überein. Der BLLV erwartet aber, dass der Bildungshaushalt nachhaltig aufgestockt wird, um die ehrgeizigen Ziele des neuen Ministerpräsidenten auch tatsächlich umzusetzen."

15.11.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Insbesondere trifft das zu für den Ausbau der Hauptschule zu Ganztagsschulen, die Verlängerung der Mittagsbetreuung in Grundschulen bis 16 Uhr, die angekündigte Ausweitung der Beförderungsmöglichkeiten von Lehrern sowie die Bereitstellung von 25 Millionen für Sprachtrainer in Kindertagesstätten. Wenzel: "Der BLLV geht davon aus, dass unter Becksteins Führung Reformen reell finanziert werden. Sie müssen künftig solide kalkuliert werden und dürfen nicht zu weiteren Verschlechterungen der Lern- und Arbeitsbedingungen von Lehrern und Schülern führen. Bildung als Sozialpolitik ist nicht kostenneutral."

Wenzel bemängelte jedoch, dass Beckstein keine Antwort auf drängende schul- und bildungspolitische Fragen gegeben hat. So bleibt offen, wie in Bayern weite-re Schulschließungen zu verhindern sind und wie es mit der Hauptschule weitergehen soll." Unstrittig ist, dass gewachsene Schullandschaften nicht weiter zerstört werden dürfen, weil die Auswirkungen für die betroffenen Gemeinden katastrophal sind. Bürgermeister werden nicht tatenlos zusehen, wie der Verlust der Schulen ihre Gemeinden massiv schwächt. Wenzel bedauerte, dass die im bayerischen Schulsystem praktizierten Sortier- und Sitzenbleiberrituale bestehen bleiben, obwohl sie immense Kosten verursachen und bei jungen Menschen Resignation und Frust erzeugen. "Die Staatsregierung muss dafür Sorge tragen, dass möglichst alle Schulabgänger eine berufliche Perspektive haben und einen Ausbildungsplatz finden."

"Es gibt Erziehungsdefizite bei Kindern und Jugendlichen", erklärte Wenzel im Hinblick auf den von Beckstein festgestellten "Erziehungsnotstand". Positiv wertete es der BLLV-Präsident, dass Beckstein Eltern auffordert, bei der Erziehung vertrauensvoll mit Lehrern zusammenzuarbeiten und auch deren Autorität zu stützen.

"Mit Hilfe von Schullaufbahnberatern in Grundschulen wird der Auslesedruck nicht aus der Welt zu schaffen sein. Vielmehr wird das Übertrittszeugnis mit Schulempfehlung auch weiterhin dafür sorgen, dass die Grundschule ein Ort gnadenlosen Wettbewerbs unter Kindern bleibt. Die soziale Herkunft - mit anderen Worten der Geldbeutel der Eltern - wird weiterhin über die Schullaufbahn von zehnjährigen Kindern bestimmen." Die Kategorisierung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens von Grundschulkindern in den Buchstaben A bis D wird Grundschullehrer/innen weiterhin sinnlos beschäftigen und sie von der Unterrichtsvorbereitung abhalten. "Für den BLLV bleibt dieses Verfahren pädagogisch diskriminierend, empirisch nicht haltbar und rechtlich fragwürdig."

"Wenn, wie angekündigt, die Stofffülle an Gymnasien tatsächlich reduziert werden soll, ist auch das zu begrüßen", sagte Wenzel und erinnerte daran, dass es bis zum Abitur längst nicht alle schaffen: Der Bildungsbericht Bayern hält fest, dass pro Schuljahr rund 14. 200 Schüler das Gymnasium wieder verlassen müssen, 40% erreichen das Abitur nicht, 20% müssen eine Klasse wiederholen. Die von Beckstein erwähnten Maßnahmen zur Reduzierung des Unterrichtsausfalls sind nicht neu und aus Sicht des BLLV fragwürdig. "Hier wälzt die Staatsregierung ein großes Problem auf andere ab - in diesem Fall auf die Schulleiter/innen. Sie müssen nun nach Lehrern suchen, die es nicht gibt. Weil die Staatsregierung eine langfristige Analyse des Lehrerbedarfs verweigert, wird das Problem in wenigen Jahren katastrophale Ausmaße annehmen. Massive Unterrichtsausfälle an öffentlichen Schulen werden Alltag."


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden