Rheinland-Pfalz startet stark ins neue Schuljahr
Rekordzahlen bei Lehrkräften, faire Startchancen, Ausbau von Ganztagsangeboten, einheitliche Regeln für den Umgang mit Handys, Sport, ökonomische Bildung sowie neue digitale Lernangebote – zum Beginn des neuen Schuljahres hat Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig bildungspolitische Schwerpunkte des Schuljahres 2026/2027 vorgestellt.
06.08.2026 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz„Mit jedem Lernen packen Schülerinnen und Schüler ein Stück Wissen und Können in ihre persönliche Schatzkiste, die sie immer wieder neu oder weiter füllen und aus der sie ein Leben lang schöpfen können. Diese Schatzkiste werden wir auch im kommenden Schuljahr gemeinsam füllen und die Schülerinnen und Schüler so gut aufs Leben vorbereiten“, sagte die Ministerin.
Rekord bei Lehrkräften – alle Planstellen werden besetzt
Rheinland-Pfalz verzeichnet zum Schuljahresbeginn so viele Lehrkräfte wie noch nie: Rund 45.500 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an den 1.661 Schulen des Landes. Rund 940 Neueinstellungen wurden vorgenommen, darunter 225 zusätzliche Stellen. Besonders bemerkenswert: Alle Planstellen können im Laufe des Schuljahres erneut mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Im Grundschulbereich übersteigt die Zahl der Absolventinnen und Absolventen sogar die Zahl der verfügbaren Planstellen, sodass der Feuerwehrlehrer-Vertretungspool sukzessive wieder mit voll ausgebildeten Lehrkräften gefüllt werden kann. Wenige Stellen an allgemeinbildenden Schulen bleiben zum Schuljahresbeginn noch offen – die Ursachen dafür sind u.a. die unterschiedliche regionale Verteilung und Fächerkombinationen. Die Stellen werden im Laufe des Schuljahres besetzt.
„Gute Zahlen heute verpflichten uns, auch morgen gut aufgestellt zu sein“, sagte die Ministerin zu steigenden Zahlen in den Studienseminaren. Die Zahl der Anwärterinnen und Anwärter in den Studienseminaren ist um mehr als 100 auf über 2.500 gestiegen. Besonders erfreulich sei der Zuwachs bei den Lehrämtern an Realschulen plus und Berufsbildenden Schulen. Den rund 145 künftigen Realschul-plus-Lehrkräften, die zum zweiten Halbjahr ihre Ausbildung abschließen, werden direkt Planstellen oder befristete Beschäftigungsverhältnisse angeboten.
Faire Startchancen: Kein Kind zurücklassen
„Mehr Lehrkräfte, mehr Schulen, mehr Angebote – das alles entfaltet nur dann seinen vollen Wert, wenn wir kein Kind zurücklassen“, so Eiling-Hütig. Erstmals wurden in den Sommerferien Feriensprachkurse für Kinder angeboten, die in diesem Jahr eingeschult werden. Das Programm First Class wird auf 30 weitere Grundschulen ausgeweitet. Familiengrundschulzentren werden weiterfinanziert und sollen nach Möglichkeit ausgebaut werden. Das Startchancen-Programm geht in sein drittes Jahr und verzeichnet zunehmend mehr Projekte, Coachings und neue Angebote wie die nun beginnende Qualifizierungsreihe für die Schulaufsicht.
Ganztag: Jedes Kind in Rheinland-Pfalz kann einen Ganztagsplatz erhalten
„Startchancen entstehen nicht nur im Unterricht. Sport, Musik, kulturelle Bildung – das sind keine Extras, das ist Persönlichkeitsbildung“, sagte die Ministerin. Mit dem schrittweisen Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung ab dem 1. August erhalten immer mehr Kinder umfassende Förderung und Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 13 neue Schulen treten in diesem Schuljahr dem Kreis der Ganztagsschulen in Angebotsform bei. Damit verfügen rund 1.300 Schulen – 86 Prozent der allgemeinbildenden Schulen und über 90 Prozent der Grundschulen – über Ganztagsangebote. „Jedes Kind, das ein Ganztagsangebot nutzen möchte, kann das in Rheinland-Pfalz tun“, sagte Bildungsministerin Eiling-Hütig.
Keine private Handynutzung bis Klasse 10 – Schutz und Raum für persönliche Interaktion
Eine der zentralen bildungspolitischen Entscheidungen des Schuljahres ist das geplante Verbot der privaten Nutzung digitaler Endgeräte während der gesamten Schulbesuchszeit – einschließlich Pausen und Ganztagsangeboten – für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich Klasse 10. Mitgeführte Geräte müssen ausgeschaltet und nicht sichtbar verwahrt sein. Das Inkrafttreten ist für den 1. Februar 2027 vorgesehen, nach Anpassung der Schulordnungen. Ausnahmen – etwa für medizinische Belange – sind angedacht. „Wir nehmen damit sozialen Druck von jungen Menschen, immer erreichbar, immer online zu sein. Und wir schaffen Raum für das, was im späteren Leben zählt: das persönliche Gespräch, die unmittelbare Interaktion."
Schulsport stärken, Leistung ermöglichen
Daneben werde der Schulsport gestärkt: Beim Schulschwimmen kommen Kaiserslautern und Neustadt als neue Schulschwimmzentren hinzu; 62 weitere Schulklassen der dritten Jahrgangsstufe können damit schwimmen lernen. Im Bereich Schulsport werden das Netzwerk der Partnerschulen des Sports ausgebaut und eine Vereinbarung mit dem Landessportbund geschlossen, um Leistungssport besser mit Schule zu vereinbaren – mit flexiblen Freistellungen, Nachholmöglichkeiten und alternativen Leistungsnachweisen. Eiling-Hütig, selbst als Schülerin Leistungssportlerin, habe viel aus dem Sport gelernt: „Leistungsfreude, nicht Leistungsdruck – dieses Leistungsbild ist es, das ich für unsere Schülerinnen und Schüler möchte. Denn im Sport wie im Leben zählt, sich etwas zuzutrauen, anzupacken und auch nach Rückschlägen weiterzumachen.“
Digitale Bildung und KI: Kompetenz stärken, Lehrkräfte entlasten
30 weitere Schulen führen als Pilotschulen das Pflichtfach Informatik ein – insgesamt 58 Schulen nehmen damit teil. Mehr als 280 Lehrkräfte werden über einen eigenen Weiterbildungslehrgang und eine Qualifizierungsmaßnahme an der Universität Trier zu Informatiklehrkräften weitergebildet. Ab diesem Schuljahr steht Deutschlehrkräften der Klassen 5 und 6 zudem ein in Rheinland-Pfalz entwickelter KI-Assistent zur Verfügung. Er unterstützt bei der Erstellung von Lernaufgaben, der Unterrichtsplanung, Kompetenzrastern und der Differenzierung für unterschiedliche Lernstände. An weiterführenden Schulen wird zudem eine einheitliche Schulmanagement-Software eingeführt, die Stundenplanung, Vertretungsplanung, digitales Klassenbuch, Oberstufenkurswahl und Schulkalender in einer integrierten Lösung bündelt.
Ökonomische Bildung und Finanzkompetenzen
Schulen, Lehrkräfte und Lernende erhalten in diesem Schuljahr zusätzliche Unterstützung beim Gründen von Schülerunternehmen – mit einem Qualitätscheck für Schülerfirmen, spezifischen Lehrkräftefortbildungen und einer besseren Bündelung bestehender und neuer Angebote. „Wer früh lernt, Verantwortung für eigene Entscheidungen zu übernehmen, der ist besser vorbereitet auf das, was nach der Schule kommt“, so die Ministerin.
Neues Angebot an Berufsbildenden Schulen
An elf Berufsfachschulen im Land startet zudem der Schulversuch zu einer dualisierten Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistenz und erweitert somit die Möglichkeit für den Einstieg in die Arbeit mit den Kindern in den Kitas, der Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfe. „Viele und gut qualifizierte pädagogische Fachkräfte in unseren Kitas sind unser Ziel, damit alle Kinder von der Kita bis zum Ende der Schullaufbahn bestmöglich gefördert werden und ihr volles Potenzial entwickeln können. Genau das wollen wir in Kita und Schule leisten“, so Eiling-Hütig abschließend.
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