Roms Sprache wird immer beliebter

Die Römer haben an Baden-Württembergs Gymnasien Konjunktur. Das Unterrichtsfach Latein macht in der Unter- und Mittelstufe weiter an Boden gut. Im zurückliegenden Schuljahr begannen 2.582 Fünftklässler mit dem Lateinunterricht. Das waren 6,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Eingangsklasse baden-württembergischer Gymnasien. Vor sieben Jahren sah das Bild noch anders aus. Das Interesse an Latein war auf einen Tiefpunkt gesunken. 1997 machten sich knapp 700 Schülerinnen und Schüler weniger als heute mit der Sprache Caesars und Ciceros erstmals vertraut und damit lediglich 5,2 Prozent aller Fünftklässer.

31.08.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Das Kultusministerium führt die Aufwärtsentwicklung auf das im Schuljahr 1997/98 eingeführte "Biberacher Modell" zurück. Es ermöglicht den Gymnasien, ab der fünften Klasse Latein gemeinsam mit Englisch anzubieten. Das "Biberacher Modell", an dem mittlerweile fast 60 Gymnasien im Land teilnehmen, hat inzwischen in zahlreichen anderen Bundesländern und auch in Österreich Nachahmer gefunden. Im vergangenen Schuljahr begannen zudem erstmals über 10.000 Siebtklässler in den baden-württembergischen Gymnasien mit der Sprache der Römer. Auch in der neunten Klasse ver¬zeichnet Latein als dritte Fremdsprache ein leichtes Plus.

An insgesamt 35 Gymnasien im Land wird ab dieser Klassenstufe das Unterrichtsfach Latein zur Vorbereitung auf das "Latinum" angeboten, das zudem von etwa 1.800 Schülerinnen und Schüler über eine Arbeitsgemeinschaft angestrebt wird. Vor Begin der Kursphase beschäftigen sich damit etwa 40 Prozent aller Gymnasiasten mit der lateinischen Sprache und römischen Kultur. 18 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die in der Unter- und Mittelstufe Latein bereits gelernt haben, setzen den Lateinunterricht auch in der Oberstufe fort.

Kultusministerin Dr. Annette Schavan zeigte sich erfreut über den wachsenden Zuspruch für das Unterrichtsfach Latein. "In der Begegnung mit der Sprache der Römer und mit den Werten und Normen der Antike erfahren unsere Schüler Kontinuität und Wandel europäischen Denkens und Handelns. Zudem erleichtert der Einblick in die lateinische Sprache nicht nur das Erlernen weiterer Fremdsprachen, sondern fördert auch die Sprachreflexion und die Ausdrucksfähigkeit im Deutschen". Dass der internationale Dachverband der Altphilologen ("Euroclassica") vorwiegend auf der Grundlage der baden-württembergischen Lateinstandards ein "European Curriculum for Classics" für 12-jährige Schülerinnen und Schüler erarbeitet habe, belege darüber hinaus, "dass Baden-Württemberg beim Fach Latein international anerkannte Maßstäbe gesetzt hat", so Schavan. Die Erwartung, dass Latein seine Bedeutung für das Studium verlieren werde, habe sich im Übrigen als falsch erwiesen. Für die Hauptfächer in 16 Magister- und zehn Lehramtsstudiengängen sei der Nachweis von Lateinkenntnissen durch die Prüfungsordnungen nach wie vor vorgeschrieben. Dies gelte auch für das Examen in Theologie.


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