Schöner unterrichten
Bessere Beziehungen, weniger Störungen, besseres Einhalten der Klassenregeln, besseres lernen usw.: Mit Schülern zu sprechen, was sie schon besser machen, ist leichter und wirksamer statt über das, was sie falsch machen.
12.12.2025 Bundesweit Pressemeldung Christoph EichhornFallbeispiel: Dario hat die Klassenregel XY oft nicht eingehalten. Jetzt achtet eine Lehrerin gleich zu Beginn mit der neuen Klasse darauf, wann er es etwas besser macht, statt perfekt, denn das kann er noch nicht. Sie hat es beobachtet! Damit hat sie sich sehr große Chancen erarbeitet, nämlich:
- Dario Anerkennung geben, „Dario, toll, es ist dir gerade gelungen, XY einzuhalten, prima von dir!“ Das erleichtert es ihm, seine Lehrerin sympathisch zu finden und motiviert ihn, es besser zu machen.
- Auf Positives zurückkommen: Als sie am nächsten Tag Dario begrüßt, sagt sie sehr freundlich, „Dario war toll gestern, gell. Es ist dir gelungen, XY besser zu machen – war prima.
- Mit einer Würdigung intervenieren. Heute stört Dario aber wieder mit XY. Sie hat sich darauf vorbereitet, sehr gut! Sie lächelt ihm zu und sagt sehr freundlich „Dario, gestern hast du XY schon besser gemacht, war prima. Mach es bitte wieder so.“ Jetzt achtet sie darauf, ob er das befolgt. Er macht es. Jetzt hat sie sich wieder Chancen erarbeitet, ihre Beziehungen zu ihm zu verbessern und ihm zu helfen. Nämlich:
- Gleich Anerkennung geben. Z.B., „Dario, toll dass du unsere wichtige Abmachung XY gleich eingehal-ten hast, als ich dich darum gebeten habe!“ Viele Schüler die viel stören befolgen auch unsere Anweisungen kaum. Wenn wir ihnen aber Anerkennung geben, wenn sie eine Anweisung von uns einhalten, machen sie das öfters.
Am nächsten Tag wieder auf Positives zurückkommen, dass er die Anweisung prima eingehalten hat. - Ihn später darauf ansprechen und ihn fragen, ob das schwierig war, wie ihm das gelungen ist, welche Vorteile das für ihn hat, was ihm dabei hilft usw. Ziel: Ihm helfen, unsere Anweisungen zu befolgen (Details in Eichhorn, 2025).
Positives über Schüler notieren fördert die Beziehung zu ihnen: Denn negative Emotionen bleiben oft länger im Gedächtnis als positive, da sie mit einer stärkeren Aktivierung der Amygdala und einer intensiveren Speicherung im Gehirn verbunden sind (Birbrauer et.al. 2021). Wenn man positives über Schüler notiert, bleibt es stärker in unserem Gedächtnis. Das erleichtert uns, zu ihnen freundlich zu sein, was ihnen hilft, uns sympathisch zu finden.
Weiter lösungsorientiert vorgehen: Darios Lehrerin achtet weiter darauf, ob er XY wieder besser macht. Als das der Fall ist, gibt sie ihm wieder großzügig Anerkennung. Dann gibt sie ihm eine:
Einladungskarte (das kann man auch sagen).
Dario, es ist dir wieder gelungen, XY besser zu machen – das war toll! Du bist eingeladen !!! |
Prima, dass dir das gelungen ist. Das zeigt, dass du auf einem guten Weg bist, und dich verbessern kannst, gell. Wie hast du das geschafft? War es schwierig? Lass uns doch darüber sprechen, wie dir das gelungen ist. Ich bin schon gespannt und freue mich auf unser Treffen. Alles Gute und viele Grüsse …. |
Fast alle Schüler zeigen diese Karte ihren Eltern. Sie gefällt ihnen und sie freuen sich. Das erleichtert die Zusammenarbeit mit ihnen.
Das Gespräch mit Dario: Über Erfolge bzw. Verbesserungen sprechen statt über Fehler und Schwächen
Z.B. „Dario, gell du hast XY schon einige Male besser gemacht - toll. Ich möchte mich gerne mit dir darüber austauschen, wie dir das gelungen ist.” Z.B. auch sagen: “War das schwierig?” “Wie ist dir das gelungen?” „Welche Vorteile hat es für dich, wenn dir das weiter gelingt?“ Damit rechnen, dass er nicht alle Fragen beantworten kann und das dann übernehmen. Und mit ihm besprechen, was ihm dabei helfen kann, z.B. auch zusammen mit einer Fachperson usw.
Die Positive Self-Monitoring Tabelle anbieten: Gegen Ende des Gesprächs z.B., sagen: „Dario, schau mal bitte. Da habe ich was ganz Hilfreiches für dich. Hier kannst du nämlich eintragen, wenn es dir wieder gelingt, XY einzuhalten. Was hälst du davon?“
Die Positive Self-Monitoring Tabelle
Datum | Ich habe es geschafft, XY besser zu machen – toll!
| Das hat mir dabei geholfen |
Oder, z.B. bei älteren Schülern:
Datum | Ich habe es geschafft, XY besser zu machen – toll!
| Das hat mir dabei geholfen - prima! | Das bietet mir folgende Vorteile – super! |
Lösungsorientierung erleichtert die Zusammenarbeit mit Eltern deutlich:
Schritt 1: Darauf achten, was ihr Kind schon besser macht.
Schritt 2: Ihnen das mitteilen.
Schritt 3: Zuversicht ausdrücken: „Ich bin zuversichtlich, dass es ihm gelingt, es besser zu machen“.
Schritt 4: Mitteilen, dass wir ihm helfen möchten. Z.B. sagen, „Ich habe mir schon überlegt, wie ich Dario dabei helfen kann, es weiter besser zu machen.“
Schritt 5: Die Eltern als Experten ihres Kindes ansprechen. „Sie kennen Dario am besten und haben die meiste Erfahrung im Umgang mit ihm. Ich würde mich gerne mit Ihnen darüber austauschen, was ich mir überlegt habe, wie ich ihm helfen kann, es besser zu machen.“
Damit kommen Sie sogar mit Eltern ins Gespräch, die Ihre Vorgängerinnen beleidigten.
Eine Intervention, bzw. Anweisung einrichten, die er akzeptiert, statt dass sie ihn nervt.
Dann befolgt er sie besser: Z.B.: „Gell Dario, ich sage dir, um dir zu helfen, „bitte halte XY ein““. Z.B. nochmal die Vorteile, wenn er die Klassenregel einhält besprechen. „Gell, wenn die Klassenregeln eingehalten werden, bleibt es in der Klasse ruhiger und man kann besser lernen.“ (Ein wichtiger Aspekt beim Aufstellen der Klassenregeln, um sie attraktiv zu machen, Eichhorn, 2025 A). Und, „möchtest du, dass ich das anders mache. Gell ich möchte dich damit nicht ärgern, denn ich möchte, dass du dich in der Klasse gut fühlst!“ Wenn er „ja“ sagt, das mit ihm besprechen. Z.B. vorschlagen, „ich kann dir dann auch eine Karte zeigen?“ Wenn er das möchte, ihm anbieten, diese selbst zu machen.
Mit Lösungsorientierung lässt sich auch
- das Einhalten der Klassenregeln deutlich verbessern.
- Nach einer Sanktion lösungsorientiert vorgehen. Sanktionen sind auch sehr wichtig! Aber, nach einer Sanktion fühlen sich viele Schüler unverstanden, ungerecht behandelt, sind frustriert und wütend. Das Risiko weiterer Aggressionen steigt (Völker-Munro, 2023). Weitere Risiken: Er findet den Lehrer unsympathisch, stört oft, befolgt Anweisungen kaum mehr usw.. Unterrichten wird schwieriger.
Fallbeispiel: Roman war aggressiv und hat eine Sanktion erhalten. Jetzt war er die nächste Woche nicht aggressiv. Seine Lehrerin hat darauf geachtet. Jetzt sagt sie zu ihm z.B. beim Verabschieden: „Toll Roman, es ist dir diese Woche gelungen nicht mehr aggressiv zu sein – war das schwierig?“ Und „gell das hat Vorteile für dich – wie siehst du das?“ Wenn ihm nichts einfällt z.B., sagen, „gell, wenn dir das weiter gelingt vermeidest du weitere Sanktionen, gell, toll! Siehst du das auch so?“
Ihn in der nächsten Woche gleich freundlich begrüßen und auf Positives zurückkommen. Ihn später zu einem Lösungsgespräch einladen, z.B. zusammen mit einer Fachperson.
Viele weitere Details in: Eichhorn, C. (2025): Eskalation im Unterricht: Unterrichtsstörungen, Beleidigungen und Gewalt erfolgreich eingrenzen. Stuttgart, Klett-Cotta.
Literatur
- Bierbrauer, A., Fellner, M.-C., Heinen, R., Wolf, O. T., Axmacher, N. (2021): The memory trace of a stressful episode. Current Biology 31, 5204-5213.e8 (2021).
- Eichhorn (2025 A): Die neuen Klassenregeln: Der Leitfaden für einen besseren Unterricht. Klett-Cotta.
- Völker-Munro, N. (2023): Ungeheuer wütend – wie man seine Wut zähmen kann:
- https://www.hogrefe.com/de/thema/ungeheuer-wuetend-wie-man-seine-wut-zaehmen-kann?fbclid=
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