Schulausschuss des Landtages berät über neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung

In der letzten Sitzung des Schulausschusses des nordrhein-westfälischen Landtages in dieser Legislaturperiode steht am Mittwoch ein wichtiges bildungspolitisches Thema auf der Tagesordnung: Die Verabschiedung der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I (APO-S I). Hinter dem sperrigen Namen verbergen sich eine ganze Reihe von Regelungen, die für Schülerinnen und Schüler gelten, die im Sommer ins fünfte Schuljahr kommen. "Wir werden in den kommenden Jahren die Unterrichtszeit an allen Schulen Schritt für Schritt ausweiten. An den Gymnasien ermöglicht das dann eine Verkürzung der Schulzeit auf dem Weg zum Abitur, an den anderen Schulen bedeutet es vor allem bessere Fördermöglichkeiten und damit die Chance, mehr Jugendliche zu besseren oder höheren Abschlüssen zu bringen", betonte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer.

25.04.2005 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Mit der Verabschiedung des neuen Schulgesetzes im Januar hatte der Landtag in Düsseldorf unter anderem eine Verkürzung der Schulzeit zum Abitur beschlossen. Konkret bedeutet das: Kinder, die im Sommer auf das Gymnasium wechseln, werden im Normalfall nach acht Jahren das Abitur machen.

Da die Verkürzung der Schulzeit aber nicht bedeutet, dass ein Schuljahr ersatzlos wegfällt, wird der Unterricht in den anderen Klassenstufen in den kommenden Jahren schrittweise ausgeweitet. Und zwar nicht nur am Gymnasium, sondern an allen weiterführenden Schulen, das heißt auch an Gesamtschulen, Realschulen und Hauptschulen. "Das ist unser besonderer Weg in NRW, in den wir viel Geld investieren. Wir nehmen nicht nur die künftigen Abiturienten in den Blick, sondern alle Schüler, indem wir die Rahmenbedingungen für alle Schulen verbessern und für mehr Unterrichtszeit in den Klassen fünf bis zehn sorgen", betonte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer. Insgesamt seien für die schrittweise Ausweitung der Unterrichtszeit bis 2012 fast 4000 zusätzliche Lehrerstellen nötig, davon mehr als 1200 allein für die zusätzliche Unterrichtszeit an Hauptschulen und Realschulen. "Während andere sich darin überbieten, zusätzliche Lehrerstellen zu versprechen, schaffen wir Fakten", erklärte Schäfer. "Uns kommt es darauf an, Ungleiches auch ungleich zu fördern. Damit machen wir nun Ernst."

Wie die Ausweitung der Stundentafeln für die einzelnen Schulformen aussehen soll, ist in der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung geregelt. Hier einige der Details:

  • Die Zahl der Wochenstunden wird für alle Schulformen der Sekundarstufe I von derzeit 179 auf 188 angehoben. Das bedeutet: die Addition der Stundentafeln in den Klassen fünf bis zehn muss mindestens 188 ergeben.
  • Die Kinder, die im Sommer auf die weiterführenden Schulen wechseln, haben bereits seit zwei Jahren Englisch gelernt. Englisch wird daher verbindlich in allen Schulformen ab Klasse fünf fortgeführt.
  • Der Beginn des Unterrichts in einer zweiten Fremdsprache wird an Gymnasien, Gesamtschulen und Realschulen von Klasse sieben auf Klasse sechs vorgezogen.
  • Gymnasien, die bisher in der 5. Klasse mit einer anderen Fremdsprache als Englisch begonnen haben (z. B. Latein oder Französisch), können das auch künftig tun, müssen aber - in verringertem Umfang - ebenfalls von Beginn an Englisch unterrichten.
  • Die Schulen bekommen eine neue Form von Stundentafeln, in denen die Stundenzahl für die einzelnen Fächer verbindlich festgelegt ist, die genaue Verteilung auf die einzelnen Jahrgangsstufen aber nicht mehr zentral vorgeschrieben ist. Diese Kontingentstundentafeln legen also nur fest, wie viel Unterricht über mehrere Jahre hinweg in den einzelnen Fächern erteilen werden muss. Dabei werden weiterhin die Klassen fünf und sechs als Erprobungsstufe zusammen betrachtet, um einen möglichen Schulwechsel zu erleichtern. Die zweite Gruppe bilden die Klassen 7 bis 10. Wichtig dabei ist, dass gleichzeitig in den Lehrplänen verbindliche Standards für die Klassenstufen definiert sind.
  • Mit der Ausweitung der Unterrichtszeit geht insbesondere an den Hauptschulen und Realschulen keine Ausweitung des Unterrichtsstoffes einher. Die zusätzliche Unterrichtszeit bietet daher die Grundlage für eine bessere Förderung.
  • Die Stundentafeln sind in Kernstunden und Ergänzungsstunden gegliedert. Auch die Ergänzungsstunden sind Pflichtunterricht, aber insbesondere hier haben die Schulen Gestaltungsspielräume für eine differenzierte Förderung.
  • Für Schülerinnen und Schüler aus Hauptschulen, die das Abitur an einer gymnasialen Oberstufe anstreben, wird es ein zusätzliches Einführungsjahr geben, das der zweijährigen Qualifikationsphase zum Abitur vorgeschaltet wird. In diesem Jahr wird eine zweite Fremdsprache eingeführt.
  • Bei Schülerinnen und Schülern aus Gesamtschulen und Realschulen wird es von ihren Noten abhängen - und davon, ob sie die Möglichkeit genutzt haben, eine zweite Fremdsprache zu lernen -, ob sie das Einführungsjahr besuchen oder direkt in die zweijährige Qualifikationsphase der gymnasiale Oberstufe wechseln können. Zur Objektivität und Vergleichbarkeit wird dann beitragen, dass am Ende der Klasse zehn alle Schülerinnen und Schüler an Abschlussprüfungen mit zentral gestellten Aufgaben teilnehmen werden. Diese werden bereits 2007 eingeführt.

"Mit der Ausweitung des Unterrichts in der Sekundarstufe I wird der Weg zum Abitur für viele leistungsfähige Hauptschüler und Realschüler, aber auch für mehr Gesamtschüler zu einer realistischen Option", betonte Ute Schäfer. Kritikern, die behaupten, dass mit der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Unterrichtsumfang an den Gymnasien in NRW hinter dem einiger anderer Bundesländer zurückbleibe, hielt die Ministerin entgegen: "Wir erfüllen die Vorgaben der Kultusministerkonferenz. Aber wenn es richtig war, dass es bisher insbesondere in der Jahrgangsstufe elf der Gymnasien Luft gab, dann muss es auch möglich sein, am Gymnasium nicht den kompletten Unterricht dieses Jahrgangs auf die anderen Klassenstufen zu verteilen, sondern die Lehrpläne zu entfrachten. Insgesamt beträgt die Reduzierung von 272 auf 265 Wochenstunden bis zum Abitur sieben Wochenstunden. Dem steht eine Ausweitung des Unterrichts in allen anderen Schulformen gegenüber - und das betrifft die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler. Das ist eine schlüssige Konsequenz aus der PISA-Studie, um gerade im mittleren und unteren Leistungsbereich die Ausbildungsqualität zu verbessern. Wer aus dieser Gruppe dann gar das Abitur macht - und wir wollen und brauchen in Deutschland mehr Abiturienten als bisher - der wird künftig sogar über 290 Wochenstunden Unterricht haben."


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