Schulempfehlungen – Der Anfang vom sozialen Abstieg!

Über 70% der Schulempfehlungen bei Legasthenikern und Dyskalkulikern sind falsch Es ist dieses Jahr erneut alarmierend, dass Kinder mit einer Legasthenie / Lese- und Rechtscheibstörung oder einer Dyskalkulie / Rechenstörung aufgrund ihrer Teilleistungsstörung eine Schulempfehlung erhalten, die deutlich unter ihrer Begabung liegt.

20.02.2006 Pressemeldung

Der BVL – Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. bekommt aktuell wieder eine Vielzahl von Anfragen betroffener Eltern, die um Unterstützung bitten, damit ihrem Kind nicht durch eine falsche Schulempfehlung die Zukunft verbaut wird. Christine Sczygiel, Bundesvorsitzende des BVL, macht deutlich: "Die angebliche Zensurengerechtigkeit, die bei uns in Deutschland immer noch das Maß aller Dinge ist, erfasst ohnehin nicht das wirkliche Leistungspotential unserer Kinder. Kommt dann noch bei einem Kind eine Teilleistungsstörung wie Legasthenie oder Dyskalkulie hinzu, müssen Eltern massiv kämpfen, damit ihr oftmals überdurchschnittlich begabtes Kind nicht auf der Hauptschule landet." Die Bildungsforschung in Deutschland zeigt, dass rund 25 Prozent der Gymnasiasten und Realschüler eine Empfehlung für die nächst niedrigere Schulform haben.

Deshalb bedarf es am Ende der Grundschulzeit einer möglichst guten Einschätzung darüber, welche Schulart kurz- und mittelfristig zum Erfolg führen wird und dies gilt ganz besonders bei Kindern mit Lernbehinderungen. "Bei Legasthenikern und Dyskalulikern, sofern sie überhaupt in der Schule erkannt werden, gehen die Pädagogen meist davon aus, dass sie den Anforderungen einer Realschule oder eines Gymnasiums nicht gewachsen sind, ungeachtet ihrer allgemeinen Begabung. Dass eine Unterforderung aber meistens noch schlimmer als eine Überforderung ist, dürfte hinreichend bekannt sein", betont Christine Sczygiel. Der BVL fordert die Schulen und die Lehrer erneut auf, betroffenen Schülern nicht ihre Zukunft mit einer falschen Schulempfehlung zu verbauen, sondern sie zu fördern und zu stützen und sie wohlwollend zu begleiten. Statt diese Kinder auf Hauptschulen oder im schlimmsten Fall auf Förderschulen zu schicken, sollten die Gymnasien und Realschulen diese Schüler unterstützen.

Legastheniker und Dyskalkuliker haben bei guter Förderung und wirksamen Nachteilsausgleichen eine gute Chance, einen erfolgreichen und begabungsgerechten Schulabschluss zu erreichen. "Wenn in Deutschland, trotz rückläufiger Geburtenzahlen und immer mehr Schulabgängern ohne Schulabschluss so unverantwortlich mit dem Wettbewerbsfaktor Bildung umgegangen wird, dann werden wir im internationalen Vergleich immer weiter nach hinten abschlagen. Das kann und darf doch nicht das Ziel unserer Bildungspolitik sein!" so Sczygiel. Die Forderungen des BVL zur Chancengleichheit von Schülern mit Teilleistungsstörungen finden sie auf der Homepage www.bvl-legasthenie.de


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