Schulreform ist auch Schulstrukturreform

"Der VBE schließt sich dem Aufruf der Grünen an die Landesregierung an, sich der Diskussion über eine Veränderung der Schulstrukturen nicht zu verschließen", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Vor allem den ländlichen Kommunen hilft es angesichts der sinkenden Schülerzahlen nicht, wenn ihnen die Landesregierung bei der Zusammenlegung von Schulformen enge Grenzen setzt."

05.03.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Kommunen können als Schulträger keine Schulen erhalten, die von den Eltern nicht mehr nachgefragt werden. Sie können aber auch nicht zulassen, dass das Bildungsangebot vor Ort einfach immer weiter ausgedünnt wird. Länder wie Schleswig-Holstein oder Sachsen haben auf diese Entwicklung bereits mit der Einführung von Gemeinschaftsschulen reagiert. Der VBE NRW hat unter der Bezeichnung "Allgemeine Sekundarschule" bereits im Mai 2005 ein solches Konzept für NRW vorgelegt.

"Wir dürfen auch in NRW nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern müssen uns dieser Entwicklung stellen", so Beckmann weiter. "Ideologische Debatten und aus der Zeit des kalten Krieges stammende Angstmacherei vor einer angeblichen Einheitsschule helfen keinem Bürgermeister, der vor Ort ein umfassendes Bildungsangebot erhalten will. Diesen Schulträgern helfen auch nicht die immer wiederholten Hinweise darauf, dass an den Strukturen nicht gerüttelt werden und Schulreform nur innere Schulreform sein darf."

Wir dürfen aber darüber hinaus nicht länger weghören, wenn uns die EU-Bildungsminister oder der UN-Menschenrechtsexperte Vernor Muñoz auffordern, unser auf strikte Auslese ausgerichtetes Schulsystem dringend zu überdenken.

"Wer das nicht hören will und Muñoz gar vorwirft, er habe das deutsche Bildungssystem offenbar nicht verstanden, der entlarvt sich als beratungsresistent", so Beckmann weiter. "Wir brauchen eine Schule, in der jeweils ein Lehrerkollegium für alle Kinder verantwortlich ist und kein Kind mehr an eine andere Schule abgegeben werden darf. Eine solche Schule ist selbstverständlich sowohl eine in ihrem Innenleben als auch ihren äußeren Strukturen reformierte Schule."

Auffallend ist für den VBE, dass eine solche Schule vor allem von denjenigen abgelehnt wird, die je nach Bedarf Kinder von einer Schulform zur anderen hin und her schieben. Sie wollen insbesondere die Hauptschulen erhalten, weil sie das Auffangbecken für alle sind, für die die anderen Schulformen nicht mehr die Verantwortung übernehmen wollen. Auffallend ist auch, dass sie Kinder einerseits der jeweils "passenden" Schulformen zuordnen wollen, um sie dann andererseits individuell zu fördern.

"Das ist ein heuchlerischer Umgang mit dem Thema", so Beckmann abschließend. "Frühe Zuteilung zu Schulformen und individuelle Förderung passen nicht zusammen. Wer Kinder wirklich individuell fördern will, muss darauf hinarbeiten, dass die Schule zu den Kindern passt und nicht umgekehrt. Wer wirklich pädagogische Verantwortung für Kinder und Jugendliche übernimmt, braucht auch die Möglichkeit des Abschiebens nicht."


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