Sechs Jahre PISA: Politik der kleinen Schritte bringt nur langsam voran
Die neue PISA-Studie stellt Deutschland im internationalen Vergleich ein leicht besseres Zeugnis aus. Sie zeigt aber auch: Die PISA-Spitzenländer ziehen weiter davon.
13.12.2007 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und HandelskammertagBeim PISA-Naturwissenschaftstest liegt Deutschland zwar in der Spitzengruppe der OECD-Länder. In Zeiten des sich ausbreitenden Fachkräftemangels klingt diese Nachricht wie eine Freudenbotschaft. Doch der 13. Platz im Ranking der Länder allein macht nicht glücklich, denn die PISA-Forscher haben noch mehr herausgefunden: Zu wenige Jugendliche in Deutschland wollen einen naturwissenschaftlich-technischen Beruf ergreifen.
PISA-Studie zeigt die Mängel im System:
- Trotz der leicht besseren Ergebnisse ist der Abstand zu den PISA-Spitzenländern nicht geringer geworden, in der Lesekompetenz ist er sogar gewachsen. Auch diese Länder haben sich also weiter positiv entwickelt.
- Der Anteil der in den Naturwissenschaften besonders guten Schüler hat sich erhöht (11,8 %) und liegt jetzt leicht über dem OECD-Durchschnitt (9,0 %), ist aber noch weit entfernt von den Spitzenländern Finnland (20,9 %), Japan (15,0 %) und Neuseeland (17,6 %). Der Anteil der Risikoschüler ist bei uns unter den OECD-Schnitt gesunken.
- Trotz der guten Ergebnisse interessieren sich hierzulande gerade die leistungsfähigen Schüler zu wenig für die Naturwissenschaften. Nur 18 % können sich vorstellen, einen naturwissenschaftlich-technischen Beruf zu ergreifen (OECD: 25,2 %).
- Schulleitungen berichten über viele Aktivitäten zu einer naturwissenschaftlich-technische Berufsorientierung, während sich zugleich die Schüler aber schlecht informiert fühlen über mögliche Zukunftsperspektiven.
DIHK-Bewertung:
Die Leistungen in den Naturwissenschaften stimmen optimistisch für die Zukunft. Das Lob darf nicht eingeschränkt werden, nur weil die Schwerpunkte der PISA-Aufgaben im Umweltbereich lagen und deutsche Schüler dafür besonders sensibilisiert sind. Deutschland ist in der Energie- und Umwelttechnik führend in der Welt, und offenbar wächst da ein viel versprechender Nachwuchs heran. Es muss jetzt alles daran gesetzt werden, die begabten Schüler zu motivieren, naturwissenschaftlich-technische Berufe zu ergreifen.
DIHK-Forderungen:
Die bisherigen Schulreformen sind noch nicht der große Wurf. Nationale Bildungsstandards, mehr Selbstverantwortung für die Schulen – verbunden mit regelmäßigen Leistungsmessungen – werden zwar zu Qualitätsverbesserungen führen. Wir brauchen jedoch nach wie vor ein Gesamtkonzept für die Schulentwicklung.
- Erforderlich sind eine realitätsnahe Lehreraus- und -fortbildung und ein an bestimmte Voraussetzungen gebundener Zugang zum Lehrerberuf. Lehrer brauchen z. B. Kommunikationsstärke, Belastbarkeit, die Fähigkeit zur Selbstreflexion.
- In kleineren Klassen können Lehrer gezielter einzelne Schüler fördern. Dafür muss sich jedoch auch der Unterricht ändern. Kleinere Klassen und weiterhin Unterricht wie bisher darf es nicht geben.
- Die Schulen müssen sich öffnen. Sie müssen mit Betrieben, Vereinen, Bibliotheken, sozialen Einrichtungen kooperieren. Berufsorientierung gehört verbindlich in jedes Schulprogramm, die Berufswahl muss systematisch vorbereitet werden.
- Ein regelmäßiger Austausch zwischen Elternhaus und Schule über die Lernfortschritte der Kinder muss von der ersten Grundschulklasse an selbstverständlich sein.
Ansprechpartnerin Berit Heintz, DIHK Berlin, Telefon 030 / 20308-2513
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