Sprachdefizite müssen früher behoben werden

Die Leiterin des Forums Kindertagestätten im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Sigrid Hepting, und BLLV-Präsident Klaus Wenzel haben den heute vom Ministerrat angekündigten Ausbau der Sprachförderung in bayerischen Kindergärten und Kindertageseinrichtungen grundsätzlich begrüßt. "Vorkurse leisten ´Erste Hilfe´, nachdem in den Jahren zuvor wegen der schlechten Rahmenbedingungen im elementaren Bildungsbereich nicht ausreichend gefördert werden konnte. Viele Kinder hatten bis zu diesem Zeitpunkt zu wenig Gelegenheit, ihre mangelhaften Deutschkenntnisse auszugleichen. Dies soll kurz vor Schulbesuch nachgeholt werden. Es steht jedoch zu befürchten, dass auch diese Maßnahme möglichst kostenneutral erfolgen soll", erklärte Hepting. "Grundschullehrer/innen und Erzieherinnen müssen Möglichkeiten für eine gute Koordination und Kommunikation vorfinden, um auch wirklich gut kooperieren zu können", betonte Wenzel. "Pädagogen/innen sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Was sie brauchen, ist mehr Zeit und mehr Personal."

29.01.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"In vielen bayerischen Kindertagesstätten herrscht der Mangel", beklagte Hepting. "Es gibt zu wenig Personal, um Kinder, die aufgrund ihrer Herkunft sozial benachteiligt sind, von Anfang an entsprechend zu fördern. Die Förderung soll kurz vor Schuleintritt ad hoc nachgeholt werden. Sinnvoller ist es aber, früher damit anzufangen, und zwar mit Eintritt in die Einrichtung. Um diesen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit leisten zu können, sind mehr Personal und mehr Zeit nötig", erklärte die BLLV-Expertin.

Derzeit sind eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin für durchschnittlich rund 25 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren zuständig. "Je jünger Kinder sind, umso enger muss die Bindung zu ihrer Betreuerin sein. Angesichts der schlechten Personalausstattung ist dies überhaupt nicht zu leisten." Erzieherinnen bräuchten Zeit, um die ihnen anvertrauten Kinder intensiv zu beobachten, auf ihre Aktivitäten eingehen und diese sprachlich begleiten zu können. Im Idealfall richten sie ihre Bildungsangebote danach aus, was die Kinder interessiert - "wie es der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan auch richtig vorsieht."

Hepting gab zu bedenken, dass sich Kursprogramme für Vorschulkinder grundsätzlich eher schlecht eignen, weil sie einen starren Rahmen vorgeben, an den sich die Kinder anpassen müssen. "Leider beobachten wir Tendenzen, dass sich sämtliche Bildungsangebote in Kursform an die Kinder wenden, ähnlich wie in einigen Schularten der starre Unterricht im 45-Minuten-Takt". Hepting: "Statt spät einsetzende Vorkurse brauchen wir eine am Alter der Kinder ausgerichtete Personal-Kind-Relation, zum Beispiel müsste eine Fachkraft für drei bis fünf zweijährige Kinder zuständig sein.


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