Studie widerlegt Gerede vom "Selektionsdruck" - Schulfreude überwiegt
Der Übergang auf die weiterführende Schulart wird entgegen landläufigen Behauptungen von den Schülerinnen und Schülern nicht als belastend erlebt. Zu diesem Schluss kommt eine neue Längsschnittstudie des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung. "Das Gerede über einen angeblichen ´Selektionsdruck´ auf die Schüler ist also vor allem politisch und berufsständisch motiviert. Inhaltlich entbehrt es offenbar jeder Grundlage", kommentierte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die Ergebnisse. "Die Schülerinnen und Schüler erleben das gegliederte Schulwesen so, wie es gedacht ist: als begabungsgerechte individuelle Förderung."
22.06.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Die Schulfreude dominiert vor dem Wechsel
Das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Heinz-Günter Holtappels hat untersucht, wie sich Emotionen, Motivation und Lernleistungen im Verlauf der Schulkarriere entwickeln. Rund 89 Prozent der Viertklässler erwarten, gut mit den Lehrern der weiterführenden Schularten zurechtzukommen. Die Vorfreude überwiegt bei den Kindern, da sich insgesamt nur 7,7 Prozent Sorgen um den Wechsel machen. Unter künftigen Gymnasiasten ist dieser Anteil mit nur 4,7 Prozent sogar am geringsten, aber auch unter den künftigen Hauptschülern sorgen sich lediglich 11,7 Prozent. Grundschüler blicken also sehr optimistisch in ihre Zukunft.
Nach dem Wechsel enttäuscht lediglich die Gesamtschule
Auch nach dem Wechsel hält dieser Trend der Studie zufolge an. Die Gymnasiasten finden ihre Erwartungen am stärksten bestätigt; bei den Hauptschülern steigt die Schulfreude sogar stark an, sie erleben den Schulforschern zufolge einen "richtigen Kick". Lediglich Gesamtschüler erleben überdurchschnittlich oft negative Überraschungen. Insgesamt sinkt in den folgenden drei Jahren zwar die Schullust von 1,81 auf 1,70 (der Wert 1 entspricht starker Schulunlust, der Wert 2 entspricht starker Schulfreude), aber auch dieser Befund fiel deutlich positiver aus als Teile der veröffentlichten Meinung bisher vermuten ließen. Dass führende Vertreter des Instituts erklärte Befürworter integrierter (also gesamtschulähnlicher) Systeme sind, macht diese Ergebnisse für den bpv dabei umso glaubwürdiger.
Studie spiegelt bayerische Erfahrungen wider
"Die Studie bestätigt unsere eigenen Erfahrungen und Überzeugungen. Ein gegliedertes Schulsystem kann die Anforderungen an den Einzelnen am besten anpassen, ohne dass es zu Über- oder Unterforderung kommt. Das wirkt sich positiv auf die Motivation, Selbstwert und Zufriedenheit der Schüler aus", erklärte Schmidt.
Nicht ganz so gute, aber in der Tendenz ähnliche Ergebnisse könne man bei genauer Lektüre übrigens sogar der (nicht repräsentativen) Elternumfrage der Landesvereinigung der Eltern an Gymnasien in Bayern (LEV) entnehmen: Dort haben trotz der schwierigen G8-Einführung rund 75 Prozent der befragten Fünftklasseltern angegeben, dass ihr Kind selten oder nie schulisch bedingte Stresserlebnisse habe. Sobald sich die Rahmenbedingungen am G8 verbessern, wird sich nach Einschätzung des bpv allerdings auch dieser Wert noch positiver verändern.
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