Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2012/2013 verbessert sich vor allem bei Krankheitsvertretungen
Die Unterrichtsversorgung an den Schulen wird sich im Schuljahr 2012/2013 vor allem durch Investitionen im Vertretungsbereich verbessern, erklärte heute die Amtschefin des Kultusministeriums, Ministerialdirektorin Dr. Margret Ruep, anhand von zwei positiven Entwicklungen.
05.09.2012 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergZum einen stelle das Ministerium trotz des enormen Rückgangs von rund 51.000 Schülerinnen und Schülern rund 4.700 und damit fast genauso viel Lehrerinnen und Lehrer ein wie im vergangenen Jahr. Damit bleiben die rechnerisch wegfallenden zirka 3.300 Stellen nahezu vollständig im Schulsystem erhalten. Dies trägt zur Sicherung der Unterrichtsversorgung bei. Zum anderen wird der Bereich der Krankheitsvertretungen finanziell und mit zusätzlichen Stellen deutlich ausgebaut. "Wir haben unser Ziel erreicht, die sogenannte demografische Rendite fast vollständig im System zu belassen. Zudem werden wir dem Ausfall von Unterrichtsstunden noch stärker vorbeugen als im vergangenen Schuljahr", lautet das Fazit der Amtschefin.
Das kommende Schuljahr wird zudem geprägt durch den Start der neuen Gemeinschaftsschulen im Land. "Die Landesregierung beginnt damit ein neues Zeitalter in der Bildungspolitik von Baden-Württemberg", sagte die Ministerialdirektorin. Darüber hinaus gebe es eine Reihe von Verbesserungen an allen Schularten, auch bei den beruflichen Schulen (siehe zweite Pressemitteilung). Zudem würden 22 Gymnasien dem vielfach geäußerten Wunsch der Eltern nachkommen und wieder neunjährige Züge anbieten. "Dieses Schuljahr macht deutlich, welche Baustellen bei der Regierungsübernahme in der Schullandschaft vorhanden waren, wie die Landesregierung auf diese gesellschaftlichen Herausforderungen reagiert und welche Verbesserungen durch Gesetzesänderungen erreicht wurden", betonte Dr. Ruep.
Unterrichtsversorgung wird gestärkt
"Eine gute Unterrichtsversorgung ist das Rückgrat erfolgreicher Bildungspolitik", bekräftigt die Ministerialdirektorin. Dafür setzt die Landesregierung mit den Neueinstellungen für das Schuljahr 2012/2013 ein deutliches Zeichen. Insgesamt werden zum kommenden Schuljahr 4.200 Stellen neu besetzt, so dass durch Teilzeitbeschäftigung rund 4.700 und damit annähernd so viele Lehrerinnen und Lehrer wie im vergangenen Jahr eingestellt (4.848) werden können. Damit ist landesweit der Pflichtunterricht an Grund-, Werkreal- und Hauptschulen sowie Realschulen und Gymnasien abgedeckt. Engpässe könnten allerdings örtlich entstehen, etwa bei Mangelfächern. Der Ergänzungsbereich soll eine ähnliche Größenordnung erreichen wie im Vorjahr.
Rund 4.400 Neueinstellungen verteilen sich wie folgt auf die Schularten: An Grund-/Haupt- und Werkrealschulen unterrichten im kommenden Schuljahr 1.660 neu eingestellte Lehrer, an Realschulen 950. An den beruflichen Schulen werden 780 Personen eingestellt, an den Gymnasien 480, an den Sonderschulen 530. Mitberücksichtigt sind hier Abordnungen von Gymnasiallehrern im Umfang von 250 Deputaten (siehe Tabelle). Diese Abordnungen sind auf drei Jahre begrenzt und bringen zudem aus pädagogischer Sicht sehr positive Erfahrungen mit sich: "Die frischgebackenen Gymnasiallehrer erhalten dadurch einen Einblick in andere Schularten und können sich etwa auf die zunehmende Heterogenität der Klassen vorbereiten", betont die Amtschefin. Zusätzlich zu diesen 4.400 Einstellungen können noch 305 kurzfristig freigewordene Stellen besetzt werden.
Gerade an den beruflichen Schulen entspanne sich die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr 2012/13 – insbesondere angesichts des vorausgesagten Schülerrückgangs von 15.000. "Die beruflichen Schulen können bei einer Lehrerausstattung, die auch wichtige Innovationen ermöglicht, optimistisch ins neue Schuljahr gehen", erklärte Ministerialdirektorin Dr. Margret Ruep. So sind 100 Deputate allein zum Abbau des strukturellen Defizits eingeplant. Allerdings ist die endgültige Entwicklung noch unklar, da sich das tatsächliche Übergangsverhalten der Schülerinnen und Schüler in die zehnte Klasse der Werkrealschule oder in die beruflichen Schulen erst bei Schuljahresbeginn herausstellen wird.
Deutliche Verbesserungen bei Krankheitsvertretungen
Darüber hinaus wird der Bereich der Krankheitsvertretungen erheblich verbessert. Das Kultusministerium erhöht in Absprache mit dem Finanzministerium die Summe der Schöpfmittel um 8,5 Millionen Euro. Damit stehen für 2012 insgesamt 75,54 Millionen und damit deutlich mehr Mittel für Krankheitsvertretungen zur Verfügung als im Vorjahr (71,89 Millionen Euro). Zudem kommen 200 zusätzliche Stellen für fest installierte Krankheitsvertreter hinzu. Damit werde die von der Vorgängerregierung übernommene unterdurchschnittliche Ausstattung in diesem Bereich deutlich verbessert. Insgesamt stehen hier nun 1.466 Deputate zur Verfügung. "Wir verfolgen hier Schritt für Schritt unser Ziel, den Unterrichtsausfall erheblich zu verringern", betonte die Amtschefin.
Das Einstellungsverfahren ist im vergangenen Schuljahr auch auf Kritik gestoßen. Ursache war die veränderte Einstellungspraxis, die sich vor allem wegen der Unsicherheiten hinsichtlich der Übergänge in die zehnte Klasse der Werkrealschulen und durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung ergeben hat. Da dadurch die Verteilung der Schülerzahlen auf die weiterführenden Schularten zunächst unklar blieb, hat das Ministerium deshalb zunächst deutlich weniger Stellen ausgeschrieben als in den Vorjahren. Dieses Vorgehen habe aber sichergestellt, dass passgenau diejenigen Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden konnten, die für die jeweiligen Schularten notwendig sind. Das Ministerium will das Verfahren im kommenden Schuljahr in Absprache mit der Schulverwaltung weiterentwickeln.
Weiteres Vorgehen bei den Haushaltsberatungen
Die Ausstattung der Schulen in den kommenden Jahren mit Lehrerstellen wird angesichts der hohen Verschuldung des Landes derzeit neu festgelegt. Auch der Kultusbereich müsse sich gerade angesichts seines hohen Personalanteils am Gesamthaushalt an den Einsparungen beteiligen, erklärte die Amtschefin. Allerdings sei bisher nicht beschlossen, in welchen Schritten die 11.600 Stellen abgebaut werden würden. Das Ministerium stellt aber klar, dass sich zum einen die Unterrichtsversorgung nicht verschlechtern dürfe. Zum anderen müssten die wichtigsten Vorhaben des Bildungsaufbruchs weiterhin finanzierbar bleiben, von der Gemeinschaftsschule über die Stärkung der Ganztagsschule vor allem im Grundschulbereich bis zum Ausbau des individuellen Lernens in allen Schularten.
Das endgültige Vorgehen soll in den kommenden Sitzungen der KHV und der Fraktionen festgelegt werden. Allerdings wird das Ministerium im Rahmen eines Haushaltsstrukturprogramms prüfen, welche Sparpotenziale im Kultusbereich vorhanden sind. Ziel ist dabei auch, die Effizienz zu steigern. Im Rahmen der inneren Organisationsentwicklung strebt das Ministerium eine weitere Optimierung der Unterrichtsversorgung und des Lehrereinstellungsverfahrens an. Darüber hinaus werden die verschiedenen eingesetzten IT-Verfahren stetig weiterentwickelt. Das Ministerium arbeitet an dem Aufbau eines Führungsinformationssystems. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der Vertreter aller Ebenen (Kultusministerium, Regierungspräsidien, Schulämter, Schulen) den effizienten Umgang mit Ressourcen erörtern und neben der Erstellung eines Leitfadens verschiedene Handlungsalternativen zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung vorschlagen werden.
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