VBE: Die Schulen in ihrer Individualität stärken und nicht noch mehr ans politische Gängelband nehmen

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg ist gegen eine verordnete "Gleichschaltung" aller Schulen in Deutschland. "Wer auf mehr Eigenständigkeit der Schulen Wert legt, kann sich nicht über einen `Flickenteppich´ beschweren", sagt der VBE-Vorsitzende Rudolf Karg. Es sei Unsinn, auf der einen Seite mehr Autonomie für die Schulen zu fordern und andererseits zu verlangen, dass von der Nordseeküste bis zu den Alpen auf einer Klassenstufe in einer bestimmten Stunde der gleiche Stoff mit dem gleichen Schulbuch möglichst methodengleich durchgenommen werde.

29.07.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Bildungsstandards, Diagnose- und Vergleichsarbeiten, zentral gestellte Klausu­ren, Prüfungen und Abschlusszeugnisse sorgten dafür, dass schulische Leistun­gen vergleichbar bleiben, versichert Karg. Die neuen Bildungspläne haben seit 2004 dafür gesorgt, dass sich die Schulen noch mehr öffnen und noch mehr eigene, mit Lokalkolorit angereicherte Lerninhalte vermitteln können. Bundes­weit gleichgeschaltete Lehrpläne würden diese neue Offenheit konterkarieren.

Insofern seien auch für ganz Deutschland einheitliche Schulbücher, wie sie jetzt Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan fordert, nicht von Vorteil. Dann würde es bald wieder zu jedem Schulbuch regional verschiedene Ergänzungs­bändchen geben. Zurzeit werden in den Lehrerkollegien die Schulbuchausgaben der verschiedenen Verlage sorgfältig geprüft, um sich gemeinsam auf ein Werk zu einigen, das für die Schule angeschafft werde und mit dem dann alle arbeiten. Aber nicht nur unterschiedliche Bücher verhindern die Gleichschaltung aller Schulen. Durch die Kontingentstundentafel mit unterschiedlicher Schwerpunkt­setzung, durch die erste Fremdsprache (Französisch/Englisch) und die ver­schie­denen Schriftarten in der Grundschule (Lateinische Ausgangsschrift, Schul­aus­gangsschrift, Vereinfachte Ausgangsschrift) gibt es allein dadurch in Baden-Württemberg ein buntes Angebot an Lernvoraussetzungen. Wenn man dann noch die unterschiedliche Ausstattung der Schulen – je nach Finanzkraft der Ge­meinde oder der Stadt als Schulträger – und die diversen Lehrmethoden, Ar­beits- und Sozialformen mitberücksichtigt, wird es deutlich, wie vielfältig un­terschiedlich die Kinder lernen. Aber das sei politisch durchaus so gewollt und auch gut so, versichert VBE-Chef Rudolf Karg.


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