VBE – Umfrage zeigt: Eingangsklassen an Grundschulen häufig zu groß

Die Landesregierung hat das Recht auf individuelle Förderung im Schulgesetz verankert. Das war aus Sicht des VBE eine richtige Entscheidung. Allerdings stimmen die Rahmenbedingungen nicht.

22.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

1.282 Grundschulen haben sich an einer VBE-Umfrage zur Größe der Eingangsklassen an Grundschulen beteiligt. Das ist mehr als ein Drittel der öffentlichen Grundschulen in NRW (3.392). 55 Prozent der an der Umfrage beteiligten Grundschulen werden im kommenden Schuljahr Eingangsklassen bilden, deren Schülerzahl über dem Richtwert von 24 liegt. 12 Prozent werden sogar Eingangsklassen mit 30 und mehr Schülern haben.

"Im ersten Schuljahr werden die Weichen für die Lernentwicklung der Kinder gestellt", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann diese Zahlen. "Klassen mit mehr als 30 Kindern sind in dieser Phase nicht tragbar."

60 Prozent der an der Umfrage beteiligten mehrzügigen Grundschulen werden im kommenden Schuljahr Eingangsklassen mit mehr als 24 Schülerinnen und Schülern bilden, von den zweizügigen Schulen sind es 52 Prozent und von den einzügigen 59 Prozent.

Für diese Entwicklung sind u.a. die sinkenden Schülerzahlen verantwortlich. Vielerorts reicht die Zahl der I-Männchen nicht mehr aus, um zwei Eingangsklassen zu bilden. Dafür braucht eine Grundschule nach den Vorgaben mindestens 36 Kinder. Hat sie weniger, muss sie aufgrund der gesetzlichen Vorgaben eine große Klasse bilden.

"Dass sinkende Schülerzahlen zu größeren Klassen führen, ist schier grotesk", so Beckmann. "Der VBE fordert deshalb die Landesregierung auf, die demografischen Gewinne für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Grundschulen zu nutzen."

Die Landesregierung hat das Recht auf individuelle Förderung im Schulgesetz verankert. Das war aus Sicht des VBE eine richtige Entscheidung. Allerdings stimmen die Rahmenbedingungen nicht.

"Nirgendwo sind die Lerngruppen so heterogen wie an den Grundschulen", so Beckmann. "Hinzu kommt, dass das Einschulungsalter der Kinder sinkt, worauf Lehrerinnen und Lehrer pädagogisch reagieren müssen. Wer hier jedes einzelne Kind intensiv fördern will, braucht vertretbare Gruppengrößen. 30 und mehr Kinder im ersten Schuljahr sind aber alles andere als das."

Der VBE fordert die Landesregierung auf, das Recht auf individuelle Förderung nicht zum Papiertiger verkommen zu lassen, sondern die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass dieses Recht auch umgesetzt werden kann.

"Mehr als 24 Kinder in einer Klasse sollten es an den Grundschulen grundsätzlich nicht sein", so Beckmann. "Außerdem muss die Obergrenze für die Klassenbildung auf 28 und die Untergrenze auf 14 gesenkt werden. Die Landesregierung betont immer wieder, kleine Grundschulen möglichst erhalten zu wollen. Dafür ist auch der VBE – kleine Schulen mit großen Klassen haben wir allerdings nicht gemeint.

In einigen Bundesländern liegt die Untergrenze für die Klassenbildung an Grundschulen niedriger als NRW mit 18 Schülern. Baden-Württemberg hat diese Grenze auf 16 Schüler festgelegt, Bayern auf 13.

"Wir hören immer, dass NRW von diesen Ländern so viel lernen will", so Beckmann abschließend. "In diesem Fall kann sagen wir: nur zu!"


Weiterführende Links

  • Umfrageergebnis (.pdf)

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