VdS Bildungsmedien: Neuer Vorstand in Fulda gewählt
Auf ihrer Jahrestagung am 1. und 2. Juli in Fulda haben die Bildungsverlage ihre Positionen zur Neuregelung der Lernmittelfreiheit, zur Rechtschreibreform und zur Weiterentwicklung der Bildungsreformen in Deutschland festgelegt. Mit der Jahreshauptversammlung gab es auch einen Personalwechsel im Vorstand: Nach 13-jähriger Zugehörigkeit schied Fritz von Bernuth, Cornelsen Verlag, aus dem Führungsgremium aus; an seiner Stelle wurde Wolf-Rüdiger Feldmann, Geschäftsführer des Cornelsen Verlags, gewählt. Johannes Leßmann, Ernst Klett Verlag, und Hans-Dieter Möller von der Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH wurden in Fulda für zwei Jahre im Vorstand bestätigt. Dem Führungsgremium der Bildungsmedienbranche gehören zudem Wilmar Diepgrond (Schatzmeister), Bildungsverlag EINS, Michaela Hueber, Max Hueber Verlag, und Andreas Klinkhardt, Julius Klinkhardt Verlag, an. Dem Verband sitzt seit 2003 Dr. Gerd-Dietrich Schmidt vom Paetec Verlag vor. Die durch das Ausscheiden von Bernuths vakant gewordene Position des Stellvertretenden Vorsitzenden übernimmt nach Beschluss des Vorstandes Johannes Leßmann.
05.07.2004 Pressemeldung Verband Bildungsmedien e. V.Von Bernuth gehörte dem Vorstand mehr als 13 Jahre an und war von 1997 bis 2000 Vorsitzender des Verbandes. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Neuausrichtung des VdS in der Messepolitik, der Zusammenführung der Bildungsmessen Interschul und didacta zu einer jährlich stattfinden Großmesse, der politischen Argumentationsoffensive des Verbandes für eine Reform der Lernmittelfreiheit, der Ausgestaltung des Urheberrechts und der unseligen Diskussion um die Rechtschreibreform beteiligt. Sein ehrenamtliches Engagement wurde von den 33 anwesenden Vertretern der 74 Mitgliedsverlage des Verbandes explizit gewürdigt. Von Bernuth, der sich nun ganz seiner Tätigkeit in der Cornelsen Holding widmen wird, berät den Verband auch künftig in Urheberrechtsfragen.
Lernmittelfreiheit und Schulbuchmarkt
Thematisch stand auf der Jahreshauptversammlung die seit Jahren unbefriedigende Marktentwicklung im Vordergrund. Die Branche kämpft seit 1991 mit drastischen Sparmaßnahmen der Kommunen und Länder im Bereich der Lernmittelfreiheit: In den letzten 13 Jahren sind die öffentlichen Ausgaben für Schulbücher und Lern- und Unterrichtssoftware von 1991 noch knapp 400 Mio. EUR auf 2003 nur noch rund 250 Mio. EUR gekürzt worden; allein 2003 wurden sie um knapp 10 % gekürzt.
Um den Rückzug des Staates aus der Lernmittelfinanzierung zu kompensieren, fordert der Verband seit über zehn Jahren eine sozial abgefederte private Kostenbeteiligung. Dazu erarbeitete er etliche Modelle, die bei der Neuordnung der Lernmittelfreiheit in Berlin und NRW berücksichtigt wurden. Derzeit stehen weitere Entscheidungen zur Neugestaltung der Lernmittelfreiheit in Bayern und Hamburg an. Bedenken urheberrechtlicher Art hat die Branche dagegen zur Einrichtung des Mietmodells für Schulbücher in Niedersachsen. Hier werden nach VdS-Meinung grundlegende Rechte der Verlage und ihrer Autoren missachtet.
Ohne eine Neuordnung der Lernmittelfinanzierung laufen - nach Überzeugung des Verbandes - die in allen Ländern nach PISA eingeleiteten Reformen ins Leere: Ohne neue Bildungsmedien können die neuen Kernlehrpläne und Bildungsstandards den Unterricht nicht erreichen.
Urheberrechte schützen
Weiteres zentrales Thema der Tagung war das Urheberrecht. Vom "Zweiten Korb" der Urheberrechtsnovelle erwartet die Branche, dass die besonderen Leistungen der Verlage durch ein Leistungsschutzrecht gewürdigt werden. Der VdS hat ein solches bereits gegenüber dem Bundesjustizministerium begründet. Eine Entscheidung wird noch für dieses Jahr erwartet. Wegen der Branchenentwicklung gewinnt ein Leistungsschutzrecht zusätzlich an Bedeutung: Es wird für die Verlage immer schwieriger Autoren unter den verbeamteten Lehrern zu finden; weshalb die Schulbuchredaktionen immer stärker an der Urheberschaft der Bücher beteiligt sind.
Viel Zuspruch fand auf der Jahreshauptversammlung das verstärkte Engagement des VdS beim Urheberrechtsschutz und dem Kampf gegen die Kopierflut in und außerhalb der Bildungseinrichtungen. Mit seiner Broschüre "Alles was Recht ist" hat er dazu Ende des letzten Jahres eine Aufklärungskampagne begonnen. Die Informationsschrift wurde bereits in einer Auflage von 130.000 Exemplaren verbreitet. Der Verband ist zudem gewillt, gegen schwerwiegende Rechtsverstöße vorzugehen. Dazu gewährt er den Mitgliedern Rechtsberatung und finanzielle Unterstützung, um Präzedenzfälle zu schaffen. Bislang werden Urheberrechtsverletzungen auch von den Verfolgungsbehörden nicht konsequent genug behandelt. Dies soll sich ändern.
Kein Bedarf nach erneuter Diskussion um Rechtschreibreform
Die im Vorfeld der Entscheidung der Kultusministerkonferenz erneut angefachte Diskussion über die Weiterführung der Rechtschreibreform betrachteten die versammelten Schulbuchverleger als unnötig und an der Realität in den Schulen vorbei gedacht. Die Reform werde seit mehr als 7 Jahren ohne größere Probleme im Unterricht umgesetzt. Für über die Entscheidungen der KMK hinausgehende Änderungen oder gar eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung sah die Hauptversammlung keinen Bedarf. An die Einrichtung des neuen Rates für deutsche Rechtschreibung knüpfen die Verlage die Erwartung, dass er zur Versachlichung der hitzig geführten Debatte beitragen kann. In jedem Fall erwartet die Branche, dass politische Entscheidungen berechenbar bleiben: Das Hickhack um die Rechtschreibung verunsichere die Verlage wie auch die Schulen. An die Politik appellierte die Versammlung, endlich mit Profilierungsversuchen auf dem Rücken der Schüler aufzuhören.
Verbessertes Marketing zur Werthaltigkeit von Bildungsmedien
Eine wesentliche Aufgabe der nächsten zwölf Monate sieht der VdS auch darin, die Werthaltigkeit von Schulbüchern sowie Lern- und Unterrichtssoftware in der breiten Öffentlichkeit zu stärken. Dazu will er eine offensive Kampagne für den Eigenkauf von Bildungsmedien initiieren, die bewusst die "Preisfrage" stellt. Die Schulbuchverleger verstehen die in weiten Teilen der Öffentlichkeit verbreitete Vorstellung, dass Bildungsmedien den Bürger nichts kosten dürfen, als Ausdruck einer generellen Geringschätzung von Bildung. Solange von den Familien bedenkenlos mehr als doppelt soviel Geld für den Kauf von Software für Spielkonsolen ausgegeben werde, könne von einer finanziellen Notlage, die ein Eigenengagement bei Bildungsausgaben verhindere, nicht die Rede sein. Vielmehr müsse jedem klar gemacht werden, dass private Bildungsausgaben Investitionen in die eigene Zukunft sind. Erreichen will der Verband dies durch eine massenwirksame PR-Kampagne ab 2005 und verbesserte Informationssysteme insbesondere im Internet. So hat er kürzlich die Online-Datenbank für Bildungsmedien "bildung online" übernommen, die er binnen Jahresfrist zu einem umfassenden Informationsangebot ausbauen will.
Der Maßnahmenkatalog fand auf der Hauptversammlung uneingeschränkte Zustimmung. So wurde in Fulda auch beschlossen, dass der VdS künftig verstärkt die Bildungsdiskussion in Deutschland fördern wird. Auf die negative Marktentwicklung der letzten Jahre will die Branche mit Optimismus und einer offensiven Positionierung ihres Verbandes reagieren.
Ansprechpartner
Verband Bildungsmedien e. V.Dr. Dagny Ladé
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Telefon: +49 69 98 66 97 6 - 14
Fax: +49 69 98 66 97 6 - 20
E-Mail: lade@bildungsmedien.de
Web: www.bildungsmedien.de
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