"Was nützen Inspektionen, wenn das Geld zur Reparatur fehlt"

"Was nützen Inspektionen, wenn das Geld zur Reparatur fehlt", so kommentiert der vor einigen Tagen mit großer Mehrheit im Amt bestätigte Landesvorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, den Start der Pilotphase für Schul-Inspektionen in dieser Woche. Vom nächsten Schuljahr an sollen diese Inspektionen in den Schulen feststellen, was nicht gut läuft.

30.11.2005 Hessen Pressemeldung GEW Hessen

Frankfurt (gew). "Es wird den Schulen nichts nützen, wenn sie erfahren, was sie besser machen könnten, aber dazu keine Mittel erhalten. Vieles von dem, was nicht gut läuft, wissen die Schulen zudem schon sehr genau. Die GEW Hessen sieht in den Inspektionen nur einen weiteren Beleg für die ausufernde "Testeritis", die von dieser Kultusministerin etabliert wurde. Wir halten mehr Beratung und Unterstützung der Schulen für erforderlich und nicht mehr Inspektionen", so Nagel weiter.

Beratung und Unterstützung kann gerade im pädagogischen Bereich nur gelingen, wenn sie in einem offenen Diskurs geschieht. In einem solchen Diskurs muss dann auch die Bringpflicht der politisch Verantwortlichen für das Gelingen von Bildungsprozessen eine zentrale Rolle spielen. Beispielhaft seien hier nur angeführt:

  • Gruppengrößen, bei denen Bildungsprozesse wesentlich besser verlaufen, statt ständig steigender Gruppengrößen, bei denen allenfalls beim Dozieren noch eine gewisse Effizienz erreicht werden kann.
  • Pflichtstunden für Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte, bei denen Zeit bleibt für gute Vor- und Nachbereitung und individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler, statt Pflichtstundenregelungen auf Höhe eines traurigen Nachkriegsrekordes.
  • Qualifizierte, vom Arbeitgeber finanzierte Fortbildungsangebote für die Beschäftigten, statt Banalisierung von Fortbildung durch Punkteregelung und Abschieben der Kosten auf die Lehr- und Fachkräfte.

"Wenn von Verantwortlichen der Regierungsfraktion die Inspektionen als ´Schul-TÜV´ bezeichnet wurden, macht nicht zuletzt dies den sehr technokratischen Blick auf Schule deutlich, der im Übrigen auch in der Neuen Verwaltungssteuerung seinen Ausdruck findet. Diese Ausrichtung ist mit unserer Vision für die qualitative Weiterentwicklung des Bildungswesens – ´Bildung für eine soziale und humane Gesellschaft´ – nicht vereinbar", so Nagel abschließend.

Ansprechpartner

GEW Hessen

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden