Weichen für die Hochschulentwicklung gestellt

Nach intensiven Verhandlungen haben fünf Hochschulen des Landes gemeinsam mit dem Bildungsministerium die Eckdaten für die langfristige Entwicklung bis 2020 festgelegt. In Zielvereinbarungen, die heute im Schweriner Schloss unterzeichnet wurden, sind die konkreten Vorhaben für die erste Etappe bis 2010 formuliert.

28.04.2006 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern

Damit ist eine neue Grundlage der Zusammenarbeit von Hochschulen und Land erreicht.

Bildungsminister Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann: "Wir haben es mit drei Herausforderungen zu tun: Unsere Hochschulen müssen sich im internationalen Wettbewerb der Wissenschaft messen. Wir wollen in Zukunft in der Exzellenzinitiative mitspielen.

Außerdem hat die Hochschulentwicklung die demografische Problematik, die abnehmende Zahl von Landeskindern im Blick und verfolgt das Ziel, viele junge Menschen neu für das Land zu gewinnen.

Und nicht zuletzt steht Hochschulentwicklung auf dem Boden des Landeshaushalts und wir müssen das Beste aus dem Geld machen.

Zielvereinbarungen sind Verträge auf Augenhöhe zwischen Landesregierung und Hochschulen. Die Hochschulen nehmen große strukturelle Veränderungen auf sich und wollen sich durch Konzentration profilieren. Dabei erhalten sie vom Land sichere Zusagen zum Hochschulbau, zur Finanzausstattung, zu Personalstellen und für wissenschaftliche Großprojekte. Im übrigen: das Geld aus dem Stellenabbau bleibt jeder Hochschule erhalten."

Ausgewählte Kernpunkte aus den Zielvereinbarungen

Universität Greifswald

Wissenschaftliche Kompetenzfelder:

  • Lebenswissenschaften
  • Physik und Geowissenschaften
  • Kulturelle Interaktion mit Schwerpunkt Nord- und Osteuropa
  • Staat und Wirtschaft

Besondere Entwicklungsziele:

  • Innovationskompetenzzentrum "Funktionelle Genomforschung"
  • Forschungsschwerpunkt Gesundheitssystemforschung

Geförderte Entwicklungsziele:

  • Außenstelle an der University of Science Hanoi (Mitwirkung der Fachhochschule Stralsund)
  • Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg

Dafür trennt sich die Universität Greifswald von Romanistik, Altertumswissenschaften, Erziehungswissenschaften und vom Master der Lehrerausbildung.

Das Land weist in den Jahren 2006 und 2007 jeweils rund 85 Mio. € (einschließlich Medizin) zu und verpflichtet sich, diesen Betrag bis 2010 jeweils um 1,5 % zu steigern. In diesem Rahmen wird auch nach 2017 ein langfristiger Bestand von 765 Stellen gesichert. Die Fertigstellung des Universitätsklinikums ist gesichert.

Andere große Bauvorhaben werden z.B. in der Biochemie und der Physik bis 2010 realisiert bzw. begonnen.

Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT)

Künstlerische Kompetenzfelder:

  • Musik
  • Musikpädagogik, Schulmusik
  • Musikwissenschaft
  • Schauspiel

Besondere Entwicklungsziele:

  • Innovative Konzepte zur Förderung des deutschen Musikernachwuchses
  • Qualitativer Ausbau internationaler Hochschulbeziehungen (ABAM, ERASMUS)
  • Modellstudiengang Pädagogische Ausbildung mit Schwerpunkt Pop/Worldmusic
  • Studiengang Master Musikwissenschaft in Kooperation mit der Universität Rostock

Gefördertes Entwicklungsziel:

  • Sommercampus (internationale Meisterklassen an der HMT)

Das Land weist in den Jahren 2006 und 2007 jeweils rund 4,3 Mio. € zu und verpflichtet sich, diesen Betrag bis 2010 jeweils um 1,5 % zu steigern. Langfristig wird auch nach 2017 ein Bestand von 47 Stellen gesichert.

Zugesichert ist auch die Renovierung des Kapitelsaals und seine Herrichtung für künstlerisch-pädagogische Zwecke.

Hochschule Neubrandenburg

Wissenschaftliche Kompetenzfelder:

  • Nachhaltiger Strukturwandel und Umbau von ländlichen Regionen
  • Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung
  • Gesundheit, Prävention, Pflege und Gesundheitsmanagement
  • Landschaftsarchitektur, Natur und Umwelt, Vermessung und Geoinformatik
  • Landwirtschaft und Ernährung

Besondere Entwicklungsziele:

  • Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Bau an der Hochschule Wismar
  • Kooperation mit dem Zentrum für Lebensmitteltechnologie und dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Außenstelle Neustrelitz

Gefördertes Entwicklungsziel:

  • Modellstudiengang Early Education - Vorschulpädagogik

Die Hochschule trennt sich von den Studiengängen in der Fachrichtung Bauingenieurwesen. Das Land weist in den Jahren 2006 und 2007 jeweils rund 11,3 Mio. € zu und verpflichtet sich, diesen Betrag bis 2010 jeweils um 1,5 % zu steigern. In diesem Rahmen wird auch nach 2017 ein langfristiger Bestand von 184 Stellen gesichert. Gewähr leistet wird die Sanierung von Lehrgebäuden.

Fachhochschule Stralsund

Wissenschaftliche Kompetenzfelder:

  • Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Klein- und Mittelständische Unternehmen
  • Entrepreneurship und Internationale Wirtschaftsbeziehungen
  • Tourismus und Internationales Management
  • Informatik mit Anwendungen in Medizin, Technik und Wirtschaft
  • Angewandte Elektrotechnik mit besonderer Berücksichtigung von erneuerbarer Energie, Informations- und Kommunikationstechnologie
  • Angewandter Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen

Besonderes Entwicklungsziel:

  • Frauenstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen

Geförderte Entwicklungsziele:

  • Komplexlabor Alternative Energien
  • Institute für Applied Computer Sciences
  • International Business Center

Die Hochschule trennt sich vom Studiengang Technische Gebäudeausrüstung.

Das Land weist in den Jahren 2006 und 2007 jeweils rund 11,0 Mio. € zu und verpflichtet sich, diesen Betrag bis 2010 jeweils um 1,5 % zu steigern. In diesem Rahmen wird auch nach 2017 ein langfristiger Bestand von 181 Stellen gesichert.

Hochschule Wismar

Wissenschaftliche Kompetenzfelder:

  • Ingenieurwissenschaften
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Gestaltung in ihrer Vernetzung von Forschung und Lehre

Besondere Entwicklungsziele:

  • Modellprojekt "Hochschule 2020"
  • Zusammenarbeit mit der Nieklitzer Ökologie- und Ökotechnologiestiftung (NICOL)
  • Zentrum für strategische Fragen der regionalen Entwicklung mit angeschlossenem Servicebereich insbesondere für die Region Westmecklenburg

Geförderte Entwicklungsziele:

  • Kompetenzzentrum Bau
  • Ausbau des Nationalen und Internationalen Aus- und Fortbildungszentrums für die Schifffahrt
  • European Headquarters des UNESCO International Center of Engineering Education

Die Hochschule gibt den Studiengang Management Sozialer Dienstleistungen an die Hochschule Neubrandenburg zur Vervollständigung des dortigen Kompetenzfeldes Gesundheit, Prävention, Pflege und Gesundheitsmanagement.

Das Land weist in den Jahren 2006 und 2007 jeweils rund 20,5 Mio. € zu und verpflichtet sich, diesen Betrag bis 2010 jeweils um 1,5 % zu steigern. In diesem Rahmen wird auch nach 2017 ein langfristiger Bestand von 297 Stellen gesichert. Gewähr leistet werden Sanierungsarbeiten im Rahmen der Errichtung des Kompetenzzentrums Bau.

Mit der Universität Rostock ist es bis heute zu keiner Zielvereinbarung gekommen.

Das Angebot der Landesregierung an die Universität Rostock sieht Folgendes vor:

Wissenschaftliche Kompetenzfelder:

  • Bildung und Kultur in Kooperation mit den Ingenieurwissenschaften
  • Ursachen und Konsequenzen des demografischen Wandels
  • Marine Systeme und Prozesse, Schiffstechnik und Mechatronik
  • Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume
  • Informations- und Kommunikationswissenschaften
  • Lebenswissenschaften und Biosystemtechnik
  • Optical and Material Sciences
  • Regenerative Medizin, Biotechnologie und Biomedizintechnik

Besondere Entwicklungsziele:

  • Kompetenzzentrum Regenerative Medizin
  • Ausbau der skandinavisch-baltischen Scanbalt- und der European Nanomedicine-Initiativen
  • Forschungsschwerpunkt Grundlagen neuer Materialien
  • Beteiligung am Landesschwerpunkt "Gesundheitsprävention"

Geförderte Entwicklungsziele:

  • Einrichtung eines Projektmanagements/einer Projektkoordination zum Zwecke der Einwerbung von Drittmitteln
  • Stabsstelle für Fundraising und Alumni-Arbeit
  • Etablierung eines Projektes "Mobiler Lernort"
  • Errichtung eines Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung
  • Errichtung einer hochschulübergreifenden Weiterbildungs-GmbH

Dafür soll sich die Universität Rostock vom Hauptstudiengang Rechtswissenschaft mit Abschluss Erstes Examen trennen.

Das Land weist der Universität Rostock in den Jahren 2006 und 2007 jeweils 120 Mio € (einschließlich Medizin) zu und würde sich verpflichten, diesen Betrag bis 2010 jeweils um 1,5 % zu steigern. In diesem Rahmen würde auch nach 2017 ein langfristiger Bestand von 1.277 Stellen im Hochschulbereich gesichert. Die Umsetzung großer Baumaßnahmen, z.B. der Neubau des Institutes für Physik, die Grundsanierung der Ingenieurwissenschaften und des Universitätshauptgebäudes sowie der Neubau und die Grundsanierung wesentlicher Gebäude des Universitätsklinikums würden der Universität Rostock zugesagt.

"Wir bedauern es außerordentlich, dass es mit der Universität Rostock bislang zu keiner Einigung gekommen ist, denn auch dort ist eine Neuaufstellung unausweichlich, um im Konzert der Forschungsexzellenz mitspielen zu können und um im Wettbewerb um die Studierenden auch in Zeiten künftig stark abgeschwächter "inländischer Nachfrage" mithalten zu können," so Bildungsminister Metelmann.

Er sieht sich in diesem Zusammenhang einer Meinung mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, Prof. Dr. Peter Strohscheider, der kürzlich in einem Zeitungsartikel darauf verwies, dass Prioritäten in der Hochschulentwicklung zu setzen nicht nur bedeute, besonders herausragende Fächer auszubauen und zu stabilisieren. "Es macht erforderlich, sich von anderen wissenschaftlichen Arbeitsfeldern zu trennen. Derartige Prozesse der Profilbildung sind gewiss schmerzlich und erst recht nicht beliebig fortführbar - doch unumgänglich, wenn sie dem Erhalt der Hochschulstruktur insgesamt dienen."

Das Land braucht ein starkes Zentrum für die Lehrerausbildung und die Universität Rostock hat diese Aufgabe und kann sich großer Unterstützung dabei sicher sein.

Das trifft dagegen angesichts hoher Juristenarbeitslosigkeit für die Ausbildung von Juristen nicht zu.

Bis zum 30.04.2006 ist eine Einigung über Zielvereinbarungen noch möglich.

Sollte sie nicht zu Stande kommen, wird eine Zielvorgabe erlassen, um das mit Kabinettsentscheidung vom 29.11.2005 festgelegte landesweit abgestimmte und bedarfsgerechte Lehr- und Forschungsangebot sicher zu stellen. Die Zielvorgabe der Landesregierung orientiert sich insbesondere an dem Kriterium "bedarfsgerechtes Lehr- und Forschungsangebot".


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