"Wir haben weiterhin echte Herausforderungen zu bewältigen – Fortschritte in Qualität und Bildungsgerechtigkeit feststellbar"

Einen spürbaren Wandel in der bayerischen Schullandschaft hat der Bayerische Kultusminister in den kommenden Jahren zu gestalten. Dieses Kernergebnis lässt sich dem Bildungsbericht Bayern 2009 entnehmen, den heute Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle in München vorstellte. "Wir sind vorangekommen, haben aber weiterhin echte Herausforderungen zu bewältigen", so der Minister.

11.11.2009 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Bayernweit ist die Anzahl der Schüler in den 10 Jahren von 1997 bis 2007 um knapp sechs Prozent gesunken, dabei haben sich aber deutliche regionale Abweichungen von diesem Wert ergeben. Zugleich stieg der Anteil der Schüler, die auf den unterschiedlichsten Wegen die Hochschulreife erreicht haben, kräftig an. Die Durchlässigkeit des Schulwesens wurde, wie die Verfasser des Berichts feststellen, merklich gesteigert. Für Minister Spaenle gilt es weiterhin Felder, auf denen Handlungsbedarf besteht etwa darin, die Teilhabechancen für Schüler aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund weiter zu verbessern.

"Die Mega-Trends des Rückgangs der Schülerzahl und einer Zunahme an höheren Bildungsabschlüssen werden sich fortsetzen", so der Kultusminister, "allerdings regional unterschiedlich".

Die erweiterten Möglichkeiten, sich über die berufliche Bildung weiter zu qualifizieren wie z.B. über Berufs- und Fachoberschulen, führen zu einem deutlichen Anstieg von Jugendlichen mit Hochschulreife und erhöhen die Durchlässigkeit des differenzierten Schulwesens, ergänzte der Minister. "Die Unternehmen erwarten von unseren jungen Menschen für die meisten Berufsfelder immer höhere Qualifikationen. Dieser Entwicklung werden wir durch zusätzliche Wege zu qualitätsvolleren und höheren Schulabschlüssen gerecht", sagte Dr. Spaenle. Gezielte individuelle Förderung an allen Schularten steht dabei für ihn im Mittelpunkt der Anstrengungen.

Von 2004 bis 2007 ist die Quote der Hochschulzugangsberechtigten insgesamt auf gut 30 Prozent gestiegen, darunter allein die der Abiturienten von 19 auf 20,8 Prozent. Die Quote der Schüler mit Mittlerem Bildungsabschluss war von von 37,5 Prozent auf 40,3 Prozent angewachsen, zeigt der Bericht. Im gleichen Zeitraum war der Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne Schulabschluss verließ, von 5,2 Prozent auf 4,1 Prozent reduziert worden.

Gleiche Chancen für Kinder von Stadt und Land

"Es wird unsere Hauptaufgabe sein, den jungen Menschen überall in Bayern trotz der Bevölkerungsentwicklung ein möglichst qualitätsvolles und wohnortsnahes Bildungsangebot zu sichern", betonte der Minister. "Wir müssen den Kindern von Stadt und Land die gleichen Chancen gewähren." Angesichts der Bevölkerungsentwicklung wird dies für den Bildungspolitiker keine einfache Aufgabe. "Da gibt es teilweise deutliche Unterschiede", verwies der Minister auf Daten einzelner Stadt- und Landkreise. Die durchschnittliche Übertrittsquote von der Grundschule auf die Realschule betrug im Jahr 2007 rund 22,3 Prozent und die auf das Gymnasium rund 37,1 Prozent. Dabei lag der Anteil der für den Übertritt auf das Gymnasium geeigneten Schüler mit rund 48 Prozent deutlich über der Zahl der Schüler, die tatsächlich den gymnasialen Weg eingeschlagen haben.

In den kreisfreien Städten lag die Übertrittsquote von der Grundschule auf das Gymnasium 2007 bei gut 43 Prozent, in den Landkreisen bei rund 35 Prozent.

Deutlicher Schülerschwund in Nord- und Ostbayern

Der Bildungsbericht 2009 dokumentiert, dass die Zahl der unter 18-jährigen in Bayern von 1997 bis 2007, also innerhalb von 10 Jahren, deutlich, nämlich um 5,8 Prozent, zurückgegangen ist. Der größte Rückgang an jungen Menschen verzeichnet der Norden und äußerste Osten des Freistaats. Am stärksten schlägt dabei der Rückgang mit einem Minus von einem Fünftel der Schüler im Landkreis Wunsiedel zu Buche. Einen deutlichen Zuwachs an jungen Menschen registrierte der Kern Oberbayerns vom Landkreis Freising über die Landeshauptstadt bis zum Landkreis Landsberg am Lech, den höchsten Zuwachs an jungen Menschen verzeichnete der Landkreis München mit einem Plus von knapp 15 Prozent.

"Das Instrument der Schulverbünde von kleineren Haupt- und Mittelschulen wird bei der Gestaltung von Schul- und Lebensräumen eine wichtige Rolle spielen", konkretisierte Minister Spaenle seine Position. "So können wir sehr viele Schulstandorte vor Ort erhalten. Das sichert die Lebensqualität der Menschen auf dem Land." Mit Hilfe der Dialogforen werde das Ministerium bei Entscheidungen die Menschen vor Ort mit ihren Bedürfnissen einbinden.

Chancen der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessern

"Weiterhin verbessern müssen wir die Chancen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund", so Minister Spaenle. "Vor allem müssen wir männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund mehr Aufmerksamkeit widmen." Der Anteil der Kinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit aus einem Jahrgang, der die Realschule und das Gymnasium besucht, steigt nachweislich an. Die erfolgreiche Bildungsbeteiligung der Kinder mit Migrationshintergrund in der zweiten Generation erhöht sich deutlich und der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss ist von 16,5 Prozent im Schuljahr 2003/2004 auf 12,7 Prozent im Schuljahr 2006/2007 zurückgegangen. "Die erweiterte Sprachförderung bereits ab dem Vorschulalter und das Gesamtkonzept zur schulischen Integration der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund werden hier weitere positive Ergebnisse erzielen", führte Minister Spaenle aus.

Die Anzahl der Kinder, die im "Vorkurs" bereits im letzten Kindergartenjahr Deutsch belegen, sei von 550 im Schuljahr 2001/2002 auf 15.155 im Schuljahr 2007/2008 angestiegen. In diesem Zeitraum war die Anzahl der Unterrichtsstunden in zwei Schritten von 40 auf 160 und dann 240 angehoben worden. Erste positive Ergebnisse der Sprachförderung dokumentiert der Bericht bereits, z.B. den Anstieg der Quote der Kinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die nach der Grundschule auf die Realschule (um 1,5 Prozent) bzw. auf das Gymnasium (um gut drei Prozent) wechseln. "Die Sprache bleibt der Schlüssel zu Bildungserfolg", so der Minister. Aber auch die Absenkung der Klassengröße an Volksschulen auf 25 Schüler, wenn der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund 50 Prozent übersteigt, stellt für Minister Spaenle ab diesem Schuljahr eine bessere individuelle Förderung sicher – für alle Schüler.

Mädchen und Jungen jeweils gezielter fördern

Handlungsbedarf erkennt Minister Spaenle auch hinsichtlich der Teilhabechancen von Mädchen und Jungen am Bildungsprozess. Buben besuchen seltener als Mädchen die Realschule und das Gymnasium. So lag die Quote des Übertritts der Jungen auf die Realschule bei 21,8 Prozent, die der Mädchen bei 22,9 Prozent, die Quote des Übertritts der Jungen auf das Gymnasium bei 36 Prozent, die der Mädchen bei 38,2 Prozent. Die Anzahl der Jungen, die die allgemein bildenden Schulen ohne Abschluss verlassen, lag mit 5,4 Prozent fast doppelt so hoch wie die bei Mädchen mit 2,9 Prozent.

"Hier haben wir mit einem Fachkongress in Eichstätt 2009 erste Weichen gestellt, um beiden Geschlechtern die gleichen Teilhabechancen zu geben", verwies Minister Spaenle auf konkrete Schritte des Kultusministeriums zur geschlechterspezifischen Förderung in der Schule. "Da müssen wir weiter arbeiten."

"Ich bin dankbar, dass wir mit dem Bildungsbericht Bayern 2009 eine auch regional sehr detaillierte Datensammlung haben, die uns eine Hilfestellung bei bildungspolitischen Entscheidungen liefert, damit wir die Teilhabechancen für junge Menschen – wo es nötig ist – verbessern können." Der Bericht macht auch konkrete Aussagen zum Lehrerbedarf. In den kommenden 15 Jahren müssten Nachfolger für gut zwei Fünftel der derzeitigen Lehrkräfte gefunden werden, da diese in den Ruhestand wechselten.

"Angesichts der gestiegenen Anforderungen an unsere jungen Menschen werden wir ihre individuelle Förderung z.B. durch den Ausbau von Ganztagsangeboten, den Abbau der großen Klassen und eine entwicklungsgerechte Grundschule erhöhen müssen", nannte Minister Spaenle drei weitere Handlungsfelder. Vor allem will er die Anzahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlässt, weiter absenken. Ein Rückgang von rund 20 Prozent zwischen 2003 und 2006 sei ein erster Erfolg, aber noch nicht ausreichend. "Auch die Inklusion von jungen Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf müssen wir weiter voranbringen", so der Minister.

Der Bildungsbericht trägt den Titel "Bildungsbericht Bayern 2009" und wurde vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus herausgegeben. Die Daten stammen aus den Schuljahren 2006/2007 und 2007/2008, und zwar vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.


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