Wo ein (Eltern)Wille ist, ist oft kein Weg

"Die hohe Zahl der Ablehnungen von Kindern an Gesamtschulen drückt einen wachsenden Elternwillen aus, der die Landesregierung mehr als nachdenklich stimmen müsste."

08.02.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

So kommentiert der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE, Udo Beckmann, die heute von der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule vorgestellten diesjährigen Anmeldezahlen.

Es wäre aus Sicht des VBE- Vorsitzenden von öffentlichem Interesse, wenn die alljährlich hohe Zahl der von den Gesamtschulen abgelehnten Kinder in den schulstatistischen Veröffentlichungen ausgewiesen werden würde. Darüber hinaus wäre im Sinne von Transparenz auch aufzuführen, wie diese Kinder dann auf die anderen Schulformen verteilt werden und wie sich das auf die Schülerzahlen der jeweiligen Schulform auswirkt.

"Immer mehr Eltern wünschen sich für ihre Kinder längeres gemeinsames Lernen", so Beckmann weiter. "Sie wollen ihren Kindern zudem die Chance, den höchstmöglichen Bildungsabschluss zu erreichen, so lange wie möglich offen halten. Sie möchten sie aber dafür nicht dem enormen Druck aussetzen, der durch die Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs auf 8 Jahre entstanden ist. Dies belegt die wachsende Zahl der Anmeldungen von Kindern mit Gymnasialempfehlungen an den Gesamtschulen. Diesen Wünschen der Eltern muss die Landesregierung sich stellen, wenn sie nicht Politik über die Köpfe der Menschen hinweg betreiben will."

Kommunen, die eine Gesamtschule gründen wollen, müssen 112 Anmeldungen nachweisen. Von diesen 112 Kindern muss nach Auslegung der Landesregierung jeweils ein Drittel eine Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialempfehlung haben. Das ist eine Setzung, die sich aus Sicht des VBE nicht zwingend aus dem Schulgesetz ableiten lässt.

"Vor dem Hintergrund des im Schulgesetz verankerten Rechts auf individuelle Förderung ist diese Auflage aber auch aus pädagogischer Sicht nicht nachvollziehbar", so Beckmann weiter. "Worauf soll individuelle Förderung denn abzielen, wenn mit der Grundschulempfehlung auch gleich feststehen soll, dass ein Kind auf keinen Fall über den am Ende der Grundschulzeit prognostizierten Schulabschluss hinauskommen wird?"

Dass die Gesamtschulen trotz insgesamt rückläufiger Schülerzahlen einen Anmeldeboom erleben, macht deutlich, dass wir langfristig eine neue schlüssige Gesamtkonzeption für die Sekundarstufe I brauchen.

"Eine solche Konzeption muss den Elternwunsch nach längerem gemeinsamen Lernen berücksichtigen, für optimale Durchlässigkeit sorgen, den höchstmöglichen Bildungsabschluss so lange wie möglich offen halten und Lösungen für ein vollständiges wohnortnahes Bildungssystem beinhalten ", so Beckmann abschließend. "Der VBE hat der Landesregierung mit seinem Konzept der Gemeinschaftsschule/Allgemeinen Sekundarschule dafür ein zukunftsorientiertes Konzept an die Hand gegeben."


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