Lehrerstellen

Zahlenspielerei endlich beenden

Gestern präsentierte die GEW Sachsen-Anhalt die Ergebnisse einer Erhebung zur Unterrichtsversorgung. Die Reaktionen aus dem Kultusministerium enttäuschen auf ganzer Linie. Die vom Kultusministerium vorgebrachte [Interpretation](http://bildungsklick.de/pm/94763/sachsen-anhalt-stellt-bis-zu-500-lehrkraefte-ein/) der GEW-Forderung nach zusätzlichen Lehrer-Einstellungen kann nur verwundern.

08.10.2015 Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Der Landesvorsitzende der GEW, Thomas Lippmann, hatte gestern die Konsequenzen aus der schlechtesten Unterrichtsversorgung seit Jahrzehnten ausführlich erläutert. Nach den enttäuschenden Reaktionen appellierte er heute an den Kultusminister und die Regierungsfraktionen von CDU und SPD: "Die Schulen, in denen seit Wochen Unterricht nicht erteilt werden kann, weil Lehrkräfte fehlen, brauchen nicht immer neue Rechenmodelle und Versprechungen, sondern unverzüglich mehr Lehrkräfte, um ihre umfangreichen Aufgaben im erforderlichen Umfang und in der erwarteten Qualität erfüllen zu können."

Es helfe niemandem, ständig die sprichwörtlichen "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen und dadurch den Schulen und der Öffentlichkeit ein Bild vorzugaukeln, dass mit der Realität nichts zu tun habe. Die GEW habe aus gutem Grund die Einstellung von 300 Lehrkräften zusätzlich zum Einstellungskorridor von 2015 gefordert. Dieser betrage derzeit bis zu 600 Lehrkräfte (470 unbefristete Stammlehrkräfte und ca. bis zu 130 befristete Einstellungen für die Sprachförderung von Migranten), wovon etwa 60 Einstellungen derzeit noch offen seien. Der Minister brächte dagegen jetzt offensichtlich bereits die Ausschreibungen ins Spiel, die aus dem Einstellungskontingent für das Jahr 2016 stammen bzw. die ausschließlich der schnell steigenden Zahl von Migranten geschuldet seien.

Von einer Ausweitung des Einstellungskontingentes aus dem Jahr 2015 für unbefristete Stammlehrkräfte, wie von der GEW gefordert, sei hingegen nichts bekannt. Alle verfügbaren Informationen deuteten vielmehr darauf hin, dass auch das für das Jahr 2016 geplante Einstellungskontingent wieder um mehrere Hundert Lehrkräfte zu gering sein wird. Zwar solle die Zahl der Lehrkräfte für die Sprachförderung auf insgesamt 250 erhöht werden (wovon 50 Lehrkräfte unbefristet übernommen werden können), gleichzeitig werde aber die Zahl der Neueinstellungen von unbefristeten Stammlehrkräften um jene 50 Stellen reduziert, die den Sprachlehrkräften angeboten werden.

Mit der Ankündigung, im November 260 unbefristete Lehrerstellen auszuschreiben, die möglichst ab Januar in den Schulen zur Verfügung stehen sollen, reagiere das Ministerium zwar etwa in dem von der GEW geforderten Umfang auf die unhaltbare Situation im laufenden Schuljahr, allerdings zu Lasten der Planungen für den Schuljahreswechsel im Sommer 2016. Denn dafür blieben dann von den 420 Einstellungsmöglichkeiten für unbefristete Stammlehrkräfte nur noch 160 übrig.

"Durch die weiter steigende Schülerzahl und die steigende Zahl von Lehrkräften, die aus dem Schuldienst ausscheiden, werden das voraussichtlich 400 - 500 Lehrkräfte zu wenig sein. Dieses Problem soll aber offensichtlich der kommenden Regierung zugeschoben werden, die dann viel zu kurzfristig und wahrscheinlich auch viel zu spät über weitere Einstellungen entscheiden muss, um die Unterrichtsversorgung nicht noch weiter absinken zu lassen." Dies sei letztlich auch eine Form von Wahlkampf – und zwar eine ziemlich unehrliche und unfaire.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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