GEW: Schulische Rahmenbedingungen haben sich nicht verbessert!

Anlässlich des Schuljahresbeginns 2005/2006 hat die GEW der Selbsteinschätzung der Landesregierung widersprochen, durch ihre Politik hätten sich die Rahmenbedingungen für die niedersächsischen Schulen deutlich verbessert. Das Gegenteil sei der Fall.

22.08.2005 Niedersachsen Pressemeldung GEW Niedersachsen

Auch die neue 100 Prozent-Definition in Sachen Unterrichtsversorgung könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den Schulen an personellen Ressourcen fehle. Die Folgen der angespannten Unterrichtsversorgung seien trotz eines rechnerischen Durchschnittswertes von über 99 Prozent allenthalben zu spüren in größeren Klassen. Es werde schwierig Angebote zu realisieren, die über die unmittelbare Erteilung der Stundentafel im Klassenverband hinausgingen. Förderungsmöglichkeiten, Wahlpflichtangebote und Arbeitsgemeinschaften würden abgebaut, Lehrkräfte und Sozialpädagoginnen und -pädagogen in steigendem Maße belastet.

Eine wesentliche Ursache hierfür sei neben der fortdauernden Rotstiftpolitik das von der Regierung eingeführte teure System früher Trennung von Schülerinnen und Schülern. Die weiterführenden Schulformen bereits nach der 4. Klasse vorzusehen, habe allein 1.500 Lehrkräfte gebunden, die unter den Bedingungen von mehr Kooperation und Integration für eine bessere Unterrichtsversorgung und für mehr individuelle Förderung hätten eingesetzt werden können.

Die stärkere Trennung der Bildungsgänge schaffe an allen Schulformen Probleme. Inzwischen könne man feststellen, dass die Hauptschule, an der gute pädagogische Arbeit geleistet werde, zunehmend abgewählt werde, weil immer weniger Eltern sich von einem Hauptschulabschluss gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt versprächen. Den Realschülerinnen und Realschülern werde der Wechsel in die gymnasiale Oberstufe erschwert, da die Regierung beabsichtige den Realschulabschluss im Gymnasium nach Klasse 9 zu erteilen.

Das Gymnasium sei inzwischen die am häufigsten angewählte Schulform. Dies widerspreche der Aufgabenzuschreibung, die die Landesregierung in ihrem Schulgesetz festgeschrieben habe. Die Schülerinnen und Schüler und die Kollegien gerieten in ein Dilemma: Die Gymnasien verfügten nicht über die erforderlichen Förderstunden und Konzeptionen um einer noch heterogener werdenden Schülerschaft gerecht zu werden.

Auch der gesellschaftlichen Notwendigkeit entschieden mehr Ganztagsschulen einzurichten werde nicht wirklich Rechnung getragen. Die Fördermittel aus dem Investitionsprogramm Zukunft, Bildung und Betreuung (IZBB) der Bundesregierung würden nicht durch Landesmittel ergänzt. Schulen ohne zusätzliche Stunden für Lehrkräfte und Sozialpädagoginnen und -pädagogen mit nachmittäglicher Freizeitbetreuung Ganztagsschulen zu nennen sei ein Etikettenschwindel. Die GEW sehe - wie viele Eltern und Kollegien - für ernstzunehmende Ganztagspädagogik weiterhin großen Veränderungsbedarf.

Zum Vorhaben der Landesregierung eine neue Steuerung des Schulwesens einzuführen bekräftigt die GEW ihre Forderungen an die Landesregierung

  1. die Landesschulbehörde mit Schulbezirkspersonalräten zu erhalten und die Übertragung von Dienstvorgesetztenfunktionen auf Schulleiterinnen und Schulleiter pragmatisch zu klären;
  2. die Gesamtkonferenz zu erhalten und die Schulverfassung in der Schule weiter zu entwickeln;
  3. mehr Freiheit für pädagogische Entwicklung, weniger Gängelung durch betriebswirtschaftliche Formen der Qualitätsentwicklung vorzusehen und
  4. ein bedarfsgerechtes Angebot an Fort- und Weiterbildung für Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereitzustellen!

Verantwortlich: Richard Lauenstein

Ansprechpartner

GEW Niedersachsen

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