Schneider muss nachsitzen
Der durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) vorgelegte Bildungsbericht stellt der bayerischen Schul- und Bildungspolitik ein "mangelhaft" aus. Der Bericht bestätigt auf dramatische Weise die Versäumnisse und Fehler des Bayerischen Kultusministeriums, auf die die GEW Bayern seit vielen Jahren hinweist und Änderungen einfordert.
25.07.2006 Bayern Pressemeldung GEW Bayern"Der Bericht ist von höchster Brisanz und Minister Schneider kann sich diesmal nicht aus der Verantwortung stehlen, in dem er den fachlichen Wert des Dokuments anzweifelt. Immerhin wurde der Bericht von seinem eigenen Haus in Auftrag gegeben", erklärt Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern. Und weiter: "Der Bildungsbericht belegt, dass Bayern das mit Abstand ungerechteste Bildungssystem hat, in dem nicht nur die ethnische und soziale Herkunft über den Bildungserfolg entscheiden, sondern darüber hinaus auch der Wohnort."
Laut Bildungsbericht sind Einkommen der Eltern, Nationalität und regionale Herkunft entscheidende Kriterien für den Besuch weiterführender Schulen. Je höher beispielsweise die Arbeitslosigkeit in einer Region ist, desto mehr Kinder besuchen anteilmäßig die Hauptschule. Trotz gegenteiliger Behauptungen des Kultusministers, es gäbe vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für Hauptschüler, gehören diese Schüler eindeutig zu den Verlierern im bayerischen Schulsystem. Nur 25% der Hauptschüler finden unmittelbar nach dem Abschluss einen Ausbildungsplatz – der Rest durchläuft Warteschleifen, die am Ende nur für wenige zu Erfolgen führen. Oskar Brückner: "Das bayerische Schulsystem hat sich erneut als unfähig erwiesen, das vorhandene Potenzial der Schüler zu fördern. Insbesondere setzt es weiter auf frühe Selektion und damit die Zementierung herkunftsbedingter Benachteiligung. Bayern hält damit konsequent am gegliederten Schulsystem fest. Dieses Relikt aus der Zeit der Ständestaaten ist ein Anachronismus ersten Ranges und straft die Ernsthaftigkeit bayerischer Bildungspolitik Lügen."
Die GEW Bayern stellt Kultusminister Schneider am Ende des Schuljahres daher ebenfalls ein "mangelhaft" für seine Bildungspolitik aus und fordert:
- möglichst frühe und individuelle Förderung von Schülern,
- deutliche Erhöhung der personellen Ressourcen an allen Schularten,
- Abschaffung des Sitzenbleibens, stattdessen Einsetzung eines konsequenten Unterstützungssystems, bestehend aus verschiedensten Professionen (Schulpsychologen/-innen, Erzieher/-innen, Sonderpädagogen/-innen, Förderlehrer/-innen und Sozialpädagogen/-innen), für eine wirkungsvolle individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler
- Zulassung der Zusammenlegung verschiedener Schularten zu "Einer Schule für alle" auf Wunsch der Sachaufwandsträger bzw. nach Maßgabe der Bevölkerungsentwicklung.
"Der Bildungsbericht gleicht einem Offenbarungseid der Staatsregierung und bringt erneut ans Licht, dass in Bayern der Geldbeutel und der Wohnort über den Bildungserfolg entscheiden – ein unter den Industrienationen in dieser Deutlichkeit einmaliger und skandalöser Zusammenhang", so Oskar Brückner.
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